Geschrieben am 7. November 2011 von Redaktion abgelegt in der Kategorie Iran, Israel,
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Israel – Iran Krieg

Seit kurzem wird in Israel intensiv über das Thema Iran diskutiert. Manche meinen, das liege weniger an einer veränderten Bedrohung als an innenpolitischen Rivalitäten.

Auch Efraim Halevy bereitet das iranische Atomprogramm Sorgen. Doch nach Ansicht des früheren Chefs des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad droht seinem Land eine viel größere Gefahr. Der wachsende Einfluss radikaler ultraorthodoxer Juden berge ein noch größeres Risiko als die iranischen Uranzentrifugen, sagte Halevy und erntete empörte Reaktionen rechter und religiöser Politiker. Auf einmal ging der Streit weniger um die iranischen Mullahs als um extremistische Rabbiner im eigenen Land. Seit bald zwei Wochen treibt viele Israelis die nukleare Aufrüstung Irans um und manche klingen so, als stehe ein Angriff unmittelbar bevor. Noch nie sei so viel über ein Thema berichtet und diskutiert worden, über das man so wenig weiß, merkt ein israelischer Beobachter verwundert an. Denn wirkliche Neuigkeiten erwarten die Iran-Kenner selbst nicht von dem Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), der an diesem Dienstag erwartet wird. Israelische Medien versorgten ihre Leser und Zuschauer schon zuvor exklusiv mit jeder Menge Geheimdienstinformationen.

Selbst Präsident Peres wählte deutliche Worte

In Israel ist man sich deshalb unschlüssig, was die neue Iran-Debatte in Gang gebracht hat: Der bevorstehende IAEA-Bericht oder innenpolitische Grabenkriege. Mit besonderer Aufmerksamkeit war registriert worden, dass zuletzt selbst Präsident Peres deutliche Worte wählte. Er bezeichnete einen Militärschlag für wahrscheinlicher als eine diplomatische Lösung. Doch auch Peres sprach nicht davon, dass Israel dabei die Initiative übernehmen werde. Einen Tag später schloss auch Verteidigungsminister Barak gegenüber dem britischen Sender BBC ein weiteres Mal einen Angriff nicht aus, gab aber anderen Optionen den Vorzug. „Sanktionen könnten effektiv sein, wenn sie lähmend genug wirken. Diplomatie kann funktionieren, wenn es genug Einigkeit gibt“, mahnte Barak. Peres wie Barak verließen damit nicht die Linie, welche die israelische Regierung schon seit vielen Monaten verfolgt.

In Israel begann die innenpolitische Debatte mit einem Bericht unter der Überschrift „Atomarer Druck“ in der Zeitung „Jediot Ahronot“ vor eineinhalb Wochen. Er legte nahe, dass Barak und Netanjahu – wegen ihrer Übereinstimmung in dieser Frage auch schon „siamesische Zwillinge“ genannt – damit begonnen haben, die wichtigsten Minister im Kabinett davon zu überzeugen, das iranische Atomprogramm unschädlich zu machen, bevor es zu spät ist. Über eine Entscheidung solcher Tragweite müssen sich nicht nur Regierungschef und Verteidigungsminister einig sein, sondern sie brauchen dafür auch die Unterstützung des „Forums der Acht“. Aber diese acht Minister sind sich nicht einig und aus ihren vertraulichen Beratungen über das Thema gelangte mehr an die Öffentlichkeit, als vielen lieb war – weniger über Inhalte, als über ihre Differenzen.

War der frühere Mossad-Chef Dagan die Quelle?

Dabei schossen sich mehrere Kabinettsmitglieder buchstäblich auf den früheren Mossad-Chef Dagan als vermeintliche Quelle für das Leck ein. Dagan hatte schon zuvor eine militärische Lösung als eine „dumme Idee“ bezeichnet. Kritiker aus Netanjahus Likud-Partei warfen ihm vor, er wolle weiter Politik beeinflussen, obwohl er kein Amt mehr ausübt. Aus dem Kabinett selbst berichtet die israelische Presse von einer ausgeprägten Rivalität zwischen Barak und Strategieminister Jaalon. Während Barak glaube, nur er selbst könne die Iran-Mission erfolgreich führen, hat es Jaalon nie verwunden, dass ihn Netanjahu nicht zum Verteidigungsminister ernannte. Wie Geheimdienstminister Meridor gehört er eher zu den Skeptikern eines Angriffs, von denen es offenbar unter aktiven wie ehemaligen Militärs und Geheimdienstlern noch mehr gibt.

Zwar hat Israel in der Vergangenheit schon erfolgreich Atomanlagen im Irak und in Syrien zerstört. Aber israelischen Fachleuten ist klar, dass Iran nicht nur wegen der geographischen Entfernung die Luftwaffe vor viel größere Herausforderungen stellen würde. Es herrscht praktisch Konsens darüber, dass Israel das Atomprogramm nicht wirklich stoppen, sondern nur um mehrere Jahre „zurückbomben“ kann. Manche hoffen, dass Iran es nach einem Angriff nicht mehr mit ähnlich großer Energie vorantreiben oder es ganz aufgeben würde.

Der Preis eines Angriffs dürfte hoch sein

Aber selbst Befürworter einer Militäraktion gestehen ein, dass der Preis eines solchen Erfolgs hoch sein könnte. Nicht nur Iran, sondern auch von Teheran unterstützte Gruppen wie Hizbullah, Hamas und Islamischer Dschihad würden Israel dann mit Tausenden Raketen angreifen und erstmals auch die Großstadt Tel Aviv ins Visier nehmen. Zudem könnte Syrien seinen Verbündeten in Teheran militärisch beispringen, befürchten israelische Geheimdienste. Israel wiederum sähe sich bei einem Alleingang dem Unmut seiner wenigen Freunde in Jordanien, Ägypten und Amerika ausgesetzt. Manche halten auch militärisch die Erfolgsaussichten für größer, wenn Israel sich mit Amerikanern und Briten zusammentut. Weshalb beeile sich Israel, alleine einzugreifen, wunderte sich die Zeitung „Haaretz“, nachdem in der vergangenen Woche berichtet worden war, dass auch die Briten eine Militäraktion nicht mehr ausschließen.

1 Kommentar

  1. Marc

    11. November 2011 @ 09:06

    Israel mag “erfolgreich” und vielleicht sogar “richtig” gehandelt haben, als es im Juni 1981 den beinahe fertig gestellten irakischen Atomreaktor Osirak in der Nähe von Bagdad bombardiert hat.

    Das Risiko war damals überschaubar. Heute stellt sich die Lage für Israel vollständig anders dar. Iran ist eine militärisch gut gerüstete Nation. Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah hat mehrfach behauptet mit seinen neuen Raketen auch Tel Aviv erreichen zu können. Nicolas Blanford, ein Analyst von Jane’s Defense Weekly geht davon aus, dass Hisbollah über weitreichende Waffensysteme aus Syrien und dem Iran verfügt. usf.:
    http://www.transatlantikblog.de/2011/11/06/israel-krieg-angriff-iran-grossbritannien-ahmadinejad-netanjahu/

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