Geschrieben am 13. April 2011 von Redaktion abgelegt in der Kategorie International, Nahost, Syrien,
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Frauen in Syrien fordern Freilassung ihrer Männer

Hunderte Frauen haben in Syrien gegen die Festnahme ihrer Männer durch Sicherheitskräfte demonstriert.

In einem Protestmarsch zogen sie am Mittwoch Menschenrechtlern zufolge auf eine Schnellstraße am Mittelmeer und forderten die sofortige Freilassung von etwa 350 Männern, die am Vortag bei der Erstürmung des Ortes Baida verhaftet worden waren. In der nahegelegenen Hafenstadt Banias fanden sich den Angaben nach mehrere Syrerinnen aus Solidarität mit den Frauen aus Baida spontan zu einer Kundgebung zusammen.

„Die Frauen von Baida sind auf der Schnellstraße. Sie wollen ihre Männer zurück“, teilte die Menschenrechtsorganisation „Syrian Observatory for Human Rights“ mit. Am Dienstag hatten Sicherheitskräfte, darunter auch Mitglieder der Geheimpolizei, mit einem massiven Gewalteinsatz die bis dahin größte Demonstration in Baida gegen die seit elf Jahren andauernde Herrschaft von Präsident Baschar al-Assad aufgelöst. Sie drangen dabei auch in Privathäuser ein und nahmen zahlreiche Männer in Gewahrsam. Die Festgenommenen seien anschließend vor laufenden Kameras zu Treueschwüren auf Assad gezwungen worden, sagte ein Anwalt, der mit den Bewohnern des Orts in Kontakt steht und namentlich nicht genannt werden wollte. Nach seinen Angaben wurden etwa 200 Menschen festgenommen und zwei getötet. Demonstranten hatten von vier Toten gesprochen.

Vor etwa einem Monat schwappte die Welle von Reformbewegungen in Nordafrika und im Nahen Osten auf Syrien über. Insgesamt wurden seitdem nach Angaben der Menschenrechtsorganisation „Damascus Declaration Group“ etwa 200 Menschen getötet. Human Rights Watch wirft den syrischen Sicherheitskräften vor, Verwundete daran zu hindern, Krankenhäuser aufzusuchen oder sich medizinisch versorgen zu lassen.

Die syrischen Behörden sehen die Proteste der Demokratiebewegung als Teil einer ausländischen Verschwörung. Assad reagierte einerseits mit einem harten Durchgreifen der Sicherheitskräfte und andererseits mit vagen Reformversprechen. Die Herrscherfamilie gehört zu den schiitischen Alawiten, die zehn Prozent der 20 Millionen Syrer ausmachen. Syrien wird seit fünf Jahrzehnten über Notstandgesetze regiert. Assads Vater hatte in den 80er Jahren einen Aufstand niedergeschlagen. Dabei kamen bis zu 30.000 Menschen ums Leben.

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