Deutsch-ägyptischer Autor Samad entführt

In seiner alten Heimat ist der deutsch-ägyptische Autor Hamad Abdel Samad höchst umstritten. Radikale Islamisten riefen zuletzt gar im Fernsehen zum Mord an ihm auf. Nun ist der Autor angeblich in Ägypten entführt worden.

Der in seiner alten Heimat Ägypten umstrittene deutsche Publizist Hamad Abdel Samad soll in Kairo entführt worden sein. Das ägyptische Nachrichtenportal „youm7“ meldete am Montag unter Berufung auf seinen Bruder Mahmud Abdel Samad, er sei am Sonntag in der Nähe des Al-Azhar-Parks in Kairo verschwunden.

Vorher soll Hamed Abdel Samad am Telefon berichtet haben, er fühle sich verfolgt. Der Autor hatte in seinen Veröffentlichungen mehrfach die Ideologie des politischen Islams kritisiert. Daraufhin hatte er Morddrohungen erhalten. Sein Bruder befürchtet deshalb, er könne von extremistischen Islamisten entführt worden sein.
Einer der wichtigsten Islamkritiker, auch hierzulande

Abdel-Samad lebt als Schriftsteller und Politologe in Ägypten und Deutschland. Er war der Partner von Henryk M. Broder in der satirischen Doku, die als Serie in der ARD lief: In „Entweder Broder“ reisten Broder, Sohn von Holocaust-Überlebenden, und Abdel-Samad, Sohn eines Iman, durch die bunte Republik Deutschland und trafen Neonazis und andere Irre.
Der Autor ist einer der wichtigsten Islamkritiker, auch hierzulande. Thomas de Maizière berief ihn in die Deutsche Islamkonferenz. Abdel-Samads Bücher heißen „Mein Abschied vom Himmel“, „Krieg oder Frieden“ und „Der Untergang der islamischen Welt. Eine Prognose“. Er steht für das andere, neue Ägypten, das Staat und Islam trennen will. Er sagt: „Ein Muslim glaubt, dass Gott ihn beschützt. Ein Islamist glaubt, er müsse Gott beschützen.“
„Gesucht als Toter!“

Vor einem halben Jahr rief der Scheich Assem Abdel-Maged dazu auf, den 41-jährigen Deutsch-Ägypter zu töten. Der Glaubensführer schrie den Mordbefehl über den TV-Sender Al Hafez seinen millionenfachen Anhängern zu. Abdel-Samad hatte in einem Vortrag in Kairo über den „Religiösen Faschismus“ geredet. Seine These: Solange der Islamismus die Welt in Gläubige und Ungläubige spaltet, das Land beherrscht sei von „Ohnmachts- und Allmachtsfantasien“ und zum Hass erziehe gegen Andersdenkende, gleiche diese politisch missbrauchte Religion dem Faschismus. Auf einer der populärsten Facebook-Seiten der Muslimbrüder prangte tagelang Abdel-Samads Gesicht. Man sah ihn dort vor einem blutroten Hintergrund, auf seiner Stirn der Stempel: „Gesucht als Toter!“

Abdel-Samad setzt sich öffentlich gegen den Extremismus ein – indem er ihm seine Liebe zur Freiheit entgegenstellt. Für sie versteckt er sich nicht. Er wechselt zwar dauernd seinen Wohnort, und die Polizei hilft ihm. Aber verstecken mag er sich nicht. „Dann hätten sie mich eingeschüchtert und könnten es mit dem Nächsten genauso machen.“
Wollte einst als Märtyrer sterben

Die Sehnsucht nach Freiheit war es auch, die ihn vor 18 Jahren nach Deutschland trieb. Er kam als streng frommer Muslim, als Antisemit zudem. Eine Zeit lang wollte er gar als Märtyrer sterben. Er studierte Englisch, Französisch, Japanisch, zuletzt Politik in Augsburg, dann jüdische Geschichte und Kultur in München. Und verwandelte seinen Judenhass im Land der Shoah, rang sich „alles, was mich verseuchte“, ab. Wenn er heute sagen soll, was er von Deutschland gelernt hat, sagt er: „Vor allem das systematische kritische Denken.“

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