Der stille Konflikt könnte explodieren

Der Streit um ein paar unbewohnte Inseln stürzt Japan und China in einen schweren Konflikt. China ist wütend. Japan pocht trotzig auf seine Ansprüche. Es geht um Erdöl und Fischereirechte.

Im diplomatischen Streit mit Japan über eine unbewohnte Inselgruppe im Ostchinesischen Meer hat China Stärke demonstriert: Peking schickte sechs Patrouillenboote zu dem von beiden Ländern beanspruchten Archipel, wie Tokio und Peking mitteilten. Während die japanische Küstenwache von einem „beispiellosen Vorfall sprach“, erklärte das chinesische Außenministerium, mit der Präsenz seine Interessen vor Ort verfolgen zu wollen.

In Japan heißen die Inseln Senkaku, in China Diaoyu. Außer Japan und China erhebt auch Taiwan Anspruch auf die Eilande. Sie sind wegen größerer Fischbestände und vermuteter Ölvorkommen für beide Länder strategisch wichtig. Japans Außenminister Koichiro Gemba, der sich gerade in Australien aufhält, erklärte, China und Japan sollten die Lage nicht weiter verschärfen. Japan erwarte von China einen angemessenen und besonnenen Umgang mit der Situation. Ein Regierungssprecher in Tokio nannte das Eindringen der chinesischen Schiffe „extrem bedauerlich“.

Die Schiffe hätten die von Japan beanspruchten Hoheitsgewässer erreicht, teilte die Küstenwache in Japan mit. Die Boote seien aufgefordert worden, die Gewässer um die Inselgruppe zu verlassen. Zunächst seien zwei Patrouillenboote nahe des Archipels gesichtet worden, später seien vier weitere Schiffe gefolgt. Die ersten beiden Boote verließen die „japanischen Gewässer“ demnach rund anderthalb Stunden nach ihrem Eintreffen wieder.

Chinesen boykottieren japanische Waren

Peking untermauerte seine Ansprüche auf die Inseln. Die Patrouille der Schiffe „demonstriert die Zuständigkeit unserer Regierung für die Diaoyu Inseln und angegliederte Inseln und sichert die maritimen Rechte unseres Landes“, teilte das chinesische Außenministerium in Peking mit. Es war das erste Mal, dass China Schiffe zu den umstrittenen Inseln schickte, seit Tokio kürzlich drei der Eilande vom japanischen Besitzer gekauft und so verstaatlicht hatte. Inzwischen hätten alle chinesischen Patrouillenschiffe Japans Hoheitsgewässer wieder verlassen, berichteten japanische Medien.

Bei der Einbestellung des chinesischen Botschafters in das japanische Außenministerium hätten beide Seite den Wunsch ausgedrückt, dass der Inselstreit nicht weiter eskaliert und sich nicht negativ auf die allgemeinen bilateralen Beziehungen auswirkt, wie Kyodo meldete. In China kam es erneut zu Protesten. Vor der japanischen Botschaft in Peking versammelten sich Dutzende Demonstranten, die unter anderem zum Boykott japanischer Waren aufriefen.

In 2010 hatte die japanische Küstenwache den Kapitän eines chinesischen Fischerbootes wegen einer Kollision mit zwei japanischen Patrouillenschiffen nahe der umstrittenen Inseln festgenommen. Daraufhin war es zu einer drastischen Verschlechterung der Beziehungen beider Länder gekommen. Im August dieses Jahres wies Japan 14 chinesische Aktivisten aus, nachdem einige von ihnen auf einer der Inseln an Land gegangen waren und Flaggen gehisst hatten. Kurze Zeit später landeten zehn Japaner, darunter Lokalpolitiker, ohne nötige Erlaubnis der eigenen Regierung auf derselben Insel.

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