Geschrieben am 30. Juli 2011 von Michael abgelegt in der Kategorie USA,
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Google löscht sieben Jahre des digitalen Lebens eines Nutzers und zuckt nur mit den Schultern

Wir alle wissen, dass wir uns im Grunde nicht allein auf die Cloud verlassen sollten. Clouddienste versuchen, uns dabei stets vom Gegenteil zu überzeugen. Ich persönlich kann verstehen, dass es eine wachsende Zahl Menschen gibt, die den Anbietern Glauben schenken. Immerhin existieren Dienste wie Google seit über zehn Jahren völlig verlässlich. Im Großen und Ganzen jedenfalls, aber nicht in jedem Einzelfall, wie die folgende Geschichte des Googlenutzers Dylan zeigt…

Dylan und sein komplett gesperrtes Google-Konto

Google-Nutzer Dylan ist im Grunde der Topkunde des Dienstes. In den letzten Jahren konsolidierte er seine digitale Existenz in jeder Hinsicht in Richtung . Alles, was Google zu bieten hatte, nahm Dylan und ersetzte damit seine bisherigen Angebote.

Zuletzt bloggte er mit Blogger, mailte mit Googlemail, hatte seine Bilder bei Picasa und seine Videos bei YouTube. RSS Feeds las er mit dem Google Reader, seine Lesezeichen verwaltete er mit Google Bookmarks. Als Amerikaner nutzte er zusätzlich Google Voice. Briefe schrieb er mit Google Docs, ebenso wie Kalkulationstabellen und Termine fanden ihren Platz im Google Kalender, wie Aufgaben den ihren im Google Aufgabenplaner. Alles funktionierte wunderbar und Dylan freute sich, ein so komplettes Angebot mit einem einzigen Login nutzen zu können.

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Google: Dylan wähnt sich im Paradies…

Dylan war so überzeugt von Googles Angebot, dass er einigen Aufwand auf sich nahm, um Daten aus anderen Diensten zu extrahieren und in Googles Angebot wieder einzupflegen. Viele dieser Schritte musste er in mühevoller Kleinarbet manuell vollziehen. Nach einer Weile hatte Dylan gut sieben Jahre seines digitalen Lebens nach Googleumgezogen. Und er war sehr zufrieden mit der Situation.

Bis zu diesem überaus schwarzen Tag. Es war Freitag, der 15. Juli.2011, als Dylan den Zugriff auf seine virtuelles Zuhause verlor und ohne Schlüssel vor seinem digitalen Heim stand. Beim Versuch, sich in sein Googlekonto einzuloggen, teilte ihm Google lapidar mit, man habe eine Verletzung der Nutzungsbedingungen festgestellt und seinen Account gesperrt.

Google weist immer wieder mal darauf hin, man solle für den Fall, dass man sich aus seinem Account aussperrt, eine alternative E-Mail-Adresse, neuerdings sogar eine Mobilfunknummer hinterlegen. Vorsichtige Kunden haben das vermutlich getan. Ob Dylan ebenfalls solche Sicherungen eingezogen hat, bleibt einerseits Spekulation, ist aber andererseits auch irrelevant, denn Google hatte ihm den Stöpsel ja mit voller Absicht gezogen und hatte gar kein Interesse daran, ihm sein digitales Leben zurück zu geben.

Immerhin sollte Dylan die Nutzungsbedingungen des Dienstes verletzt haben. Fortan versuchte Dylan alle Wege zu gehen, die Google in solchen Fällen vorsieht, was nicht viele sind. Wenigstens wollte er in Erfahrung bringen, worin die angebliche Verletzung der Nutzungsbedingungen überhaupt bestehen sollte. Er war sich jedenfalls keiner Schuld bewusst. Zuletzt versuchte er die Möglichkeiten der Google Hilfeforen auszureizen, schaffte es jedoch nie, die Aufmerksamkeit des Google-Personals in einer Art und Weise zu erreichen, die dem Problem gerecht geworden wäre.

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… und fand sich in seiner persönlichen Hölle wieder.

In der Regel wurde ihm geraten, sich in seinen Account einzuloggen, um dort dieses oder jenes zu versuchen. Dylan wurde mit jedem Mal, in dem er erklären musste, er könne sich nicht in seinen Account einloggen, das sei ja gerade das Problem, ungehaltener. So musste er sich zusätzlich von Google-Personal maßregeln lassen, er möge seinen Ton mäßigen.

Nach Tagen der Erfolglosigkeit begann Dylan bei Google anzurufen. Beide Google-Büros in Manhattan suchte er persönlich auf und sprach dort mit Mitarbeitern. Bis zum heutigen Tag konnte Dylan keine Hilfe erhalten. Mitarbeiter, die ihn wenigstens anhörten, teilten ihm mit, man könne ihm nicht helfen. Den besten, allerdings impliziten Rat gab ihm wohl der Mitarbeiter, der ihm sagte: „Ehrlich, ich benutze Google nicht!“

Dylans Geschichte erhält aktuell einiges an Aufmerksamkeit und es ist damit zu rechnen, dass sich in seinem Fall was tun wird. Immer wieder jedoch werden Fälle bekannt, wo Google ohne erkennbaren Grund den Stöpsel aus dem Google Account gezogen hatte. Gut möglich, dass die meisten Nutzer sich zwar kurz darüber aufregen, sich dann aber woanders ein neues Konto zulegen, weil sie nicht ihre ganze digitale Existenz in die Hände eines einzelnen Anbieters gelegt hatten, wie Dylan es tat.

Dylan kehrt jedenfalls Google den Rücken und nutzt alle Kommunikationskanäle, um seine Geschichte zu Gehör zu bringen und andere zu warnen, nicht in die gleiche Einbahnstraße zu rennen.

 

Wie seht ihr das? Selbst schuld, wenn man nur einem Anbieter vertraut? Müsste Google nicht mehr Verantwortungsbewusstsein zeigen? Müsste Google nicht wenigstens Interesse zeigen? Wie organisiert ihr eure digitale Existenz?

 Google lscht sieben Jahre des digitalen Lebens eines Nutzers und zuckt nur mit den Schultern

1 Kommentar

  1. malachim

    31. Juli 2011 @ 15:08

    na ja

    solange es nicht das echte leben ist .- kann man damit leben…

    wie war das noch vor gar nicht langer zeit?

    ohne digitus?

    da brannte auch öfter mal ein archiv…deswegen gabs die leute dann ja auch noch..

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