Erst Cyberwar – dann reeller Krieg

Er arbeitete als Sicherheitsberater für vier amerikanische Präsidenten, er warnte lange vor dem 11. September vor al-Qaida und kritisierte die Bush-Regierung vor dem Irak-Krieg: Richard Clarke, 60, zählt zu den renommiertesten Terror-Abwehrexperten der Welt. Inzwischen aber hält er den Krieg übers Netz, den Cyberwar, für eine noch größere Bedrohung als den internationalen Terrorismus. Im neuen stern sagt Clarke: „Ich glaube, dass Staaten wie Deutschland oder die USA schon jetzt mehr Verluste durch Cyberspionage erleiden als durch Terrorismus.“

Wie real der Cyberkrieg bereits ist, erfuhr die Welt im Sommer vergangenen Jahres, als das Stuxnet-Virus die iranischen Atomanlagen zeitweise lahmlegte. Clarke hält Stuxnet „immer noch für eine Gefahr“, weil das Virus durch neue Programmierzeilen leicht modifiziert werden könne. „Schon haben Sie eine perfekte Waffe für ein neues Ziel“, sagte er im stern-Interview. Und: „Fiele eine solche Waffe in die Hände krimineller Kartelle oder Individuen, wäre das eine ganz neue Dimension.“

Clarke, der soeben das Buch „World Wide War“ veröffentlicht hat, hält die Bedrohung aus dem Netz für eine Vorstufe eines realen Waffengangs: „Der Krieg bleibt nicht nur im virtuellen Raum.“ Eines Tages würden Entscheidungsträger womöglich denken, ein Cyberkrieg sei sauber und klinisch, eine easy option gewissermaßen. „Ich befürchte“, sagt Clarke im stern, „dass künftige Staatslenker eher für diese scheinbar einfache Option votieren und gar nicht realisieren, dass sie einen richtigen Krieg beginnen.“

Selbst das Pentagon sei inzwischen zunehmend besorgt über einen möglichen Cyberkrieg. Clarke: „Sie sind sich inzwischen auch darüber im Klaren, dass die meisten Computerchips in amerikanischen Waffensystemen nicht in den USA produziert wurden und die Herstellerkette nicht unbedingt vertrauenerweckend ist. Die beginnen zu kapieren, dass sie irgendwann in den Krieg marschieren und nichts funktioniert.“

 

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