Mursi kritisiert die Führung im Iran

Mit einem Eklat hat in Teheran der Gipfel der Blockfreien-Gruppe begonnen. Deutliche Worte fanden auch Irans geistlicher Führer Chamenei und UN-Generalsekretär Ban. Erstmals seit mehr als drei Jahrzehnten besucht mit Mohammed Mursi wieder ein ägyptischer Präsident den Iran. Teheran hatte die diplomatischen Beziehungen zu Kairo 1979 wegen des ägyptischen Friedensvertrags mit Israel gekappt. „Syriens Revolution muss unterstützt werden“ Und gleich zum Auftakt gab Mursi die Richtung vor. In seiner Rede zur Eröffnung des 16. Gipfeltreffens der blockfreien Staaten ging der Präsident auf die Lage in Syrien ein. Er stellte sich ohne wenn und aber auf die Seite der Oppostion und brüskierte damit öffentlich die Gastgeber. Die Unterstützung der Revolution sei „eine moralische Plicht sowie eine politische und strategische Notwendigkeit“, betonte der Ägypter. Die syrische Führung, deren engster Verbündeter der schiitisch dominierte Iran ist, nannte Mursi ein Unterdrückerregime, das jede Legitimität verloren habe. Vehement redete Mursi den Gipfelteilnehmern ins Gewissen: „Das Blutvergießen in Syrien ist eine Last und eine Verantwortung, die wir auf unseren Schultern tragen. Wir müssen erkennen, dass es nicht enden wird, wenn wir nicht alle gemeinsam etwas dagegen unternehmen.“ Irans Delegation unter Außenminister Walid al-Muallim verfolgte die Rede Mursis, die von arabischen TV-Sendern übertragen wurde, mit versteinerten Gesichtern. Die syrische Abordnung verließ aus Protest den Saal und reiste kurz darauf aus Teheran ab, wie Ägyptens Nachrichtenagentur Mena berichtete. Irans geistlicher Führer Ayatollah Ali Chamenei kritisierte zum Auftakt in Anwesenheit von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mit deutlichen Worten den Weltsicherheitsrat in New York. Mit Blick auf die verhängten Sanktionen gegen den Iran wegen dessen Atomprogramm warf Chamenei dem höchsten Gremium der Vereinten Nationen vor, eine „irrationale, ungerechte und vollkommen antidemokratische Struktur“ zu haben. Zugleich versicherte er, der Iran werde „niemals nach einer Atomwaffe streben“. Dies wirft der Westen dem Land vor. Teheran erhofft sich von dem zweitägigen Treffen Unterstützung wegen seines umstrittenen Atomprogramms, das laut offizieller Darstellung zur Energieversorgung gebraucht wird. Bei dem Gipfel übernimmt der Iran von Ägypten für drei Jahre den rotierenden Vorsitz der 1955 während des Kalten Kriegs gegründeten Blockfreien-Gruppe. Ihr gehören etwa 120 Länder an -vorwiegend aus Asien, Afrika und Lateinamerika. 30 Staats- und Regierungschefs sind angereist. Ban fordert Menschenrechte ein Im Vorfel der Gipfelberatungen hatte der UN-Generalsekretär am Mittwoch in Teheran die Menschenrechtslage im Iran kritisiert. Ban forderte die Regierung auf, die Grundrechte der Bürger im Iran zu achten und mit den Vereinten Nationen zusammenzuarbeiten. In einer anschließenden Pressekonferenz mit dem iranischen Parlamentspräsidenten Ali Laridschani zeigte sich dieser irritiert über die deutlichen Worte Bans. Der UN-Generalsekretär verurteilte außerdem in Gesprächen mit Staatschef Mahmud Ahmadinedschad und Chamenei die jüngsten Israel-feindlichen Äußerungen der beiden Politiker. Diese seien „inakzeptabel, beleidigend und aufrührerisch“. Die beiden Iraner hatten kürzlich Israel ein weiteres Mal als „Krebsgeschwür“ bezeichnet, das aus der Nahost-Region verschwinden müsse.

2 Gedanken zu „Mursi kritisiert die Führung im Iran

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *