Nachrichten vom Krieg gegen Libyen, 28.09.2011

Am gestrigen Mittwoch gab es in den Massenmedien ausgesprochen wenig Nachrichten vom Krieg gegen Libyen. Das ist eigentlich ein gutes Zeichen. Keine Nachrichten deuten erstmal darauf hin, dass es keine Massaker gab, die so schlimm waren, dass die Massenmedien sie ignorieren könnten.

Eine andere Möglichkeit ist, dass es für die NATO im Krieg gegen Libyen nicht gut läuft, und Niederlagen er NATO und er mit der NATO verbündeten Kräfte der Öffentlichkeit vorenthalten werden sollen. Einige Nachrichten gab es nämlich doch, und sie deuten darauf hin, dass im Krieg gegen Libyen auch am gestrigen Mittwoch wieder viele Menschen gestorben sind.

Da gibt es zunächst einmal den täglichen Bericht der NATO über ihre Bombenangriffe in Libyen. Im gestrigen Bericht rühmt sich die NATO, vorgestern 35 Bombenangrife gegen Libyen geflogen zu haben. Zu dem was genau sie vorgestern in Libyen bombardiert haben will, erwähnt die NATO lediglich eine „Munnitions- oder Fahrzeugaufbewahrungseinrichtung in Sirte“, womit im Zweifelsfall wohl auch ein Parkhaus gemeint sein kann. Wie viele Menschen gestern und vorgestern durch die Bombardierung der NATO in Libyen starben, ist nicht bekannt.

Bekannt ist hingegen, dass durch eine Bombardierung durch eine US-amerikanische Drohne in Pakistan am Dienstag mindestens drei Menschen starben. Aus Somilia, wo die USA auch regelmäßig Menschen durch von Drohnen verübte Terrorangriffe umbringen, wurde hingegen bekannt, dass eine US-Drohne abgestürzt ist. Bei der auffälligen Häufung der Abstürze von US-Terrordrohnen in jüngster Zeit ist allerdings noch unklar, ob das etwas damit zu tun hat, dass aus libyschen Waffenlagern etwa 20.000 Flugabwehrraketen verschwunden sein sollen.

Ansonsten wurde die Propaganda zum Krieg gegen Libyen gestern von der vom staatlichen US-Propagandasender VoA verbreiteten Behauptung dominiert, dass der libysche Revoltionsführer Muammar Gaddafi sich unter dem Schutz des Stammes der Tuareg in der südwestlibyschen Stadt Ghadames aufhalten solle. Dieser Zungenschlag der westlichen Kriegspropaganda ist gleich in mehrfacher Hinsicht äußerst aufschlussreich.

Zum Einen hat das Schweizer Propaganda-Outlet NZZ erst am vorgestrigen Dienstag die Behauptung verbreitet, die Tuareg hätten sich von Muammar Gaddafi abgewendet und ein Kooperationsabkommen mit dem NATO-Marionettenrat TNC geschlossen. Nur einen Tag später stellt die westliche Propaganda nun die Behauptung auf, der von TNC und NATO als wichtisgter Kriegsgegner betrachtete libysche Revolutionsführer Muammar Gaddafi lebe unter dem Schutz der Tuareg. Leser beider Meldungen dürfen so selbst entscheiden, mit welcher der Meldungen der Propaganda sie belogen wurden, oder, wenn sie der westlichen Propaganda gegenüber misstrauisch sind, auch den Schluss ziehen, dass vermutlich beide Meldungen der westlichen Propaganda faktenfrei erfunden sind.

Zum Zweiten erkärten das französische Propaganda-Outlet AFP und zahlreiche sich durch ein ähnliches Verhältnis zur Wahrheit auszeichnende Einrichtungen der westlichen Welt noch am letzten Sonntag, dass die Stadt Ghadames von mit der NATO verbündeten Käften des TNC beherrscht werde. Es habe am Samstag in Ghadames einen Angriff von Kräften gegeben, die loyal zu Muammar Gaddafi seien, hieß es da, und dabei seien acht TNC-Kräfte getötet und 50 weitere verwundet worden, doch der Angriff sei zurückgeschlagen worden, behauptete die westliche Propaganda da. Möchte man der westlichen Propaganda glauben, so muss man nun wohl annehmen, dass Muammar Gaddafi sich, beschützt von Tuaregs, die mit dem NATO-TNC verbündet sind, in der vom NATO-TNC beherrschten Stadt Ghadames aufhält und dort sein Leben genießt.

Glaubt man der westlichen Propaganda nicht, so könnte man aus diesen zutiefst widersprüchlichen Nachrichten hingegen schließen, dass die Meldungen der Propaganda, in denen behauptet wird, TNC-Kräfte kontrollieren die Stadt Ghadames, gelogen sind, genauso wie Meldungen, dass die Tuareg sich von Muammar Gaddafi abgewandt haben. Und nach der Erkenntnis, dass diese Behauptungen offenbar routiniert gelogen sind, gibt es kaum einen Grund, zu glauben, dass irgendwelche anderen Behauptungen der westlichen Propaganda wahr sind, wie zum Beispiel die Behauptung, dass TNC-Käfte inzwischen weite Teile des Südens von Libyen kontrollieren, oder dass Muammar Gaddafi sich vermutlich in der Stadt Ghadames aufhalte. Das bedeutet nicht das Gegenteil, aber die widersprüchlichen Behauptungen der westlichen Propaganda tragen, abgesehen vom Beweis dafür, dass die westliche Propaganda hemmungslos und gewohnheitsmäßig dreistete Lügen verbreitet, nicht zur Wahrheitsfindung bei.

Auch dazu, wie es für die Angriffskrieger der NATO in der südlibyschen Stadt Sabha und den umliegenden Ortschaften läuft, kann man derzeit ehrlicherweise nur spekulieren. Selbst wer Personen in der Gegend kennt und mit ihnen telefonieren kann, kann nur sagen, was diese Personen an dem jeweiligen Punkt, wo sie sich befinden, sehen können. Die Vertreter des NATO-TNC behaupten einerseits, sie hätten die Wüstengegend erobert, und andererseits, sie hätten keine Kontrolle über die Wüstengegend, weil sie nicht genug Leute haben. Die Gegner der NATO behaupten hingegen, sie hätten die Gegend nach wie vor unter Kontrolle. Kräfte des TNC seien gekommen, weit in das Gebiet eingedrungen, dann jedoch besiegt, worauf sich die TNC-Kräfte zurückziehen mussten. Wenn selbst der Propagandist des CIA-nahen US-Senders CNN auf der Rückfahrt von Sabha publiziert, aus dem Norden kommende Whiskey-saufende und bekiffte Jugendliche mit Maschinengewehren und schweren Waffen hätten sich dort als Vertreter der TNC-NATO-Regierung vorgestellt, mag sich allerdings jeder selbst Gedanken darüber machen, welch bleibenden Eindruck die NATO-TNC-Kräfte da hinterlassen haben.

Aus Tripolis berichten die NATO-Gegner, dass die NATO-TNC-Kräfte dort effektiv nur noch das Stadtzentrum beherrschen, und Checkpoints und Vorstädte aufgegeben hätten, weil ihnen da das Risiko zu groß sei, dass sie aus dem Hinterhalt erschossen werden. In einer chinesischen Meldung, die von NATO-Propaganda-Outlets unterschlagen wurde, heißt es, der TNC-Militärsprecher von Tripolis, Ahmed Bani, habe die nicht aus Tripolis stammenden TNC-Kräfte in Tripolis aufgefordert, sich an den Stadtrand von Tripolis zu begeben und Tripolis dort gegen Invasoren zu verteidigen. Wie die Lage in Tripolis insgesamt aussieht, bleibt der Phantasie der Leser überlassen.

Überhaupt nicht so, wie die NATO sich das vorgestellt hat, scheinen auch die Feldzüge zur Eroberung der Städte Bani Walid und Sirte zu verlaufen. Nachdem am Samstag berichtet wurde, dass 30 der von der NATO kommandierten TNC-Kämpfer, die nach Bani Walid ausgerückt sind, weil sie scharf darauf sind, dort ein paar Anhänger von Muammar Gadafi umzubringen, ums Leben gekommen sind, berichtete die westliche Propaganda am gestrigen Mittwoch davon, dass weitere elf dieser TNC-Kämpfer bei Angriffen auf die Bevölkerung von Bani Walid ums Leben gekommen sind, darunter auch der oberste Kommandeur, Daou al-Salhine al-Jadak, gewesen sei und die mordlüsternen TNC-Kumpane sich nun über fehlende Munition und Personalstärke beklagen sowie nach mehr NATO-Bomben verlangen.

Aus der Gegend von Sirte waren auch am Mittwoch wieder Berichte über Kämpfe zu lesen. Das ein oder andere Foto eines dort gestern gestorbenen TNC-Kämpfers bestätigt, dass die Kämpfe auch dort tödlich waren. Die NATO-TNC-Kräfte behaupten dazu, sie hätten den Hafen und den Flughafen erobert. Die Gegner der NATO behaupten, sie hätte ihre Stadt verteidigt, die Front der von Westen kommenden NATO-TNC-Angreifer aus Misrata sei bereits nach der Ausschaltung des wegen seines gegen Schwarze gerichteten Rassismus berüchtigte TNC-Kommandeurs Ibrahim Halbous zusammengebrochen, und den von Osten anrückenden TNC-Kräften passiere gerade das gleiche. Unterstützt wird diese Sichtweise dadurch, dass die von Osten auf Sirte vorückenden TNC-Kräfte Sirte erst einige Tage später als die von Westen vorgerückten TNC-Kräft angriffen haben, aber dann offenbar kaum noch Unterstützung von Kämpfern aus dem Westen bekommen haben.

Militärisch wäre ein gleichzeitiger Angriff von Westen und Osten wesentlich effektiver als nacheinander erfolgende Angriffe von Westen und Osten. Dass nach den von Westen erfolgenden Angriffen letztes Wochenende nun größere Angriffe von Westen ausgeblieben sind, während Sirte von Osten angriffen wird, deutet darauf hin, dass die TNC-Kräfte, die Sirte von Westen aus angreifen, nun zu schwach für einen Angriff sind. Weitgehend aufgegeben hat die westliche Kriegspropaganda in Bezug auf Sirte inzwischen die Lüge, dass von der NATO in Libyen die Zivilbevölkerung geschützt werde. In einer staatstragenden im NATO-Staat Kanada erscheinenden Publikation wurden NATO-TNC-Kräfte, die über einen Raketenwerfer verfügen, dahingehend zitiert, ihnen sei es bewusst, dass sie gegen Zivilisten kämpfen, aber die Einwohner von Sirte hätten es sich ausgesucht, zu sterben.

Ansonsten hat es gestern eine bemerkenswerte Änderung in der westlichen Propaganda gegeben. Das US-amerikanische Propaganda-Outlet McClutchy veröffentllichte gerade einen Bericht über einen gerade abgeschlossene einmonatige Libyen-Reise eines ihrer Propagandisten, in dem deutlich Skeptizismus zu lesen ist und Parallelen zum Beginn des Guerilla-Krieges im Irak gezogen werden, nachdem Bagdad von US-Soldaten erobert wurde.

Sollte diese Tendenz der westlichen Propaganda zu nachdenklicheren Tönen anhalten, so könnte das darauf hindeuten, dass die blutrünstigen Herrscher der westlichen Welt diesen Krieg Leid sind und bald nach Auswegen aus dem Desaster des von ihnen mutwillig begonnen Angriffskrieges gegen Libyen suchen werden.

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