Gruss aus Israel

Wer in diesen Tagen einen guten Gurkensalat essen will, der muss sehr weit reisen: zum Beispiel nach Tel Aviv. – Erlebnisse in Israels Metropole. Droht ein neuer Krieg im Nahen Osten?

Lufthansa Flug nach Tel Aviv. Mittagessen. Ich verlange einen Salat. Antwort der Stewardess: gestrichen, wegen EHEC. Auf Lufthansa-Flügen gibt es keine Salate mehr. Stattdessen verölte Pasta.

Was auch immer hinter EHEC steckt – die Hysterie ist ein typisch deutsches Phänomen. Im Resteuropa kümmert sich kaum jemand darum, wenn auch die mediale Ansteckungsgefahr groß ist. Tödliche Keime sind immer ein gefundenes Fressen für die sensationshungrige Journaille. Gott sei Dank: in Israel ist EHEC kein Thema: „Einen Gurkensalat bitte“ – meine Order am Strand von Tel Aviv im „La Mer“.

Die Sonne scheint, klares Wasser, blauer Himmel, eine frische Brise macht die Hitze erträglich. Während die Deutschen im EHEC-Wahn sind, gibt es hierzulande ganz andere Probleme. Von EHEC hat hier noch niemand etwas gehört.

In Israel geht die Angst um. Die Angst vor dem September. Dann nämlich wollen die Palästinenser einen eigenen Staat ausrufen. Das ist für Tel Aviv prinzipiell kein Problem. Das Problem ist nur, dass die Palästinenser diesen Staat einseitig ausrufen wollen und gleichzeitig nicht das Existenzrecht Israels anerkennen.

„Das bedeutet Krieg“ – sagt eine Freundin, welche eher zu den linksgerichteten Gesinnungsgenossen in Tel Aviv zählt. Israel würde eine solche Staatsbildung niemals hinnehmen ohne gleichzeitig ein Existenzrecht zugebilligt zu bekommen. Befürchtung: ein solcher Palästina-Staat, hochgerüstet und unterstützt durch seine arabischen Nachbarn, würde über kurz oder lang zum Angriff auf die verhassten Nachbarn blasen.

Seitdem ist die Stimmung nicht nur an Tel Avivs Stränden gedrückt. Gespannt wartet man auf die Entwicklung der Ereignisse, und die verheißen nichts gutes, wenn man mit den Menschen der Stadt spricht.

Israel würde ein solches Vorgehen nicht zulassen, erklärt mir ein anderer Gesprächspartner. Pikant an der Angelegenheit sei allerdings, dass die UNO möglicherweise den neuen palästinensischen Staat anerkennt. Sollte sich also Israel gegen eine solche Staatsbildung zur Wehr setzen, könnte es gut sein, dass die UNO ins Land einmarschiert – ähnlich wie in Libyen.

Ein anderes heißes Eisen ist die geplante Grenzziehung. „Grenzen von 1967“ bedeutet für Israel ein klares „No Go“ weil damit das Land praktisch nicht mehr zu verteidigen wäre. Befürchtung:  Palästina schließt sich mit den anderen arabischen Staaten ringsherum zusammen um „die Juden ins Meer zu jagen“.

Auch in Israel gibt es eine große Sehnsucht nach Frieden. Schon allein das Anerkennen eines Existenzrechts würde Tel Aviv zu große Zugeständnissen veranlassen. Doch darauf ist offenbar nicht zu hoffen. So bleibt die große Befürchtung, dass neben den vielen Brandherden in Nahen und Mittleren Osten demnächst noch ein neuer hinzukommt: Ein neuer Konflikt zwischen Israel und seinen Nachbarn.

Nachmittags geht’s wieder zum Strand. Wunderbare Sonnenuntergänge gibt es in Tel Aviv. Langsam versinkt die Sonne im Mittelmeer. Mir scheint,  als wenn die Welt einer unsichereren Zukunft entgegen geht. Überall schwelen Konflikte. Der Nahe Osten wird zum Pulverfass. Es bleibt die vage Hoffnung, dass es doch noch eine Wende zum besseren gibt. Doch die ist derzeit nicht in Sicht.

Ein Gedanke zu „Gruss aus Israel

  • 21. Juni 2014 um 12:01
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    Während der Zeit des 6-Tage Kriegs lag mir die Verteidigung Israels besonders am Herzen.
    Das Problem in Israel ist heute: man kann sich nicht davon trennen, dass wir Österreicher(ich habe auch durch die West-Ukraine eine jüdische Wurzel) allesamt in den Holocaust-Topf während der hassstrotzenden Wahlpropaganda der „Waldheim-Zeit“ – ausgelöst von der SPÖ – deren Vorsitzender aber im Jahre 1938 FÜR einen Adolf Hitler gestimmt hat(plus Wahlempfehlung) – Österreich als d a s NAZI-Land in der Welt auf eine Weise dargestellt hat, die ich niemals vergessen werde. Da hätte Abraham seinen FLuch auf Israel gelegt.
    Alle Österreicher, ob auch solche, die gegen Hitler waren, wurden in einen Topf geschmissen. Das offizielle Israel hat sich in dieser Zeit sehr einseitig dargestellt.
    Diese Wunden, ausgelöst von unserer SPÖ und leider von den US-Israelis und anderer Menschen wurden schamlos missbraucht.
    Eine Klarstellung ist bis heute nicht erfolgt.
    Dies sind d i e Wehrmutstropfen, die weder von unserer SPÖ ,noch von Israel jemals revidiert wurden.
    Obwohl ich dafür bin, dass die Politik Israels gegenüber Palästina für sein Überleben mir als wichtig erscheint, hat es den „alten Freund“ aus den Tagen eines Moshe Dajan für immer vergrämt.
    Selbst in Israel hat man dies noch nie wirklich verstanden.
    Denn atheistische Österreicher sind in Israel heute noch mehr willkommen, als wir modern denkende katholische Österreicher, die schon als Kinder von Anne Frank wussten.
    Das Martyrium der Juden während der Hitlerzeit geht parallel auch mit der Unterjochung meiner Familie. Aber dies ist den Wendehälsen in der SPÖ Wien, die ja ständig alles nur unter der scheinheiligen Brille sieht, völlig egal.
    Die Wendehalspolitik einer SPÖ und deren Scheinheiligkeit ist ja unübertroffen.
    Obschon ich für Israel bin, habe ich gute Informationen über deren Entwicklung – ich war selbst schon in Israel – werde ich diesen Wermutstropfen niemals mehr los.
    Dies ist vergleichbar mit einer ewigen Wunde, die immer wieder aufbricht.
    Schuld daran sind die künstlichen Vorgangsweisen von vielen damaligen Israelis, welche
    den US-amerikanischen Zeitungen Schützenhilfe zum Halali gegen a l l e Österreicher gegeben haben.
    Noch heute höre ich wahlweise auf meinen Weltreisen davon.
    Schade.
    Ich habe keine Hassliebe für oder gegen Israel, aber ich bin froh, wenn einmal die alten Lügen aufhören, ständig ausgesprochen zu werden.
    In der österreichischen Hospiz auf der Via Dolorosa ist noch der Geist des alten Österreich, des Österreich, das immer bereit war und ist, Bedürftigen zu helfen.
    Es ist wünschenswert, wenn einmal der jahrzehntelange Konflikt ISRAEL-PALÄSTINA sich
    entschärft.
    Aber ich werde es in den nächsten 25 Jahren(wenn ich so alt werde) nicht mehr erleben.
    Schuld daran tragen alle, auch ein Auflisten, wer für oder gegen Israel ist, finde ich nicht sinnvoll.
    Antisemitismus ist ein völlig falsches Wort. Es müsste semiotisch heissen:
    ANTI- Israelisch oder ANTI-Jüdisch. Die historische Geschichte des ALTEN ISRAEL und JUDA
    habe ich ja schon vor fast 60 Jahren gelernt.
    Heute kann ich sagen:
    ANTI-Österreichisch und ANTI-Katholisch wäre genau so dasselbe als „Anti-Semitisch“,
    Dann vertrete ich voll und ganz Ihre ANTI-Darstellungen…..aber in Österreich ist ja die Pressefreiheit durch unsere Freimaurer und die SPÖ völlig lahm gelegt.
    ein Schelm ist, der wenigstens über sich lachen kann.
    the navigator

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