Geschrieben am 20. März 2014 von Redaktion abgelegt in der Kategorie Türkei,
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Erdogan: Kampagne gegen Gülen-Bewegung

Die AKP-treuen Gazetten fahren jetzt Kampagnen gegen die Gülen-Bewegung, der die Opposition und Kritiker schon seit Jahren sektenähnliche Strukturen vorwerfen. Es tauchen Interviews mit Studenten auf, die in den Heimen der „Cemaat“ leben und berichten, dass die abis und ablas („große Brüder und Schwestern“) ihnen eintrichtern, wie böse die AKP-Regierung ist. Fethullah Gülen reagierte am Montag in einem Interview mit seiner eigenen Zeitung „Zaman“ und sprach davon, dass „das heutige Unrecht jenes zu Zeiten des Militärputsches übertrifft“.

Echten kritischen Fragen von Journalisten, die nicht zur eigenen Anhängerschaft gehören, müssen sich aber weder Gülen noch Recep Tayyip Erdogan stellen. Die geschassten Staatsanwälte, so vermutet man, rächen sich derweil an Erdogan, indem sie etliche Telefonmitschnitte von ihm und seiner AKP-Regierung weitergegeben haben, die täglich veröffentlicht werden. Von den skandalösen Inhalten bekommen viele Türken nichts mit, da die AKP-treuen Medien sie ignorieren. Die Oppositionszeitungen schlachten sie aus, drucken teilweise komplette Gespräche auf ihren Titelseiten.

Die Politiker greifen sich indes untereinander nicht nur verbal, sondern auch gerne mal mit Fäusten im Parlament in Ankara an. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich dieses Gebaren auch auf die Straßen überträgt. Regierungsgegner setzten bei den Großdemonstrationen vor einer Woche zehn Wahlbüros der AKP in Brand. Kürzlich prügelten sich in der U-Bahn im Istanbuler Stadtteil Kadiköy junge Männer, nachdem AKP-Anhänger mit Messern und Waffen politisch Andersdenkende bedrohten. Außerdem griffen AKP-Anhänger den Hauptsitz des Gülen-nahen Fernsehsenders Samanyolu an, weil dieser in seinen Nachrichten die Palästinenser, die Raketen aus Gaza auf Israel geschossen hatten, als Terroristen bezeichnete.

Eine Beruhigung der Lage scheint in der polarisierten Gesellschaft nicht in Sicht. Was die Türkei braucht, sind versöhnende Worte, die das Volk einen. Von Recep Tayyip Erdogan ist das jedoch nicht zu erwarten. Und da es in seiner Partei niemanden gibt, der den Mumm hat, sich gegen ihn zu stellen, ihn zu kritisieren oder nur den allerkleinsten Einfluss auf ihn auszuüben, werden die Menschen über kurz oder lang wieder gegen seine Politik auf die Straße gehen. Entweder noch vor oder nach den Kommunalwahlen.

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