Geschrieben am 28. November 2014 von Redaktion abgelegt in der Kategorie Türkei,
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Erdogan: „Sie wollen uns tot sehen“

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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sorgt für den nächsten Eklat. Kurz vor dem Besuch von Papst Franziskus griff er den Westen mit einer Hassrede in Istanbul an. Er spricht darin von „westlichen Medien und Fremden unter uns, die an einem Ego-Komplex leiden“.

Der türkische Präsident und fromme Muslim Recep Tayyip Erdogan hält an seiner Auffassung fest, dass seine Glaubensbrüder Amerika entdeckt haben, und unterstellt Kritikern dieser Sichtweise ein psychologisches Problem. „Nur weil ich ein durch wissenschaftliche Forschung belegtes Faktum wiederholt habe, werde ich angegriffen von westlichen Medien und Fremden unter uns, die an einem Ego-Komplex leiden“, sagte Erdogan bei einem Treffen der Organisation für Islamische Zusammenarbeit in Istanbul (COMCEC). Mit den Fremden meinte er offensichtlich prowestliche Türken. „Jene, die von außen in die islamische Welt kommen, mögen Öl, Gold und Diamanten, sie mögen billige Arbeitskräfte, und sie mögen Zwist und Streit.“
„Sie mögen es, unsere Kinder sterben zu sehen“

„Sie wollen nicht, dass wir Dinge hinterfragen“, fuhr Erdogan fort. „Glaubt mir, sie mögen uns nicht“, zitiert ihn die „Hürriyet“. „Sie sehen wie Freunde aus, aber sie wollen uns tot sehen, sie mögen es, unsere Kinder sterben zu sehen“, ergänzte er in seiner Brandrede. Als Beweis für seine These von der Entdeckung Amerikas durch Muslime führte Erdogan einmal mehr an, dass Christoph Kolumbus, der allgemein als Entdecker des amerikanischen Kontinents betrachtet wird, in seinem Reisetagebuch von einer Moschee an der Küste des heutigen Kubas berichtet habe.

Die Länder des Nahen Ostens könnten ihre Probleme selbst lösen, ohne den Westen. „Wenn wir zusammenarbeiten, werden wir die Einsamkeit Palästinas beenden, die fast ein Jahrhundert dauert“, fügte Erdogan hinzu. Auch das Blutvergießen im Irak und in Syrien könne nur mit vereinten Kräften beendet werden.
Erdogan will Geschichtsbücher umschreiben

Bei einem Gipfeltreffen mit lateinamerikanischen Muslimen vor knapp zwei Wochen in Istanbul hatte der türkische Präsident behauptet, dass muslimische Seeleute Amerika schon 1178 entdeckt hätten. Den meisten Geschichtsbüchern zufolge entdeckte der aus Genua stammende Seefahrer Kolumbus hingegen 1492 auf der Suche nach einer westlichen Passage gen Indien den amerikanischen Kontinent.

In einem umstrittenen Artikel hatte der Historiker Youssef Mroueh bereits 1996 Kolumbus‘ Tagebucheintrag zur angeblichen Moschee-Sichtung zitiert. Kollegen weltweit interpretieren diese Textpassage jedoch anders: Nach ihrer Auffassung nutzte Kolumbus die Moschee bloß als bildhaften Vergleich zur Beschreibung einer Hügelkette.
„Weißer Mann“ in „Weißem Palast“

Die Erwartungen sind hoch, wenn Papst Franziskus am Samstag in Istanbul die Blaue Moschee besucht, hoffen seine türkischen Gastgeber auf eine Geste der Verständigung zwischen Christentum und Islam. Der Papst, der auch die Hagia Sophia besucht, werde in der Blauen Moschee aber mit „Respekt und geistiger Kontemplation“ ein Zeichen setzen.

Auch ein Treffen mit Erdogan ist Teil des straffen Terminplans – der Papst wird als erstes ausländisches Staatsoberhaupt in dem neuen Präsidentenpalast Erdogans empfangen. Das „Ak Saray“ („Weißer Palast“) genannte Anwesen ist umstritten, die regierungskritische Architektenkammer in Ankara nennt es einen Schwarzbau und rief Franziskus auf, es zu meiden.

„Der Papst geht, wie jeder höfliche Mensch, dorthin, wo ihn der Präsident empfangen will“, erklärte dazu Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Dennoch sind Beobachter gespannt, wie der Bescheidenheit predigende Franziskus in dem Prunk-Bau des Staatspräsidenten auftreten wird.
Erdogans Leibwache sichert Papst

Die Polizei in der türkischen Hauptstadt Ankara hat sich gerichtliche Sondervollmachten gesichert. Wie die Zeitung „Hürriyet“ meldet, dürfen die Beamten Personen und Fahrzeuge auch ohne Hinweise auf eine Straftat durchsuchen und Personalausweise überprüfen. „Papst-Alarm in Ankara und Istanbul“, titelt das Blatt.

Franziskus soll in der türkischen Hauptstadt von rund 2700 Polizisten geschützt werden. Die beiden Besuchstage in Istanbul am Samstag und Sonntag werden von weiteren rund 7000 Polizisten gesichert. Wasserwerfer, gepanzerte Fahrzeuge und Hubschrauber werden ebenfalls aufgeboten.

Laut der Zeitung ist die Leibwache von Erdogan in Ankara an der Sicherung des päpstlichen Autokonvois durch die Stadt beteiligt. Leibwächter Erdogans steuern demnach unter anderem einen fahrbaren Störsender bei, mit dem Handysignale unterdrückt und damit eine mögliche Zündung von Sprengsätzen in der Nähe des Papstes verhindert werden solle.

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