Geschrieben am 15. April 2012 von Redaktion abgelegt in der Kategorie Abou Nagie, Deutschland, Islam,
Kommentare (0)

Islam-Experte warnt vor Missionierung durch Salafisten

Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen sieht in der kostenlosen Verteilung von Koran-Exemplaren durch radikal-islamische Salafisten eine Gefahr für junge Leute. Die Aktion könnte bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund und jungen Muslimen Erfolg haben, sagte Islam-Experte Friedmann Eißler in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst am Freitag in Berlin.

„Schwarz-Weiß-Zeichnungen wie die der Salafisten sind in dem Alter attraktiv, gerade wenn man selber Orientierung sucht“, sagte Eißler. In ihren Ansprachen im Internet gingen die Salafisten auch auf praktische Probleme ein. „Die jungen Menschen werden teilweise mit dschihadistischen und militanten Botschaften indoktriniert“, warnte Eißler. Die Wärme kleiner Gruppierungen wirke besonders anziehend, denn dort spreche man sich gegenseitig als „Geschwister“ an. Zudem würden die Inhalte auf Deutsch vermittelt und nicht auf Türkisch oder Arabisch, was für einige Jugendliche nur noch schwer verständlich sei.

Die Verteilung der Korane als solche könne trotz dieser Gefahr kaum verboten werden, sagte Eißler. „Wir halten es für wichtig, dass die positive Religionsfreiheit, also die Äußerung des Glaubens auch im öffentlichen Raum durch unsere Verfassung gewährleistet ist“. Die Kritik beziehe sich daher nicht in erster Linie auf die Verteilaktion, sondern auf die Ideologie der Menschen, die sich daran beteiligten.

Milieu, aus dem Gewaltbereitschaft erwachsen kann

Die Salafisten folgten einem extremen und radikalen Islamverständnis, das die Frühzeit des Islams idealisiert und in vielen Punkten konträr zu den Grundrechten der Gesellschaft steht. „Das betrifft Religionsfreiheit, die von Salafisten an dieser Stelle genutzt wird, die aber perspektivisch in dieser Art von Islam nicht vorgesehen ist“, sagte Eißler.

Aber auch Meinungsfreiheit, Frauenrechte und das Verhältnis zu Andersgläubigen seien davon berührt. Auch wenn nicht alle Salafisten gewaltbereit seien, biete der Salafismus zumindest ein Milieu, aus dem Gewaltbereitschaft erwachsen könnte. Die westliche Kultur werde als dekadent und defizitär dargestellt, der Islam als Heilmittel.

„Wir haben keine andere Waffe als die einer kritischen Streitkultur“, ergänzte der Theologe. Dazu gehöre auch Aufklärung darüber, dass die Standpunkte der Salafisten nicht mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung vereinbar und „brandgefährlich“ seien.

Keine Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.