Geschrieben am 27. Februar 2014 von Redaktion abgelegt in der Kategorie Türkei,
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Die bizarren Geschäfte des Bilal Erdogan

Ein angebliches Telefonat zwischen dem türkischen Premier Recep Tayyip Erdogan und seinem Sohn sorgt in der Türkei für Spekulationen. Bilal wird nun vorgeworfen, Bestechungsgelder zu verwalten.

Am 5. Februar betrat Necmeddin Bilal Erdogan, Sohn des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan, ein Istanbuler Gerichtsgebäude. Um vor vier Staatsanwälten auszusagen, ob er korrupt sei. Seinem Anwalt Ahmet Özel zufolge war das Dossier „illegal“ und substanzlos, aber sehr dick. Und vor allem waren da Fotos und „Telefonmitschnitte“. Bilal war monatelang beschattet worden.

In dem Dossier befand sich offenbar auch der „Mitschnitt“ eines angeblichen Gesprächs Bilals mit seinem Vater, das mittlerweile die Weltöffentlichkeit bewegt. Der Premier befiehlt darin seinem Sohn, das „Geld im Haus“ verschwinden zu lassen, und nach einem ganzen Tag mühsamen Wegschaffens sind immer noch 30 Millionen Euro übrig.

„Authentisch“, meint die renommierte Journalistin Amberin Zaman, die unter anderem auch für den „Economist“ schreibt. „Eine Montage“, meint der für seine häufige Kritik an Erdogan bekannte Experte Gareth Jenkins: Der Gesprächsfluss stimme nicht, die Hintergrundgeräusche seien nicht konsistent, teilweise hört es sich so an, als werde vom Blatt abgelesen.

Und: Erdogan sagt da, dass sie abgehört werden, spricht aber doch alles klar aus – ist er so blöd? Im Internet, auf den Straßen und in den Cafés ist Bilal längst zur öffentlichen Lachnummer avanciert. Auf Demonstrationen schwenkt man Plakate auf denen steht: „Papaaa! Es sind immer noch 30 Millionen da! Papaaa?“

Spekulationen um Stiftung

Worum aber geht es? Bilal Erdogan sitzt im Vorstand einer 1996 gegründeten Stiftung für Jugend und Leistungen für Bildung, die Studenten- und Schülerwohnheime baut und betreibt. Sie wurde in einer Zeit gegründet, da sein Vater noch als islamischer Fundamentalist Politik machte. Solche Heime waren und sind Einnahmequelle und Rekrutierungsfeld.

Der Vorwurf: Offenbar muss die Stiftung selten bezahlen, um Grundstücke zu bekommen und darauf zu bauen. Der ebenfalls wegen Bestechung verdächtigte Geschäftsmann Ali Agaoglu schenkte der Stiftung ein Grundstück von 20.000 Quadratmetern, und der Verdacht lautet, dass er sich damit für Entgegenkommen bei Baugenehmigungen revanchierte.

Nicht nur er: Auch diverse Bauunternehmen wurden unentgeltlich für die Stiftung tätig. Bilal gründete im November 2013 eine weitere Stiftung für Mensch und Bildung. Noch gibt es keine Tätigkeiten, bekannten Projekte oder auch nur eine Website.

Die offene Frage ist, ob Bilal so etwas wie Bestechungsgeld-Verwalter für seinen Vater war. Wenn die Aufnahme echt ist, war er es wohl. Wenn nicht, dann gibt es immer noch eine Reihe anderer ungeklärter Fragen.

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