Geschrieben am 10. August 2011 von Michael abgelegt in der Kategorie England,
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Aufruhr in Großbritannien

Die Bilder aus Großbritannien, insbesondere der vergangenen Nacht, mit Brandschatzungen Plünderungen und Gewalt, stellen die Frage: Kommt das wirklich alles unerwartet?

Polizei überrascht
Unerwartet sicherlich für die britische Regierung und die Polizei.
Die Polizei, ohne Führung nachdem der Londoner Polizeichef und sein Stellvertreter im Rahmen des Rupert-Murdoch Presse- und Korruptionsskandal zurückgetreten waren, hat mehr als 50 Public Relations Officer, aber offensichtlich keine ausreichende Zahl von Beamten, die mit Sozialarbeitern reden, insbesondere in den Bezirken Londons, die durch dreierlei gekennzeichnet sind: Armut, hohe Kriminalität und hoher Migrantenanteil, also im Osten, Norden und Süden Londons, aber nicht nur dort.

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Soziale Brennpunkte Londons – Screenshot: Dr. v. Paleske

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….gestern abend

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….und am morgen danach
Sozialarbeiter nicht überrascht
Londoner Sozialarbeiter, die von den Medien wie der BBC interviewt werden, zeigen sich von dem Ausbruch der Gewalttätigkeiten – wenn auch nicht in diesem Ausmass – keineswegs überrascht.

Die Jugend in vielen dieser Armutsviertel ist perspektivlos, nicht selten nach Abschluss der Schule arbeitslos. De Kürzungen der Regierung Cameron im Sozialetat haben den ohnehin schon vorhandenen sozialen Sprengstoff weiter erhöht.

Da reichte dann die Tötung des Mark Duggan durch einen Polizeibeamten – der Beamte hatte offenbar bestenfalls in Putativnotwehr gehandelt, wie sich jetzt herausstellt – um den angehäuften sozialen Sprengstoff zur Explosion zu bringen.

Hinzu kommt die Ausbreitung von kriminellen Gangs, die ganze Stadteile unter sich aufteilen und die sozialen Spannungen erhöhen.

Ungerichtete Proteste
Die jetzt zu beobachtenden Proteste sind nicht politisch geleitet, sie sind vielmehr der ungezügelte und ungerichtete Ausbruch der Wut und Frustration, und richten sich mit ihren Auswirkungen auch noch grösstenteils gegen diejenigen, die selbst nur bestenfalls zur unteren Mittelschicht gehören,wie kleine Ladenbesitzer

Milliarden für die Banken.
Die Regierung hat außer der Verkündung eines drastischen Sparprogramms, das Mittel für den Sozial- und Gesundheitsbereich drastisch kürzt, nichts anzubieten.

Der britische Premier Cameron, vorzeitig aus dem Urlaub zurückgekehrt, versuchte alles auf die Schiene „Kriminalität“ zu schieben, und hat mehr Polizei nach London beordert.

Der jetzige Großeinsatz der Polizei wird das Feuer bestenfalls eingrenzen, aber nicht austreten, da sich an den sozialen Verhältnissen kaum etwas ändern wird. Multi-Milliardenbeträge wurden stattdessen eingesetzt, um Banken nach der Krise 2008 zu retten.

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