Israel: Ein Land zäunt sich ein

Zum Schutz vor Flüchtlingen, Schmugglern und Terroristen errichtet Israel eine 240 Kilometer lange Barriere an der Grenze zu Ägypten. Jeden Tag wächst das Ungetüm aus Stahl um bis zu 800 Meter.

Aschgrau sind die Spuren, die der brennende Bus im Straßengraben hinterlassen hat. Auch der heftige Regen in den Wintermonaten konnte die Erinnerung an den 18. August des vergangenen Jahres nicht wegspülen. Nördlich von Eilat griff an diesem heißen Sommertag ein Terrorkommando mehrere israelische Fahrzeuge an und tötete acht Menschen. Die Israelis wollten zum Baden ans Rote Meer und waren auf der Landstraße 12 unterwegs, die sich dort durch die schroffe Felslandschaft schlängelt. Ein paar Meter westlich liegt Ägypten.

„Das ist jetzt auch eine heiße Grenze“, sagt Yoav Tilan und zeigt hinüber auf die Weiten der Sinai-Halbinsel. Die Soldaten des israelischen Oberstleutnants mit der Maschinenpistole an der Schulter bewachen seit dem vergangenen August nicht nur den südlichsten Abschnitt der knapp 240 Kilometer langen Grenze. Sie sichern zugleich eine der größten Baustellen des Landes. Mitten in der bisher fast unberührten Wüste errichten Arbeiter einen fünf Meter hohen Zaun.

Auf einmal spielte Geld keine große Rolle mehr

Ein Jahr nach dem Sturz von Präsident Mubarak im Nachbarland Ägypten und gut ein halbes Jahr nach den Anschlägen bei Ein Netafim ist das Ungetüm aus verzinktem Stahl schon mehr als hundert Kilometer lang. Jeden Tag wächst es um bis zu 800 Meter. Ganz oben auf dem Zaun spiegelt sich das Sonnenlicht im messerscharfen Nato-Draht. Ende 2012 soll er von den Bergen hinter Eilat am Roten Meer bis fast ans Mittelmeer an der Grenze zum Gazastreifen führen.

Noch bis vor einigen Jahren reichte der hüfthohe Zaun aus, der an der Baustelle bei Ein Netafim vor sich hin rostet. Für Ruhe auf dem Sinai sorgten auf der anderen Seite der Grenze Präsident Mubarak und die ägyptische Armee. Doch dann hatten die Sicherheitskräfte auf einmal auf dem Tahrir-Platz in Kairo alle Hände voll zu tun. Jetzt kümmern sie sich weniger um die Sinai-Halbinsel. Der ägyptischen Armee war es aber auch zuvor schon schwergefallen, die bergige Wüste zu kontrollieren, in der immer mehr Terroristen ihre Zelte aufschlugen. Israelische Militärs loben zwar bis heute ihre ägyptischen Kollegen. Aber der Sold der Soldaten ist niedrig, viele wurden angeblich zur Strafe auf den Sinai versetzt. So schauen sie von den Wachtürmen an der Grenze oft nur hilflos dem Treiben der Schmuggler und Dschihadisten zu.

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