Geschrieben am 10. September 2012 von Redaktion abgelegt in der Kategorie Iran, Israel,
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Nervenkrieg in Israel. Krieg gegen den Iran Ja oder Nein

Israels Generalstab ist dagegen, der Mossad auch. Der Oppositionschef warnt vor den »dramatischen Folgen« eines Angriffs auf den Iran, und inzwischen mahnt sogar der israelische Staatspräsident Schimon Peres, wie der deutsche der Politikferne verpflichtet, dass »wir das nicht allein machen können«. Ein Ex-Geheimdienstchef spricht von »vorsätzlich geschürter Hysterie«, wo »jemand ein Feuer legt und dann nach der Feuerwehr schreit«. In Israel weiß jeder, wer gemeint ist: Regierungschef Benjamin Netanjahu und Verteidigungschef Ehud Barak, die immer lauter die Krieg-in-Sicht-Trommel rühren. Alle Jahre wieder, am liebsten im Sommer, obwohl der Lärm nicht gerade touristenfreundlich ist. Diesmal streut »Bibi«, wie einfach die Sache doch wäre. Israel müsse nicht alle Anlagen plattmachen; es genüge schon, »Zeit zu gewinnen« und so dem »Unvorhergesehenen« eine Chance zu bieten. Das ist zwar ein paar Nummern kleiner als »Vorsehung«, aber so redet ein Feldherr nicht und schon gar kein israelischer. Vom Sues- bis zum Sinai-Krieg, vom Bombardement des irakischen Reaktors 1981 bis zur »Operation Obstgarten« gegen den syrischen Reaktor 2007 hat Israel stets den Überraschungsschlag gewählt. Warum also agitiert Netanjahu den US-Verteidigungsminister Panetta, die »Uhr für eine friedliche Lösung« laufe ab? Aus den alten Gründen – um den internationalen Druck auf den Iran zu verstärken, um die Chameneiisten mit der »Rationalität der Irrationalität«, wie es im Strategie-Jargon heißt, zu schrecken. Der Psychokrieg löst aber das Urproblem nicht. Israel kann allein nicht, Amerika will (noch) nicht – und schon gar nicht im Wahlkampf. Überdies hat Obama gerade Dringlicheres auf der Liste: die Chemiewaffen des Diktators von Damaskus. Deren Einsatz überschritte Amerikas »rote Linie«. Auch wenn sie in die »falschen Hände« gerieten (gemeint sind die Dschihadisten aufseiten der Opposition), müsste Amerika eingreifen.

Es rechnet sich nicht – das ist das realpolitische Fazit

Für einen Alleingang Israels gilt ein doppeltes Nein: Es kann und sollte ihn nicht wagen. Das bekunden nicht nur die Militärs, die Dienste und die Opposition. Auch die Mehrheit des Volkes will das Soloabenteuer nicht. Die israelische Luftwaffe, größer als die deutsche oder französische, hat zwar einen langen Arm, aber er ist nicht lang genug, um den 3000-Kilometer-Roundtrip zu schaffen. Für mehr als einmal hin und zurück reicht die Handvoll Tanker nicht, aber der moderne Luftkrieg – siehe Serbien, siehe Libyen – erfordert Wochen. Zudem fehlen die schweren »Bunkerbrecher« (nur Amerika hat sie), welche die wichtigsten, massiv gehärteten Ziele knacken könnten. Die Ausbeute bliebe also mager; rechnet man die Risiken dagegen, käme im schlimmsten Fall eine dezidiert negative Bilanz heraus. Hier nur einige Gefahren: Der Angriff würde im Iran Volk und Regime zusammenschweißen, ade, Regimewechsel. In den sunnitischen Hauptstädten würden die Israelis zwar heimlichen Applaus ernten, aber die arabische Straße würde wie ein Mann gegen den »zionistischen Imperialismus« aufstehen – kein guter Ausblick für den Arabischen Frühling. Die Attacke könnte die Sanktionen zu Fall bringen, womöglich auch das Überleben Assads sichern. Im Norden Israels könnte Hisbollah eine zweite Front mit zigtausend Raketen eröffnen, im Süden Hamas eine dritte. Der Iran könnte die Ölader durch die Straße von Hormus abschnüren. Und Amerika wäre nicht bloß düpiert: Der Alleingang könnte die USA in einen aufgezwungenen Krieg ziehen –ein Desaster für das Verhältnis zum besten Verbündeten Israels. Es rechnet sich nicht; das ist das realpolitische Fazit. Gewiss unterschätzt niemand die Gefahr einer iranischen Bombe. Die Israelis können sich nicht auf die kalte Logik der atomaren Abschreckung verlassen, nicht wenn die Chameiniisten tagtäglich den Völkermord predigen. Dem Rest der Region blüht ein fürchterliches Dilemma: Unterwerfung oder Gegen-Aufrüstung. Die atomare Abschreckung hat zwar im Duell USA/UdSSR die Katastrophe verhindert, aber wir haben keinen blassen Schimmer davon, wie das »Gleichgewicht des Schreckens« zu fünft funktionieren würde: Jerusalem, Kairo, Damaskus, Bagdad, Riad. Trotzdem sollten wir uns nicht vom Kriegslärm der beiden Bs beirren lassen. Es greifen seit dem 1. Juli Sanktionen von bislang unvorstellbarer Schärfe. Teheran ist isoliert. Die »Grüne Revolution« schwelt weiter. Der Weg von der Anreicherung bis zur Atomwaffe ist bedeutend länger als der bis zur (angeblichen) Blaupause im Google-Universum. Das iranische Regime, das eine Gesprächsrunde nach der anderen blockiert, spielt scheinbar unbekümmert auf Zeit. Die hat freundlicherweise auch Amerika, dessen Präsidenten von Bush bis Obama sich auf »unannehmbar« festgelegt, aber Druck, Diplomatie und Cyber-Sabotage noch nicht ausgeschöpft haben. Wann kommt es zum Schwur? Wenn Chamenei den Baubefehl gibt. Das Getöse in Israel wird den Religionsführer nicht davon abhalten. Doch die Bomberflotten und Flugzeugträger der USA sprechen eine andere Sprache. Israels schlimmster Feind, die Distanz, spielt keine Rolle für eine Macht, deren B-52 in Missouri aufsteigen. Amerika kann, was Israel nicht kann, zum Beispiel iranische Gegenschläge im Vorhinein ersticken und Hormus frei halten. Das Regime ist gefährlich, nicht wahnsinnig.

1 Kommentar

  1. yunus

    14. September 2012 @ 12:53

    die juden können nur gross labern sollen die doch krieg machen mal sehen wer den kürzeren zieht. iran wird dann sicherlich von den usa zugebombt aber bis dahin hat der iran sicherlich israel ausgerottet

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