Geschrieben am 16. Juni 2012 von Redaktion abgelegt in der Kategorie Deutschland, Salafisten,
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Ein Islamist von nebenan

In Köln wird die Wohnung von Ibrahim Abou-Nagie durchsucht, dem Initiator der Koran-Verschenk-Aktion. Gegen ihn wird auch wegen Verdachts auf Sozialhilfemissbrauch ermittelt.

 

Es ist fast sieben Uhr am Donnerstag, als die ersten Jugendlichen mit Schultaschen die Reihenhäuser in der schmucken Wohnstraße in Köln-Esch verlassen. Da herrscht in dem rot geklinkerten Einfamilienhaus in der Straßenmitte schon seit einer Stunde Hochbetrieb. Sechs Kripobeamte der Abteilung für Staatsschutz durchsuchen alle Zimmer und den vor dem Haus geparkten Mercedes C-Klasse.

Auch der Hausherr ist anwesend. Er verhalte sich kooperativ, berichtet ein Beamter während der Durchsuchung. Trotzdem lassen Polizisten den Mann nicht aus den Augen, er soll keine Möglichkeit haben, Beweismittel verschwinden zu lassen: Es ist Ibrahim Abou-Nagie, eine mutmaßliche Schlüsselfigur der Salafistenszene und Initiator der Koran-Verschenk-Aktion in Fußgängerzonen, seit längerem arbeitslos, aber seit dem 1. Juni kein Sozialleistungsempfänger mehr – die Stadt hat ihm alle Zahlungen bis auf das Kindergeld gestrichen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verdachts auf Sozialhilfemissbrauch gegen den dreifachen Vater.

15. Juni 2012

Salafisten

Islamist von nebenan

Von Tim Stinauer

Ibrahim Abou-Nagie ist Chef des Vereins „Die wahre Religion“. Foto: dapd

In Köln wird die Wohnung von Ibrahim Abou-Nagie durchsucht, dem Initiator der Koran-Verschenk-Aktion. Gegen ihn wird auch wegen Verdachts auf Sozialhilfemissbrauch ermittelt.

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Köln –

Es ist fast sieben Uhr am Donnerstag, als die ersten Jugendlichen mit Schultaschen die Reihenhäuser in der schmucken Wohnstraße in Köln-Esch verlassen. Da herrscht in dem rot geklinkerten Einfamilienhaus in der Straßenmitte schon seit einer Stunde Hochbetrieb. Sechs Kripobeamte der Abteilung für Staatsschutz durchsuchen alle Zimmer und den vor dem Haus geparkten Mercedes C-Klasse.

Auch der Hausherr ist anwesend. Er verhalte sich kooperativ, berichtet ein Beamter während der Durchsuchung. Trotzdem lassen Polizisten den Mann nicht aus den Augen, er soll keine Möglichkeit haben, Beweismittel verschwinden zu lassen: Es ist Ibrahim Abou-Nagie, eine mutmaßliche Schlüsselfigur der Salafistenszene und Initiator der Koran-Verschenk-Aktion in Fußgängerzonen, seit längerem arbeitslos, aber seit dem 1. Juni kein Sozialleistungsempfänger mehr – die Stadt hat ihm alle Zahlungen bis auf das Kindergeld gestrichen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verdachts auf Sozialhilfemissbrauch gegen den dreifachen Vater.

Razzien gegen Salafisten

Bundesinnenminister Hans Peter Friedrich (CSU) verbietet am Donnerstag einen wichtigen salafistischen Verein, das Netzwerk Millatu Ibrahim. Gegen zwei weitere salafistische Gruppierungen, Dawa FFM und Die Wahre Religion lässt er vereinsrechtliche Ermittlungsverfahren einleiten. In einer bundesweiten Aktion gehen Polizei und Justiz gegen die drei Vereine vor. In Solingen sichern Polizeibeamte die Zufahrt zur Millatu Moschee. Beamte durchsuchen das Gebäude in Solingen. Die Gruppierung Millatu Ibrahim ruft nach Darstellung von Innenminister Friedrich zum Kampf gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung auf.
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Fundamental-islamische Vorträge vor Schülern

Es kommt noch ärger für den 47-Jährigen: Die Beamten haben einen zweiten Durchsuchungsbeschluss in der Tasche. Er richtet sich gegen Abou-Nagies Netzwerk Die wahre Religion. Über eine Internetplattform verbreitet die vom Verfassungsschutz erwähnte Organisation seit 2005 salafistische Überzeugungen. Das NRW-Innenministerium erkennt bei der Gruppe vereinsähnliche Strukturen und vermutet verfassungsfeindliche Umtriebe. Gegen acht Uhr tragen die Kripobeamten mögliche Beweismittel aus dem Haus. „Es wurde ein Ermittlungsverfahren nach dem Vereinsrecht eingeleitet mit dem Ziel, die Vereinigung zu verbieten“, sagt ein Sprecher von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD).

Insgesamt gab es am Mittwoch 32 Durchsuchungen in Nordrhein-Westfalen – unter anderem in einem Büro und einer Lagerhalle in Pulheim, die von Abou-Nagie angemietet oder genutzt worden sein sollen.

In Köln wurden die Beamten an zehn Adressen vorstellig. Zum Beispiel beim „Verein innovativer Eltern- und Jugendarbeit“, einem privaten Zusammenschluss von 40 bis 50 Eltern. Monatelang hatte Abou-Nagie in der Einrichtung fundamental-islamische Vorträge vor Schülern gehalten. Als dies im Mai bekannt wurde, distanzierte sich der Vorstand von dem Prediger.

Die NRW-Verfassungsschützer attestieren Abou-Nagies Netzwerk „Die wahre Religion“ eine „höchst problematische Befürwortung“ des Märtyrertums und der Gewaltausübung zur Verteidigung des Islam.

Im Gespräch mit dem Kölner Stadt-Anzeiger betonte Abou-Nagie vor einer Weile, er sei weder Hassprediger noch Salafist. Man sei ein Team von rund zehn Menschen, verbunden durch die Liebe zur Religion und dem Gefühl, dass der Islam von den Medien immerzu schlecht dargestellt werde. Man wolle niemanden provozieren, sondern nur das Beste für die Menschen.

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