In der Türkei: Unterrichtsfach „Dschihad“

Großes Entsetzen herrscht aber bei den Alewiten, einer Glaubensrichtung, die in der Türkei die größte religiöse Minderheit stellt und seit langem Diskriminierung zu spüren bekommt. Die Alewiten machen geschätzte 20 Prozent der 80 Millionen Einwohner aus und stehen den Schiiten näher als den Sunniten, die weltweit und auch in der Türkei die Mehrheit der Muslime stellen.

„Den Dschihad als eine Art Gottesdienst in Schulen zu unterrichten, steht im Einklang mit den Doktrinen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und ist sehr gefährlich“, warnt Erdogan Döner, der Präsident des Alewiten-Dachverbandes Cem Vakfi.
Bedeutung des Wortes „Dschihad“

Bedenken, die die Regierung in Ankara mit Verweis auf die eigentliche Bedeutung des Wortes „Dschihad“ zurückweist. Radikale Islamisten hätten den Begriff für ihr Konzept des „Heiligen Krieges“ ausgeschlachtet. Der Unterricht werde sich aber auf den inneren geistlichen Kampf in einem patriotischen Kontext konzentrieren, heißt es.

Erdogan und Bildungsminister Ismet Yilmaz selbst werben in der Öffentlichkeit für die Idee des „Dschihad“ als persönliches Streben, böse Neigungen zu bekämpfen.

Tatsächlich wird Dschihad oft als „Heiliger Krieg“ übersetzt, womit der Kampf für die Ausbreitung oder Verteidigung des Islams gemeint ist. Aber mit Dschihad muss nicht zwangsläufig Krieg verbunden sein. Der Begriff kann das ganz persönliche Bemühen eines Muslims bezeichnen, ein besserer Gläubiger und Mensch zu werden.

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