EHEC-Erreger in Abfall-Tonne entdeckt

Die Killer-Seuche EHEC hat Deutschland in die Krise gestürzt. Schon 25 Menschen sind daran gestorben – und noch immer kann keine Entwarnung gegeben werden. Fieberhaft suchen Experten nach dem Ursprung der Infektionswelle. Zuletzt hatten sich die Hinweise auf ein Sprossenhof in Niedersachsen verdichtet. Jetzt wurde der EHEC-Erreger in einer Abfalltonne in Magdeburg entdeckt – auf den Resten einer Gurke!

Laut einem Sprecher des Gesundheitsministeriums in Sachsen-Anhalt lagerte der Abfall zwei Wochen in der Tonne, deshalb könnten keine Rückschlüsse gezogen werden, wann und wie das Bakterium in die Tonne gelangte.

Klar ist jedoch: Bei dem gefundenen Bakterium vom Stamm O104:H4 handelt es sich um die mutierte Form, die in Norddeutschland grassiert und die schweren EHEC-Erkrankungen auslösen kann!

Die belastete Probe wurde aus dem Bio-Abfall einer am 19. Mai erkrankten dreiköpfigen Familie aus Magdeburg entnommen. Ein Familienmitglied hatte auf den Verzehr von Gurken hingewiesen. Am 30. Mai konnte der Erreger auf dem Reststück einer Gurke nachgewiesen werden. Die Familie habe sich zuvor nicht in Norddeutschland aufgehalten.

EHEC – Was ist heute alles passiert:

15.39 Uhr: In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der EHEC-Fälle weiter gestiegen. Am Mittwoch waren 329 Menschen an dem aggressiven Darmkeim erkrankt, wie das Gesundheitsministerium in Düsseldorf mitteilte. Davon sind 79 Patienten besonders schwer betroffen, weil sie an dem lebensgefährlichen hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) leiden.

15.22 Uhr: In einer Probe aus einem Abfallbehälter in Magdeburg ist das EHEC-Bakterium nachgewiesen worden. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte am Mittwoch in Magdeburg, bei dem auf einem Gurkenrest gefundenen Bakterium vom Stamm O104:H4 handelte es sich um die mutierte Form, die in Norddeutschland grassiert und die schweren EHEC-Erkrankungen auslösen kann.

15.02 Uhr: In 75 bis 80 Prozent aller EHEC-Fälle wird der Auslöser der gefährlichen Darmkrankheit nicht gefunden. Das erklärte Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) am Mittwoch in der Regierungsbefragung des Bundestags.

14.47 Uhr: In Berlin ist die Zahl der EHEC- und HUS-Erkrankten um je einen Fall gestiegen. Derzeit werden 33 Patienten wegen des gefährlichen Darmkeims in Krankenhäusern behandelt, 15 weitere leiden an der Folgeerkrankung HUS, teilte die Gesundheitssenatsverwaltung am Mittwoch mit. Weiterhin sind deutlich mehr Frauen als Männer betroffen.

14.41 Uhr: Bauern in Madrid verteilen kostenlose Gemüse und Obst. Um auf ihre von der EHEC-Krise verursachten Verluste aufmerksam zu machen verschenkten Spaniens Agrarproduzenten am Mittwoch im Zentrum von Madrid 40 000 Kilogramm Obst und Gemüse. Mit der Aktion wollen sie auch um das Vertrauen der Verbraucher werben.

14.11 Uhr: In Rheinland-Pfalz gibt es einen neuen Verdachtsfall der schweren Form der EHEC-Infektion. Ob es sich bei dem Fall im Raum Trier/Saarburg tatsächlich um HUS (hämolytisch-urämisches Syndrom) handle, werde noch untersucht, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums in Mainz.

13.45 Uhr: In Niedersachsen ist ein weiterer Patient an der Darmerkrankung verstorben. „Heute ist ein weiterer EHEC-Todesfall, der eines 72-Jährigen, bestätigt worden”, sagte Gesundheitsministerin Aygül Özkan (CDU) der Nachrichtenagentur dapd.

13.28 Uhr: Das chinesische Beijing Genomics Institute hat einen neuen Diagnosetest zur Identifikation des gefährlichen EHEC-Erregers entwickelt. Der Test ermögliche die Diagnose innerhalb von nur zwei bis drei Stunden und biete eine schnelle und sichere Identifizierung des Erregers, teilte das Unternehmen mit.

13.15 Uhr: NRW hat eine Info-Hotline eingerichtet. Beim Landesamt für Verbraucherschutz erklären Experten per Telefon oder E-Mail etwa, wie jeder Einzelne sich schützen und was man noch bedenkenlos essen kann. Anfragen zwischen 9 Uhr und 17 Uhr unter: 02361 305-3055 und 02361 305-3056 oder an das Landesamt für Verbraucherschutz.

13.10 Uhr: EU-Verbraucherkommissar John Dalli lobt die Bekämpfung der EHEC-Infektionswelle in Deutschland. EU-Experten hätten sich in den vergangenen Tagen ein Bild gemacht und seien von den Anstrengungen beeindruckt gewesen, sagte er nach dem Krisengipfel.

12.20 Uhr: Die Zahl der EHEC-Opfer ist weiter gestiegen. Bislang seien 25 Menschen gestorben, teilte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr mit. „Es ist leider auch nicht auszuschließen, dass noch weiter Todesfälle zu verzeichnen sind.“

12.08 Uhr: Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr zur aktuellen Situation: „Wir können heute noch keine Entwarnung geben. Es gibt Anlass für einen berechtigten Optimums – ohne dabei zu Entwarnen“, sagt er auf der Pressekonferenz in Berlin.

11.46 Uhr: Für die Behandlung der schwer kranken EHEC-Patienten ist viel Blutplasma nötig. Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ruft daher erneut zum Blutspenden auf.

11.35 Uhr: Wegen der EHEC-Gurkenwarnung will ein spanischer Obst- und Gemüsehändler in Deutschland vor Gericht ziehen. Hintergrund sind mögliche Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe.

10.54 Uhr: Mediziner der Universitätskliniken Greifswald und Bonn haben Hinweise auf die Ursache schwerer Verläufe bei EHEC-Patienten mit HU-Syndrom gefunden. Vieles deute darauf hin, dass neben dem Giftstoff Shigatoxin auch die Bildung von Autoantikörpern für schwere Schädigungen verantwortlich sei, sagte Transfusionsmediziner Andreas Greinacher vom Universitätsklinikum Greifswald. Die Autoantikörper verursachten einen Anstieg eines Gerinnungsfaktors, wodurch die Durchblutung wichtiger Gehirnregionen und der Nebennieren eingeschränkt sei. Sie werden nur von einigen EHEC-Patienten gebildet. Inzwischen wurden erste schwer erkrankte Patienten mit einer speziellen Blutwäschetherapie behandelt. „Die ersten Entwicklungen bei den Blutwerten stimmen uns optimistisch.“

10.22 Uhr: Eine schnelle Entwicklung eines Medikaments gegen den EHEC-Erreger ist nach Ansicht von Experten unwahrscheinlich. „Ein Medikament zu entwickeln, ist keine einfache Sache“, sagte Stefan Schreiber, Direktor des Instituts für Klinische Molekularbiologie der Universität Kiel, im ARD-„Morgenmagazin“. Es dauere zwischen der Identifikation eines Ziels und der Einführung des Medikaments auf dem Markt ungefähr 20 Jahre.

10.02 Uhr: Besondere Vorsichtsmaßnahmen in China: Wegen des EHEC-Erregers hat das Land gründlichere Gesundheitskontrollen für Reisende aus Deutschland angeordnet. Um ein Übergreifen der Darmerkrankungen auf China zu verhindern, wurden die Behörden angewiesen, bei der Einreise auf die Körpertemperatur und den Gesundheitszustand aus Deutschland kommender Personen zu achten.

9.44 Uhr: Gegen eine zentrale Seuchen-Polizei im Bund hat sich der rheinland-pfälzische Verbraucherschutzminister Jochen Hartloff ausgesprochen. Bei der Bekämpfung des EHEC-Keimes komme es nicht auf eine neue Stelle an, sagte er im Südwestrundfunk.

9.11 Uhr: Die Gesundheits- und Verbraucherminister von Bund und Ländern sind in Berlin zu Beratungen über das Krisenmanagement zur Eindämmung von EHEC zusammengekommen. An der Sonderkonferenz nimmt auch EU-Verbraucherkommissar John Dalli teil.

8.40 Uhr: Krankenhäuser mit EHEC-Patienten dürfen nach Ansicht der niedersächsischen Gesundheitsministerin Aygül Özkan nicht auf ihren Kosten sitzen bleiben. Es müsse auch künftig sichergestellt sein, dass Schwerkranke die beste medizinische Betreuung bekämen.

7.29 Uhr: NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel sieht noch keinen Anlass für Entwarnung in der EHEC-Krise. In Nordrhein-Westfalen habe die Zahl der Neuerkrankungen weiter zugenommen, sagte er im WDR-Radio.

6.43 Uhr: Die rheinland-pfälzische Agrarministerin Ulrike Höfken fordert von der Bundesregierung Hilfe für die Bauern wegen der Ausfälle durch EHEC. „Bundesmittel sind derzeit nicht in der Diskussion“, sagte Höfken. Dies sei aus ihrer Sicht nicht in Ordnung. „Das ist kein auf die Länder bezogenes Problem.“

5.33 Uhr: Ein „Krisenmanagement aus einem Guss“ verlangt Gerd Billen, Vorsitzender der Verbraucherzentrale Bundesverband. Dieses sollte ein mit größeren Kompetenzen ausgestattetes Robert-Koch-Institut übernehmen, sagte er der „Mittelbayerischen Zeitung“.

4.50 Uhr: EU-Gesundheitskommissar John Dalli rief die deutschen Behörden zu einer engen internationalen Zusammenarbeit beim Kampf gegen die Epidemie auf. „Wir müssen auf die Erfahrung und die Expertise in ganz Europa und sogar außerhalb Europas setzen“, sagte Dalli der WELT.

3.46 Uhr: Das Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie fordert als Konsequenz aus der EHEC-Krise einen zentralen Regierungskoordinator für das Krisenmanagement beim Auftreten gefährlicher Erreger. Dieser müsse die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Ministerien verbessern, sagte Stefan Kaufmann, Direktor des Berliner Instituts, der WELT. Derzeit entstehe durch die vielen Wortmeldungen der Eindruck, als würde die Politik den Ereignissen hinterherhecheln.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *