Israel sieht sich bloßgestellt

Israel hat offenbar erneut ein Ziel in Syrien angegriffen. Zerstört wurde ein Lager mit russischen Raketen. Das behaupten Medien in den USA. Israel schweigt dazu und sieht sich durch die Berichte bloßgestellt.

Es muss eine gewaltige Explosion gewesen sein vor zehn Tagen. Auf dem Gelände einer Militärbasis 20 Kilometer östlich der syrischen Hafenstadt Latakia wurden Lagerhallen bombardiert. 50 Jachont-Raketen aus Russland hatte die Armee von Machthaber Baschar al Assad dort gelagert. Diese Informationen gelten als einigermaßen gesichert. Außerdem ist bekannt, dass die Jachont eine Reichweite von 300 Kilometern hat und ihre Ziele, vor allem gegnerische Schiffe, recht zuverlässig trifft.

Ungeklärt blieb mehr als eine Woche lang, wer dieses Waffenlager zerstört hat. Nach offizieller syrischer Darstellung war die Explosion Folge des Bürgerkriegs, eine interne Angelegenheit. Die syrischen Rebellen dagegen sprechen von einer „ausländischen Streitmacht“, von der dieser Angriff ausgegangen sei. Gemeint ist Israel.

Israel bevorzugt es zu schweigen

Israels Verteidigungsminister Mosche Jaalon dementierte mehrmals: „In den Bürgerkrieg in Syrien mischen wir uns nicht ein. Wir werden ja für vieles verantwortlich gemacht, aber dieser Angriff geht nicht auf unser Konto.“ Aber auch an dieser Stelle sei nicht alles schwarz und weiß, sondern auch grau, fügte Jaalon hinzu. „Es entwickeln sich also nicht nur Bedrohungen, sondern auch Gelegenheiten. Wir müssen das Grau erkennen und die Gelegenheiten nutzen.“

Jaalon wirft Nebelkerzen. Denn einerseits sollen weder die syrischen Rebellen noch die Hisbollah-Miliz hoch entwickelte Waffen in die Hände bekommen. Die israelische Luftwaffe und Marine sollen sich weiter frei bewegen können. Andererseits soll der syrische Präsident nicht zu einem Gegenschlag genötigt werden. Deshalb bevorzugt es die Regierung in Jerusalem, gar nichts zu den Attacken auf Waffentransporte oder Waffenlager in Syrien zu sagen.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu: „Jedes Mal, wenn etwas im Nahen Osten passiert, ist Israel schuld. Ich sage einfach nichts darüber, was wir getan und nicht getan haben. Ich sage, dass wir die Weitergabe von gefährlichen Waffen an die libanesische Hisbollah-Miliz und andere Terroristen verhindern. Das ist unsere Politik.“

Bislang ging Netanjahus Linie auf. Assad schwieg mehr als eine Woche lang. Er wiederholte nicht einmal seine Drohung mit einem Angriff auf die Golan-Höhen.
US-Quellen nennen Israel

Dieses ausbalancierte Schweigen durchbrachen nun die US-Amerikaner, wie schon bei einem israelischen Angriff im Mai. Der US-Sender CNN zitiert nicht näher genannte Regierungsmitarbeiter, Israel habe Latakia angegriffen. Die „Sunday Times“ aus London spekuliert, ob der Angriff von einem U-Boot aus durchgeführt wurde. In einem russischen Medienbericht heißt es dagegen, israelische Kampfjets hätten das Lager bombardiert. Gestartet seien sie von einer türkischen Luftwaffenbasis aus. Israel und die Türkei haben sich ja inzwischen wieder angenähert.

Allein diese Medienberichte genügen, um die Dementis der israelischen Regierung in sich zusammenfallen zu lassen. Nicht gerade hilfreich seien die Aussagen der Amerikaner zu Latakia, heißt es dazu in Jerusalem. Das Vertrauen in die Amerikaner sei offenbar nicht mehr viel wert.
Welche Motive haben die USA?

Der frühere Sicherheitsberater der israelischen Regierung, Giora Eiland, denkt über die Motive der Amerikaner nach: „Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich hier um russische Waffen handelt, die offenbar vor kurzem nach Syrien gekommen sind. Es kann sein, dass die Amerikaner Israel von weiteren Angriffen auf Syrien abhalten wollen. Anders herum gesehen kann es sein, dass es Stimmen im Pentagon gibt, die der Meinung sind, Amerika müsse aktiv werden. Mit Hilfe der Medien wird Amerika hineingezogen.“

Das könnte passieren, wenn Israel den Beistand der Amerikaner gegen Angriffe aus Syrien anfordert. Noch brenzliger könnte die Lage werden, wenn Russland wie angekündigt Luftabwehrraketen vom Typ S300 an die syrische Armee ausliefert. Mit dieser Bedrohung, so argumentiert die israelische Luftwaffe, könne sie sich nicht einmal im eigenen Luftraum mehr frei bewegen.

Sobald Assad nicht nur mit Drohungen, sondern mit militärischen Mitteln reagiert, muss sich Israel eine neue Strategie zurechtlegen. Aber dann sieht die Lage ohnehin anders aus. In der Zeitung „Maariv“ schrieb ein Kommentator am Wochenende, man müsse für jeden Tag dankbar sein, „an dem uns die Lage an der Grenze im Norden noch nicht um die Ohren fliegt.“

2 Gedanken zu „Israel sieht sich bloßgestellt

  • 18. Juli 2013 um 20:25
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    Die Armee des syrischen Machthabers Baschar al-Assad hat laut einem Bericht der britischen „Sunday Times“ ihre modernsten Raketen gegen Israel in Stellung gebracht. Die syrische Armee habe Anweisung, die Boden-Boden-Raketen des Typs „Tischrin“ auf Tel Aviv abzufeuern, sollte Israel erneut ein Ziel in Syrien angreifen. Überwachungssatelliten hätten Vorbereitungen dafür registriert. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, sein Land sei „auf jedes Szenario vorbereitet“. Israels Luftwaffe hatte vor zwei Wochen zum dritten Mal in diesem Jahr in Syrien angegriffen, um iranische Waffenlieferungen an die Hisbollah zu verhindern.

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  • 29. Juli 2013 um 16:01
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    Israel hat am 5. Juli 2013 drei Waffenlager in der syrischen Küstenstadt Latakia angegriffen und 50 russische Jakhont P-800-Raketen zerstört. Das erklärten anonyme US-amerikanische Quellen am Samstag. Auch syrische Rebellen machten Israel für die Angriffe verantwortlich. Ein Sprecher der Freien Syrischen Armee (FSA) erklärte, die Rebellen hätten den Angriff nicht ausgeführt. Sie würden nicht über die dafür benötigte Schlagkraft eines modernen Militärs wie der israelischen Armee verfügen. Noch herrscht Unklarheit, wie genau der Angriff ausgeführt wurde. Die Amerikaner sprechen von einem Luftangriff Israels, und russische Medien berichteten, Israel habe türkische Militärstützpunkte für die Angriffe benutzt.

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