Nato fürchtet russischen Einmarsch

Die Nato beschuldigte die Regierung in Moskau am Mittwoch, die Krise durch den Aufmarsch von rund 20.000 kampfbereiten Soldaten im Grenzgebiet weiter eskalieren zu lassen. Man teile die Sorge, dass Russland unter dem Vorwand eines humanitären oder friedenssichernden Einsatzes Truppen in das Nachbarland entsenden könnte, sagte eine Sprecherin des Militärbündnisses. Auch Polens Ministerpräsident Donald Tusk warnte vor einer Invasion Russlands in der Ostukraine. Die Bundesregierung forderte von der Regierung in Moskau, alles zu unterlassen, was zu einer weiteren Eskalation beitrage. Bei Kämpfen gegen die prorussischen Separatisten in der Region wurden nach Angaben der ukrainischen Armee 18 Soldaten getötet.

Nach Angaben eines hochrangigen Nato-Militärangehörigen hat Russland seit Anfang des Monats im Grenzgebiet zur Ukraine Panzer, Infanterie, Artillerie, Luftabwehrsysteme sowie Truppen zur logistischen Unterstützung zusammengezogen. Auch Spezialkräfte und verschiedene Einheiten der Luftwaffe seien vor Ort. Die Nato-Sprecherin gab Russland die Schuld an einer Verschlechterung der humanitären Lage in der Ostukraine: „Russland lässt den Zustrom von Waffen und Kämpfern über die Grenze zu. Der Konflikt wird durch Russland angeheizt.“ Die Regierung in Moskau bestreitet das.

Am Morgen sagte Polens Ministerpräsident Donald Tusk, in den vergangenen Stunden habe er Informationen erhalten, dass die Gefahr einer direkten Intervention Russlands in der Ukraine stark gestiegen sei. Schon am Dienstagabend hatte sein Außenminister Radoslaw Sikorski in deutlichen Worten gewarnt: Die russische Armee habe ihre Gefechtsbereitschaft in der Grenzregion zur Ukraine wiederhergestellt, dort stünden mehrere Bataillone bereit. Diese sollten „nur Druck ausüben. Oder einmarschieren“.

FURCHT BEI BÖRSIANERN UND ÖKONOMEN

Unterdessen rückte im Osten der Ukraine die Armee nach eigenen Angaben weiter gegen die Stellungen der Separatisten vor. Dabei seien bis Mittwochmorgen 18 ukrainische Soldaten getötet und 54 verwundet worden. Ein Armeesprecher in Kiew widersprach der Darstellung, dass die Luftwaffe in der Nacht zum Mittwoch Angriffe auf die von Separatisten kontrollierte Stadt Donezk geflogen habe. Das einzige ukrainische Flugzeug in der Nähe der Millionenstadt sei für die Kommunikation mit den eigenen Bodentruppen zuständig gewesen. „Das ukrainische Militär bombardiert weder Donezk oder Luhansk noch andere dicht besiedelte Orte“, sagte der Sprecher. Bewohner von Donezk hatten berichtet, dass die ukrainische Luftwaffe bei ihren Angriffen Raketen abgefeuert habe.

Wegen der Furcht der Anleger vor einer Eskalation der Ukraine-Krise fiel der deutsche Leitindex Dax um 1,7 Prozent auf den tiefsten Stand seit fünf Monaten. Der EuroStoxx50 gab ähnlich stark nach. An den russischen Börsen sorgten sich die Anleger zudem um einen möglichen Wirtschaftskrieg Russlands gegen den Westen. Die Leitindizes der Moskauer Börse notierten auf den niedrigsten Ständen seit Anfang Mai. Die russische Währung Rubel fiel sogar auf ein Viereinhalb-Monats-Tief.

Am Vortag hatte der russische Präsident Wladimir Putin seine Regierung angewiesen, Vergeltungsmaßnahmen für die jüngsten westlichen Wirtschaftssanktionen gegen sein Land vorzubereiten. In der Euro-Zone verschlechterte sich nach Berechnungen des Ifo-Instituts erstmals seit Ende 2012 das Wirtschaftsklima. Die von Ifo befragten Ökonomen befürchten in den kommenden sechs Monaten steigende Energiepreise und Einschränkungen beim Export durch den Ukraine-Konflikt.

 

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