Geschrieben am 26. Dezember 2013 von Redaktion abgelegt in der Kategorie Israel,
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Araber-Clans verbünden sich mit jüdischen Verbrechern

Jüdische und arabische Israelis sind sich kaum je bei einem Thema einig. Doch in der kriminellen Unterwelt funktioniert die Völkerverständigung: Gemeinsam lassen sich Drogen einfacher schmuggeln und feindliche Banden besser abwehren.

In Israel werden Araber gegenüber Juden oft benachteiligt. Aber in der kriminellen Unterwelt ist es anders: Dort arbeiten jüdische und arabische Banden auf Augenhöhe bestens zusammen. „Wir registrieren diese Zusammenarbeit im ganzen Land und in allen gemischten Städten“, sagt ein regionaler Geheimdienstchef der israelischen Polizei, der seinen Namen nicht genannt haben will.

Mit sogenannten gemischten Städten meint der Geheimdienstmann solche, in denen sowohl Juden als auch viele israelische Araber leben. Insgesamt machen Araber rund 20 Prozent von Israels Bevölkerung aus. Die Demografie-Behörde des Landes listet sieben gemischte Städte auf – darunter Haifa, Jaffa, Ramle und Lod. Doch auch in den „gemischten“ Städten wohnt man eher neben- als miteinander.

„Es kommt kaum zu Revierkämpfen zwischen Arabern und Juden, weil die Banden in unterschiedlichen Ballungsräumen aktiv sind“, sagt Avi Brochman, der 32 Jahre lang als Polizeichef tätig war und nun am Ashkelon College Kriminologie unterrichtet.

Wie in anderen Ländern organisieren sich Israels Verbrecherorganisationen oft entlang ethnischer, konfessioneller oder familiärer Bande. Jüdisch-arabisch-gemischte Gruppen gibt es so gut wie keine. Allerdings gibt es auch kaum Streit. Die arabischen Kriminellen sind hauptsächlich in den arabischen Vierteln verankert, die jüdischen Gangster in den jüdischen.

Wenn es zu Fehden zwischen Banden komme, dann meist innerhalb eines Reviers – zwischen rivalisierenden Hamulas, wie die arabischen Familienclans in Israel und Palästina genannt werden, erklärt der einstige Polizeichef Brochman.

Jüdische und arabische Banden schmuggeln zusammen Drogen

Araber und Juden arbeiten häufig ausgezeichnet zusammen – vor allem beim Drogenschmuggel.

Arabische Banden bringen Marihuana und Heroin über die Grenzen zu Ägypten und Jordanien ins Land. Jüdische Banden kaufen es ihnen ab und verkaufen es an die israelischen Konsumenten weiter. „Für die jüdischen Verbrecherorganisationen sind diese Kontakte von entscheidender Bedeutung“, sagt der Mann vom Geheimdienst. Ähnlich laufe es auch mit anderer Schmuggelware wie Waffen.
Kokain dagegen bringen meist jüdische Verbrechergruppen nach Israel, per Schiff und per Flugzeug. Da sind sie besser vernetzt als die arabischen Clans. Eine Ausnahme stellen die Karadschas dar – eine arabische Familie, die beim Kokain-Import aus Südamerika mithelfen soll, sagt Amir Zohar. Er ist Journalist der Webseite „Posta“, die über Verbrechen berichtet.

Doch nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen kooperieren Araber und Juden. Auch gemeinsame Rivalen schweißen zusammen. Im Kampf um die Küstenstadt Netanja beispielsweise verbündete sich der arabische Dscharuschi-Clan mit der jüdisch-algerischen Abutbul-Familie gegen die arabische Karadscha-Familie, die wiederum mit dem jüdischen Schirazi-Clan gemeinsame Sache machte. Das berichtet eine Quelle aus Netanjas Verbrecherkreisen SPIEGEL ONLINE.

Letztendlich gelang es den Karadschas sich durchzusetzen – dank ihrer jüdischen Verbündeten. Damit hätten sie ein Kooperationsmodell geschaffen, das sich durchsetze, sagt der Journalist Zohar: Große Araber-Clans machen gemeinsame Sache mit jüdischen Verbrechern.

Die Araber geben in der Unterwelt den Ton an

„Es ist unglaublich schwierig für jüdische Verbrecher, mit den Hamulas mitzuhalten oder sich einer Zusammenarbeit mit ihnen zu verweigern“, sagt Zohar. Die arabischen Hamulas seien in Israel seit den neunziger Jahren immer einflussreicher geworden, schätzt Zohar. Auch in den Gefängnissen, wo die meisten Kontakte geknüpft werden, seien die Araber stärker vertreten aufgrund ihrer Diskriminierung und sozioökonomischen Marginalisierung. Zudem sei Kriminalität unter ihnen weniger stigmatisiert, schließlich könne es als heroischer Widerstand gegen das zionistische System interpretiert werden, erklärt Zohar.

„Sie haben mehr Leute, und sie haben vor niemandem Angst“, sagt Zohar über die arabischen Hamulas. Die jüdischen Verbrecher dagegen würden versuchen, sich mit ihnen auf guten Fuß zu stellen und ihnen zu schmeicheln. In der gemischten Stadt Haifa beispielsweise sei die Unterwelt fest im Griff des arabischen Familienclans Hariri, sagt Zohar. „Die jüdischen Kriminellen sind da in die Ecke gedrängt, sie müssen mit den Arabern zusammenarbeiten.“

Im Herbst schockten Anschläge von Kriminellen die israelische Öffentlichkeit. Hinter drei Autobomben in Tel Aviv und der südisraelischen Stadt Aschkelon steckten Bandenkriege. Allerdings gehen Experten nicht davon aus, dass das Ausmaß der Kriminalität in Israel bereits das von organisiertem Verbrechen im großen Stil erreicht hat – oder dass die Banden bereits Regierungskreise durchdrungen haben.

„Die Welt der Kriminellen ist eine der wenigen in Israel, wo das Zusammenleben und die Kooperation zwischen Arabern und Juden wirklich gut funktioniert und aufblüht“, sagt Ben Hartman, der für die israelische Zeitung „Jerusalem Post“ über Kriminalität berichtet. „Dass davon weder das eine noch das andere Volk profitiert, ist allerdings eine andere Frage.“

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