Heißer Präsidententanz

Schon der Tagungsort ist ein Symbol: Präsident Barack Obama und der russische Präsident Wladimir Putin werden im prachtvollen  Konstantinpalast aufeinandertreffen. Das Gebäude war schon fast verfallen – aber dann investierte Putin viel Geld und ließ es wieder wie eine Zarenresidenz herrichten.

Doch der Gast aus dem Weißen Haus in Washington wird sich von Gold und Kronleuchtern nicht blenden lassen. Obama ist sauer: „Ehrlich gesagt bei vielen Themen, wo wir dachten, es gibt Fortschritte, hat sich Russland nicht bewegt“, sagte er noch in Washington.

Nun ist er zu Gast in St. Petersburg und muss sich ordentlich benehmen. Die Weltöffentlichkeit wird jedes Wort und jede Geste auf die Waage legen: Wie lange werden sie die Hände schütteln, gibt es ein Lächeln, ein paar private Worte? William Pomeranz, Russland-Experte am Washingtoner Wilson-Institut, rechnet damit, dass es eine unangenehme Begegnung werden wird: „Wir werden einen interessanten Tanz sehen, wenn Putin und Obama zum ersten Mal aufeinandertreffen. Werden sie sich aus dem Weg gehen, werden sie gute Miene zum bösen Spiel machen? Es wird auf jeden Fall unangenehm.“

Es wird vor allem um Syrien gehen

Für den Nachmittag ist die erste Arbeitssitzung geplant. Eigentlich stehen Wirtschaftsthemen auf der Agenda. Der Kampf gegen Steueroasen, die Regulierung der sogenannten „Schattenbanken“ – doch das Thema Syrien wird diesen G-20 Gipfel dominieren.

Putin hatte zwar im Vorfeld erklärt, er würde sehr gerne mit Obama unter vier Augen sprechen. Doch diesen Wunsch wird ihm Obama  nach jetzigem Stand nicht erfüllen – auch wenn es eigentlich zum guten Gipfelton gehört, dass der US-Präsident dem Gastgeber eine Privataudienz gewährt. Aber Putin macht es seinem Gast auch nicht leicht. Noch vor dem Gipfel  bezeichnete er US-Außenminister John Kerry als Lügner,  was den Bürgerkrieg in  Syrien betrifft: „Er lügt. Er weiß dass er lügt. Das ist schade“, sagte Putin.

Obama im Vorteil?

Doch trotz der starken Worte: Betrachtet man die Machtverhältnisse, stehen die Amerikaner besser da, rechnet Russlandexperte Pomeranz vor: „Russland ist ein Land von 110 Millionen Menschen, die USA von 370 Millionen. Die USA sind die größte Wirtschaftsmacht der Welt – wo Russland steht weiß ich gar nicht. Außerdem haben die USA bessere Möglichkeiten im Ausland zu agieren.“

Und außerdem konnte Obama vor seiner Abreise noch ein paar Verbündete für seine Syrien-Pläne gewinnen: Ein Teil des US-Senats billigte einen Militärschlag und auch fünf Nordländer wie Schweden und Finnland halten eine starke Antwort Richtung Syrien für richtig.

Dennoch belastet der Streit zwischen den USA und Russland das Treffen der G20. Länder wie Deutschland und China werden hinter den Kulissen versuchen, zu schlichten und zu verhandeln. Doch manchen Gruppen haben von dem Armdrücken inzwischen die Nase voll. Die einflussreiche russische Bürgerrechtlerin Alexejewa sagte ein Treffen mit Obama ab. Immer wieder sei der Termin verschoben worden, berichtet sie –  und irgendwann müsse sie sich mal eine Fahrkarte kaufen: „Man muss verstehen, das Treffen ist in einer anderen Stadt, man muss Tickets kaufen. Wir sind hier alle beschäftigte Leute hier.“

 

 

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