Alternative zu Islamisten: El Baradei gründet neue ägyptische Partei

Der ägyptische Reformer Mohamed El Baradei hat eine neue Partei gegründet – als Gegengewicht zu den vorherrschenden Islamisten. Gegen den regierenden Militärrat stellt sich auch Saudi-Arabien, das jetzt seine Diplomaten zurückholt.

Seine eben gegründete Partei will Mohamed El Baradei als Alternative zu den derzeit dominierenden islamistischen Gruppierungen verstanden wissen. Er sei zuversichtlich, dass die Partei namens Dustour eines Tages die Regierungsgewalt im Land übernehmen werde, sagte der liberale Politiker am Samstag in Kairo.

Der ehemalige Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) ist ein prominentes Gesicht der ägyptischen Reformbewegung, seit er 2010 in das Land zurückkehrte. El Baradei wird vor allem von den Liberalen der Protestbewegung unterstützt, die zurzeit von islamischen Kräften an den Rand des politischen Geschehens gedrängt werden.

Aus Protest gegen den regierenden Militärrat hatte El Baradei im Januar seine Kandidatur für das Amt des ägyptischen Präsidenten zurückgezogen. Das alte Regime sei noch immer an der Macht, hatte er gesagt. Nach Einschätzung von Experten hatte El Baradei aber auch im Lager der Protestbewegung Rückhalt verloren.

Saudi-Arabien schließt seine ägyptische Botschaft

Saudi-Arabien hat unterdessen seine diplomatischen Vertretungen in Ägypten geschlossen und den Botschafter zurückbeordert. Die Golfmonarchie reagierte damit auf Proteste Hunderter Ägypter vor der saudischen Botschaft in Kairo.

Die Menschenmenge hatte die sofortige Freilassung des ägyptischen Menschenrechtsanwalts Ahmed Mohammed Tharwat El Gisawi gefordert, der in Saudi-Arabien festgenommen worden war. Nach Angaben der ägyptischen Organisation Arabisches Netzwerk für Menschenrechtsinformation war der Anwalt in Abwesenheit zu einem Jahr Haft und zwanzig Peitschenhieben verurteilt worden, weil er die Machthaber in Riad kritisiert habe. Dem widersprach Riads Botschafter in Kairo.

Ein saudi-arabischer Regierungssprecher kritisierte die Proteste in Ägpyten als „ungerechtfertigt“. Die Demonstranten hätten Diplomaten bedroht und versucht, die Botschaft zu stürmen.

Ägypten bemühte sich um eine Lösung der Krise. Medienberichten zufolge rief der Chef des regierenden Militärrats, Hussein Tantawi, den saudischen König Abdallah an. Die ägyptische Zeitung „El Ahram“ berichtete auf ihrer Webseite, die Regierung in Kairo habe die Proteste „bedauert“ und sie als „unverantwortliche Akte“ bezeichnet, die den „tiefen Beziehungen“, die beide Länder miteinander unterhielten, schaden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *