Geschrieben am 27. August 2011 von Michael abgelegt in der Kategorie Deutschland,
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BP will Autofahrer für E10-Debakel zahlen lassen

Ihre Ablehnung des sogenannten „Biosprits“ E10 könnte die deutschen Autofahrer teuer zu stehen kommen. Drohende Strafzahlungen für die Mineralölkonzerne würden diese wohl an die Verbraucher weiterreichen, sagte der Europa-Chef des britischen Ölkonzerns BP, Uwe Franke, den Zeitungen der WAZ-Gruppe.

Vorgeschriebene Quote wird nicht erreicht

Die deutschen Tankstellen sind verpflichtet, in der Summe einen bestimmten Anteil von Biosprit zu verkaufen. Dies wollte die Mineralölwirtschaft mithilfe von E10 erreichen: Dem Superbenzin sind zehn Prozent Bioethanol beigemischt – statt fünf Prozent im normalen Benzin. Rund zehn Prozent der Autos auf deutschen Straßen vertragen diesen Kraftstoff nicht. Insgesamt verzichteten aber deutlich mehr Autofahrer darauf, obwohl E10 deutlich billiger angeboten wurde als klassisches Superbenzin. Deshalb dürften die Tankstellen-Betreiber die Mindestquote für Biokraftstoff nicht erreichen.

„Die Kosten für die Nichterfüllung der Quote dürften vermutlich für die Branche zwischen 300 und 400 Millionen Euro liegen“, sagte Franke. Zumindest zum Teil müssten die Konzerne diese Zahlungen auf die Autofahrer umlegen: Letztendlich werde den Unternehmen „nichts anderes übrig bleiben, als die entstandenen Kosten an die Kunden weiterzugeben“, sagte der BP-Europa-Chef.

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ADAC kritisiert Ankündigung

Harsche Kritik an der Ankündigung kam vom ADAC. „Die Mineralölkonzerne legen seit Beginn des E10-Einführungsprozesses im vergangenen Februar die fälligen Strafzahlungen auf den Benzinpreis um“, sagte ADAC-Präsident Peter Meyer. „Mit drei Cent Aufschlag für E5 gegenüber E10 sind die Strafzahlungen bereits heute voll abgedeckt.“ Neuerliche Preiserhöhungen seien „absolut nicht zu begründen“, sagte Meyer. Er kritisierte zudem das Verhalten der Konzerne bei der E10-Einführung: „Hätten die Mineralölkonzerne ihre Hausaufgaben erledigt und über E10 mit dem gleichen Engagement informiert wie über ihren teuren Edelsprit, wäre der neue Kraftstoff sicherlich auch besser angenommen worden.“

Mineralölkonzerne stoppten Umrüstung

Geplant war, dass E10 schrittweise andere Benzinsorten ablöst. Auf einem „Benzin-Gipfel“ im Frühjahr hatten Bundesregierung, Mineralöl- und Autoindustrie beschlossen, bei den Autofahrern für mehr Vertrauen in den neuen Kraftstoff zu werben.

Immer noch aber halten sich viele Autofahrer beim E10-Tanken zurück – trotz höherer Preise für das herkömmliche Super und Super Plus. Die Gründe sind wohl eine Mischung aus fehlender Information und Misstrauen. Die Konzerne hatten Anfang des Jahres mit der Umrüstung von Raffinerien und Tankstellen auf E10 begonnen, wegen der mangelnden Akzeptanz aber die Umstellung im Frühjahr vorübergehend gestoppt.

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