Geschrieben am 24. Februar 2011 von Redaktion abgelegt in der Kategorie Deutschland,
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Guttenbergs Doktortitel: "Die Uni Bayreuth kneift" – kritisiert die SPD …

In der Plagiatsaffäre um Karl-Theodor zu Guttenbergs (CSU) Doktorarbeit hält Bundestags-Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) die Entschuldigung des Verteidigungsministers für nicht ausreichend. Guttenberg tue immer noch so, als habe er einen „kleinen Fehler, der irgendwie nebenbei passiert“ begangen, sagte Göring-Eckardt. Guttenberg sei immer noch nicht klar, „dass es mehr ist als ein Kavaliersdelikt“. Zudem gebe der Minister immer nur zu, was ohnehin gerade herauskomme. Seine Reumütigkeit sei daher für sie nicht „wahnsinnig überzeugend“. Es stelle sich die Frage, wie viel Vertrauen man noch in den Minister haben könne, der in einem „höchst sensiblen“ Amt tätig sei.

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„Welt Online“ gibt eine chronologische Übersicht der Plagiatsaffäre um Verteidigungsminister Guttenberg – vom Bekanntwerden bis zur Aberkennung seines Doktortitels.

Mittwoch, 16. Februar: Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet über erste Täuschungsvorwürfe im Zusammenhang mit Guttenbergs juristischer Dissertation. Der in Bayreuth promovierte CSU-Politiker weist den Plagiatsvorwurf am selben Tag als „abstrus“ zurück. Die Bayreuther Uni fordert den Minister gleichwohl zu einer schriftlichen Stellungnahme binnen zwei Wochen auf.

Donnerstag, 17. Februar: Während sich Guttenberg zu einem vorab nicht angekündigten Truppenbesuch in Afghanistan aufhält, haben sich im Internet etliche Nutzer zusammengeschlossen und durchforsten die Doktorarbeit nach möglichen abgekupferten Textpassagen. Nach seiner Rückkehr am Donnerstagabend trifft Guttenberg in Berlin mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammen.

Freitag, 18. Februar: Guttenberg räumt in der Hauptstadt „Fehler“ in der Dissertation ein, weist den Plagiatsvorwurf aber „mit allem Nachdruck“ zurück. In einer vor wenigen Journalisten verlesenen Erklärung kündigt der Minister an, er werde seinen Doktortitel bis zum Abschluss der Untersuchungen durch die Uni Bayreuth nicht mehr verwenden. Einen Rücktritt lehnt der CSU-Politiker ab. Merkel und die Union stärken ihm demonstrativ den Rücken, CSU-Chef Horst Seehofer erklärt seine „volle Solidarität und Unterstützung für Guttenberg“ und bezeichnet die Vorwürfe als „Kampagne“.

Samstag, 19. Februar: Gegen Guttenberg werden neue Vorwürfe laut. Nach Medienberichten sollen er für seine Arbeit auch die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags in Anspruch genommen haben. Die SPD fordert Bundestagspräsident Norbert Lammert auf, „den Vorgang schnell zu untersuchen“.

Sonntag, 20. Februar: CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich weist den Vorwurf eines Missbrauchs des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags zurück. Die Diskussionen würden „immer lächerlicher“.

Montag, 21. Februar: Guttenberg erhält erneut Rückendeckung von Merkel. Sie habe ihn nicht als wissenschaftlichen Assistenten oder Inhaber eines Doktortitels berufen, sagt die Kanzlerin. Seine Arbeit als Verteidigungsminister „erfüllt er hervorragend“. Am Abend kündigt Guttenberg auf einer CDU-Veranstaltung im hessischen Kelkheim an, er werde dauerhaft auf den Doktortitel verzichten. Nachdem er sich über das Wochenende intensiv mit seiner Doktorarbeit beschäftigt hatte, räumte er „gravierende Fehler“ ein, die den „wissenschaftlichen Kodex nicht erfüllen“. Zugleich leitet Guttenberg der Uni Bayreuth einen Brief zu, in dem er um die Rücknahme des Titels bittet.

Mittwoch, 22. Februar: Guttenberg nimmt im Bundestag zu den Vorwürfen gegen ihn Stellung. In einer Fragestunde und danach in einer Aktuellen Stunde bestreitet er erneut, bei seiner Doktorarbeit bewusst getäuscht zu haben. Der CSU-Politiker räumt erneut Fehler ein. „Ich war sicher so hochmütig zu glauben, dass mir die Quadratur des Kreises gelingt“, sagte er und räumt eine „Überlastung“ ein. Er bekräftigt, ungeachtet der Rücktrittsforderungen im Amt bleiben zu wollen. Am Abend teilt die Universität Bayreuth mit, sie erkenne Guttenberg den Doktortitel ab.

Quelle: AFP

SPD: Verfahren der Universität Bayreuth war „zu billig“

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, nannte die Entscheidung der Universität Bayreuth, dem Verteidigungsminister den Doktortitel abzunehmen, halbherzig. „Die Universität Bayreuth kneift, denn sie verzichtet darauf zu prüfen, ob eine bewusste Täuschung vorliegt – und das trotz massivster Anhaltspunkte.“ Damit mache sich die Hochschule die Argumentation Guttenbergs zu Eigen und erleichtere ihm das politische Überleben.



SPD-Politiker

Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb/dpa
Dieter Wiefelspütz

SPD-Politiker

Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb/dpa
Dieter Wiefelspütz

Wiefelspütz fügte hinzu: „Das ist für den Minister das Wunschergebnis.“ Zudem habe sich die Universität Bayreuth auch „um die CSU und um Frau Merkel verdient gemacht“. Das ganze Verfahren sei „zu billig“. Wiefelspütz ist selbst promovierter Jurist und nebenberuflich als Lehrbeauftragter tätig.


Die Universität Bayreuth hatte am Mittwoch bekannt gegeben, dass Guttenberg der Doktortitel entzogen wird, weil er in seinen Doktorarbeit Textstellen übernommen und dies nicht gekennzeichnet habe. Damit habe er in erheblichem Umfang gegen wissenschaftliche Standards verstoßen. Hinsichtlich des Vorwurfs der vorsätzlichen Täuschung gegen Guttenberg sagte Universitätspräsident Rüdiger Bormann, dies sei nicht Gegenstand der Untersuchung gewesen.


Foto: dapd/DAPD
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg vor seinem bislang wichtigsten Auftritt im Bundestag. Er muss den Abgeordneten der Opposition Rede und Antwort stehen.


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Foto: AFP
Zwei Parlamentarier machen sich auf ihre Art noch einmal mit der Causa Guttenberg vertraut. Alles dreht sich…


Bundestag befasst sich mit Guttenbergs Promotionsaffäre

Foto: dapd/DAPD
… um dieses Werk: Guttenbergs Doktorarbeit. Er soll sie in weiten Teilen abgeschrieben haben.


Foto: REUTERS
Guttenberg gibt erneut Fehler und unsauberes wissenschaftliches Arbeiten zu, beteuert aber:


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Foto: AFP
„Ich habe diese Arbeit selbst geschrieben!“


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Foto: AFP
Sein Amt will er nicht aufgeben: Signale, die er als Minister auszusenden habe, orientierten sich am Aufgabengebiet des Bundesverteidigungsministers. „Und das sind Signale, die ich weiterhin mit dem Verantwortungsbewusstsein ausüben und ausfüllen will, wie ich das bisher getan habe“.


Foto: REUTERS
Seine Glaubwürdigkeit sehe er nicht gefährdet: „Es hätte der Glaubwürdigkeit geschadet, wenn man sich nicht zu seinen Fehlern bekannt hätte.“

Kirsch: Glaubwürdigkeit des Ministers angekratzt

FDP-Verteidigungsexpertin Elke Hoff stärkte Guttenberg derweil den Rücken. Mit der Aberkennung seines Doktortitels seien Konsequenzen gezogen worden, sagte sie. Sie hoffe, dass jetzt alle Vorwürfe ausgeräumt seien und „wir zu wichtigen Themen kommen“. Sie denke, der Minister habe aus der Affäre „gelernt“. Jetzt müsse er an seinen Taten – so die große Bundeswehrreform – gemessen werden.

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      Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, Oberst Ulrich Kirsch, sagte: „Die Glaubwürdigkeit des Ministers ist angekratzt. Daran besteht kein Zweifel.“ Auch das Krisenmanagement des Verteidigungsministers sei „nicht optimal“.

      Das sehe er mit Sorge. „Der Minister ist nicht gestärkt aus der vergangenen Woche hervorgegangen. Für das Gelingen der Hauptaufgabe, der Bundeswehrreform, ist es aber unbedingt notwendig, dass er sich gegen die Sparvorgaben des Finanzministers durchsetzt.“

      Er sehe dennoch „keine Notwendigkeit“ für einen Rücktritt. „Die Bundeswehrreform ist das Projekt von Herrn zu Guttenberg. Sie wird mit ihm in Verbindung gebracht. Da darf er nicht aus der Verantwortung gelassen werden.“

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      Die fortlaufende Debatte über den Minister schade dem anstehenden Umbau der Armee, klagte Kirsch im ZDF-„Morgenmagazin“. „Alle mahnen doch nun, von den Machtfragen wieder zu den Sachfragen zu kommen, denn wir haben eine Reform ins Haus stehen, die in dieser Größe noch nie da war, und darauf kommt es jetzt an“, sagte Kirsch, dessen Verband die Interessen der Soldaten vertritt. Die Bundeswehr steht derzeit vor dem größten Umbau in ihrer Geschichte. Der Bundestag berät am Donnerstag erstmals über die Aussetzung der Wehrpflicht zum 1. Juli.

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      1 Kommentar

      1. Lydia Schmelzer

        25. Februar 2011 @ 21:15

        Ich bin keine besondere Guttenberg Anhängerin. Doch diese Hetzjagd ist ja schon lächerlich. Wer noch nie geschummelt hat der werfe den 1. Stein!

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