Geschrieben am 11. Juni 2011 von kewil abgelegt in der Kategorie Deutschland,
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Marokko: Freiheit nur mit Lexikon

Der Begriff “Freiheit” ist bei uns Europäern, aber auch in vielen anderen Staaten, Gesellschaften und Kulturkreisen wohl eindeutig besetzt und definiert: Tun und lassen zu dürfen was man nach eigener Entscheidung will, solange man damit nicht die Rechte anderer verletzt oder sich sonst wie strafbar macht. Ebenso, sagen und schreiben zu dürfen was man will, solange man damit niemanden beleidigt oder diffamiert.

Denken und glauben darf bei uns ohnehin jeder, was und wie er oder sie will. Auch darf man sich bei uns „weltanschaulich“ bekennen zu was man will, ohne sich damit jemals strafbar machen zu können. Mit einem „weltanschaulichen Bekenntnis“ kann man sich bei uns schlimmstenfalls irgendwie verdächtig machen, ohne dass Polizei oder Justiz dem nachzugehen hätten. Denn die „Freiheit des weltanschaulichen Bekenntnisses“ ist laut unserem deutschen GG Artikel 4 Satz 1 „unverletzlich“.

Man darf sich bei uns also z.B. zur Sodomie „bekennen“, auch zum Kannibalismus, sogar zum Terrorismus oder zum Völkermord u.v.a.m. – solange man all dies nicht in die Tat umsetzt.

Oder zur Demokratie, zur Rechtsstaatlichkeit und zur Freiheit!

Nicht so in manch anderen Ländern, in denen z.B. das Wort „Freiheit“ entweder ganz anders als bei uns – oder auch gar nicht – verstanden wird.

In einem Reiseführer zu Marokko findet sich eigens ein zweiseitiges Kapitel über Frauen – ein Kapitel über Männer sucht man in dem Buch vergebens. In diesem Frauen-Kapitel heißt es – vielleicht ein wenig süffisant – u.a.:

Das Wort „Freiheit“, heute für die junge Europäerin eine Selbstverständlichkeit, schlägt die gleichaltrige Marokkanerin im Atlasgebirge eher im Lexikon nach, obwohl das neue Familienrecht, die Moudawana, die Frau dem Mann theoretisch gleichstellt – außer beim Erbrecht.

Und an anderer Stelle im selben Kapitel:

Das Schicksal der Marokkanerin war bis 2003 das Schicksal der Muslimin schlechthin: Scheinbar ohnmächtig trieb sie einer ungewissen Zukunft entgegen, umgeben von einer erzkonservativen Gesellschaft, der Umma, die Selbstverwirklichung nicht kannte und sie in eine archaische Rolle zwang – bis (der marokkanische König; Anmerkung PI) Mohammed VI., selbst mit einer modernen, gebildeten Frau verheiratet, das patriarchalische islamische Familienrecht reformierte und die Frauenrechte stärkte – zumindest auf dem Papier.

Völker und Gesellschaften, die seit vielen Jahrhunderten unter dem Joch des nicht modernisierbaren (nicht zu verwechseln mit „reformierbaren“) Islams leben, benötigen eben etwas mehr Zeit, um die Diktatur abzuschütteln und aus eigener Überzeugung Freiheiten für sich zu erkämpfen und dauerhaft zu etablieren – was immer ein Monarch auch beschließen mag. Er (der marokkanische König Mohammed VI.) hätte besser daran getan, den Islam aus seinem Land zu verbannen und die Schriftzüge zweier Wörter des „nationalen Erbes Frankreichs“ an den Rathäusern der Städte und Dörfer Marokkos anbringen zu lassen:

„Liberté, Égalité“

Ob er das jedoch überlebt hätte… ?

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