EHEC-Erreger: Erbgut entschlüsselt

Dieser neue E-Coli Stamm O104, der bisher völlig harmlos war, hat über den bei Bakterien möglichen Erbgutaustausch Teile des Erbguts eines Bakteriums übernommen, das die Produktion des Shiga-Toxins codiert, und damit für die Komplikation des Hämolytisch Urämischen Syndroms (HUS) verantwortlich ist.

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EHEC-Keime – Screenshot: Dr. v. Paleske

Daraus wurde dann ein nur ganz entfernter Verwandter der bisherigen bekannten Auslöser von enterohämorrhagischer Kolitis.
Dem neuen Keim wurde der Name E. coli TY2482 verpasst.
Dieser neue Keim zeichnet sich durch zweierlei aus, was ihn hochgefährlich macht:

1. Eine wesentlich größere Adhärenz an das Darmepithel, als die anderen bekannten EHEC-Keime, und damit eine erhebliche längere Verweildauer im Darm der Betroffenen, was wiederum eine längere Krankheitsdauer nach sich zieht.

2. Multiresistenz gegen fast alle herkömmlichen Antibiotika durch eine Reihe von sogenannten Resistenzgenen. Entweder durch Selektion bei Anwesenheit von Antibiotika, sehr wahrscheinlich in der Tiermast, oder durch Info-Austausch mit anderen (selektierten) bereits Antibiotika-resistenten Bakterien, ebenfalls nach deren Exposition gegenüber Antibiotika.

Kein Ende der Epidemie in Sicht
Mittlerweile sind 17 Menschen gestorben, und die Zahl der Infizierten nimmt weiter zu, auch außerhalb Deutschlands.

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Ratlos – Screenshot: Dr. v. Paleske

Allet Jurken
Wie ein britischer Wissenschaftler heute gegenüber dem britischen Fernsehsender BBC erklärte, handelt es sich klar um ein deutsches Problem, und damit dürfte er richtig liegen.
Behauptungen, die tödlichen Keim seien mit Gurken aus Spanien eingeschleppt worden, haben sich mittlerweile als haltlos herausgestellt.

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Falsche Fährte: Spanische Gurken – Screenshot. Dr. v. Paleske

Kein Grund zur Hoffnung
Die Presse berichtet nun, nach der Entschlüsselung des Erbguts bestehe Hoffnung.
Es ist völlig unklar, worin die Hoffnung bestehen solle, denn die Entzifferung des Erbguts der Bakterien bietet weder in der nahen noch mittleren Zukunft irgendwelche Angriffspunkte für eine gezielte Therapie, genau so wenig wie es das bisher bei anderen Bakterienstämmen, und vor allem Problemkeimen gab..

Prophylaxe als einziger Ausweg
Bleibt also nur die Vermeidung der Exposition, also die Prophylaxe. Die kann aber nicht wirklich effektiv sein, solange die Infektionsquelle(n) nicht gefunden ist (sind) .

Derartige Infektionsquellen auszumachen ist recht einfach, wenn alle Betroffenen sich durch ein gemeinsames Merkmal auszeichnen: Zum Beispiel Besuch einer bestimmten Gaststätte, oder Verzehr eines bestimmten Lebensmittels wie Milch oder Fleisch von einem bestimmten Erzeuger.

Eine derartige Gemeinsamkeit, die zur Infektionsquelle hinführen könnte, hat es bisher nicht gegeben. Dies deutet darauf hin, dass es sich offenbar um eine Reihe von unterschiedlichen Produkten, möglicherweise auch noch von verschiedenen Erzeugern handelt, die mit dem Erreger kontaminiert waren. Vermutlich über die Düngung mit den Ausscheidungsprodukten infizierter Wiederkäuer, also Gülle..

Weiterhelfen könnte da möglicherweise die gezielte Suche nach dem Erreger in Mastbetrieben und deren Gülle. Davon ist aber bisher nichts zu hören.

Dabei ist es nach wie vor sehr wahrscheinlich, dass wir diese Epidemie der Massentierhaltung mit dem zügellosen Antibiotikaeinsatz in der Tiermast sowie der nicht artgerechten Tierfütterung letztlich zu verdanken haben.

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