Geschrieben am 16. April 2012 von Redaktion abgelegt in der Kategorie Deutschland, Islam,
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Mehrheit fühlt sich durch Islam nicht bedroht

Nach einer Forsa-Umfrage für RTL sieht sich knapp jeder dritte Deutsche (31 Prozent) vom Islam bedroht. Dieser Gruppe steht eine breite Mehrheit von 63 Prozent gegenüber, die kein Gefühl einer islamischen Bedrohung empfinden.

Trotz Kritik aus Politik, Kirchen und muslimischen Verbänden haben die islamistischen Salafisten am Wochenende in deutschen Städten wieder Koran-Ausgaben verteilt – offenbar jedoch in weniger Orten als den rund 40 angekündigten. Die Verbreitung des Korans sei die Pflicht jedes Muslims, sagte der Initiator der Aktion, Ibrahim Abu Nagie. In der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ betonte er: „Christen, Juden kommen in die Hölle, wenn sie den Islam nicht annehmen.“ Muslime, die andere Religionen als gleichwertig bezeichneten, seien „Verräter“. Unterdessen fühlt sich eine Mehrheit der Deutschen vom Islam nicht bedroht. Politiker verlangten, das Thema Koran-Verteilung auf die Tagesordnung der Islamkonferenz am Donnerstag zu setzen.

Diese müsse die Koran-Aktion und die Drohungen von Salafisten gegen Journalisten scharf verurteilen, forderte der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach in der „Passauer Neuen Presse“. Er regte die Abschiebung von Hasspredigern an. Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Stefan Müller, nannte die Koran-Verteilung einen „unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit geführten Kampf gegen ’Ungläubige’“. Er äußerte sich in der „Bild am Sonntag“.

Nach einer Forsa-Umfrage für RTL sieht sich knapp jeder dritte Deutsche (31 Prozent) vom Islam bedroht. Dieser Gruppe steht eine breite Mehrheit von 63 Prozent gegenüber, die kein Gefühl einer islamischen Bedrohung empfinden.

Mit Blick auf die Salafisten rief der Grünen-Politiker Volker Beck Imame und muslimische Verbände auf, klar Stellung beziehen. „Dabei kommt es nicht so sehr auf Pressestatements an“, so Beck. Vielmehr müsse in den Moscheen erklärt werden, „dass die salafistische Verengung des Islam nicht die muslimische Sichtweise auf die Welt ist“. Gewalt dürfe kein Mittel von Politik oder Religion sein.

Der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, forderte ein schärferes Vorgehen gegen die Salafisten. „Ich bin der Meinung, dass eine stärkere Aufklärung über die wahren Absichten der Salafisten erforderlich ist“, so Ziercke der „Welt am Sonntag“. Der Anschlag am Frankfurter Flughafen im letzten Jahr habe gezeigt, dass der Salafismus zur Radikalisierung von Menschen beitragen könne.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, sagte in Berlin, die friedfertige Verteilung des Korans müsse in einer Demokratie toleriert werden. Das eigentliche Ziel der Salafisten, der gewaltsame Kampf gegen „Ungläubige“, sei nicht durch Meinungs- und Religionsfreiheit gedeckt.

In der vergangenen Woche hatten sich die christlich-islamische Begegnungs- und Dokumentationsstätte der Deutschen Bischofskonferenz (CIBEDO) und der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) kritisch zu der Salafisten-Aktion geäußert. ZMD-Vorsitzender Aiman Mazyek sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), der Koran sei das Wort Gottes und „kein PR-Flyer oder Flugblatt, den man als Massenware verteilt“. Im schlimmsten Fall werde er als Altpapier weggeworfen.

Der Koordinationsrat der Muslime nannte dagegen die Diskussion „etwas panisch“. Die Salafisten hätten in der islamischen Gemeinschaft keine große Bedeutung, sagte der Sprecher der Dachorganisation, Ali Kizilkaya, der „Berliner Zeitung“. Zugleich räumte er ein, die Salafisten seien eine „problematische Randgruppe“.

3 Comments

  1. pit

    16. April 2012 @ 09:52

    wer sich vom islam nicht bedroht fühlt,hat wohl noch nie sure 2,191 gelesen.

  2. Archi

    16. April 2012 @ 15:02

    “ „Christen, Juden kommen in die Hölle, wenn sie den Islam nicht annehmen.“ “

    Man stelle sich das mal anders herum vor -> Man sitzt so als Touri oder ähnliches in der Türkei oder anderen islamischen Ländern; verteilt munter die Bibel – mit dem gleichen Spruch…
    Das Problem der Deutschen ist Deutschland selber.
    Es geht hier nicht um Diskriminierung oder Rassenhass, sondern darum, wie es von anderen Staaten ausgelegt werden könnte. Man darf ja nichts mehr sagen, darum wird alles geduldet, statt Salafisten oder andere Extremleute gleich zu stoppen. Extremleute gibt es in allen Kulturen.

  3. Markus

    16. April 2012 @ 17:54

    die Mehrheit fühlte sich aber auch damals durch durch die Nazis nicht bedroht. Mehrheit hin oder her. Sowas heisst nie was. Markus

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