Geschrieben am 15. April 2012 von Redaktion abgelegt in der Kategorie Pakistan,
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Pakistan: Islamisten befreien 400 Häftlinge aus Gefängnis

Erneute Blamage für die Sicherheitskräfte: Militante konnten Haftanstalt mühelos „knacken“. Die Taliban bekannten sich kurz nach dem Überfall zu der Befreiungsaktion.

Die Angreifer kamen im Schutz der Dunkelheit: In der Nacht auf Sonntag attackierte eine Gruppe von pakistanischen Taliban-Kämpfern ein Gefängnis in der Stadt Bannu mit Kalaschnikow-Gewehren und Raketenwerfern. Das Ziel war gut gewählt, denn in der Haftanstalt saßen viele Gesinnungsgenossen ein. Auf spektakuläre Weise gelang den Angreifern die Befreiung von 400 Häftlingen, der prominenteste von ihnen saß wegen eines Attentatsversuchs auf den früheren Militärmachthaber und Staatschef Pervez Musharraf ein.

„Die genaue Zeit kann ich nicht sagen, aber es muss weit nach Mitternacht gewesen sein“, berichtete ein anderer Gefangener, der in der Haftanstalt verblieben war, der Nachrichtenagentur Reuters telefonisch: „Es gab einige Explosionen, Deckenelemente fielen auf uns herunter, dann waren Schüsse zu hören. Wir hatten keine Ahnung, was da vor sich ging.“

Die Taliban bekannten sich nur kurz nach dem Überfall zu der Befreiungsaktion: „Wir haben mehrere hundert unserer Kameraden befreit“, hieß es in einer Botschaft der Extremisten. Offizielle Stellen ließen zunächst allerdings verlauten, nur einige Dutzend der Geflohenen seien Taliban.

Gab es Kollaborateure?

Der Vorfall wirft Fragen auf: Vor allem wird zu klären sein, warum es für die Taliban offenbar ein Kinderspiel war, ein Gefängnis zu überfallen, in dem zahlreiche äußerst gefährliche Militante inhaftiert waren. Wie bei früheren aufsehenerregenden Aktionen der Extremisten dürfte bald die Vermutung auftauchen, die Taliban hätten in den Reihen der Sicherheitskräfte zumindest Mitwisser gehabt.

Dass es vor allem zwischen dem pakistanischen Geheimdienst ISI (Inter-Serives Intelligence) und den Taliban eine florierende Zusammenarbeit gibt, zu diesem Schluss sind auch Berichte von US-Diensten gekommen. Washington hat Pakistan denn auch immer wieder vorgeworfen, nicht genug gegen die militanten Islamisten zu unternehmen.

Zweifelhafte Absichten Pakistans

Islamabads Absichten standen speziell auf dem Prüfstand, nachdem ein US-Spezialkommando im Mai vergangenen Jahres al-Qaida-Führer Osama bin Laden in Pakistan aufgespürt und getötet hatte. Bin Laden hatte sich offenbar jahrelang in der Garnisonsstadt Abbottabad versteckt. Dass dies ohne Wissen des ISI geschehen sein kann, ist sehr zweifelhaft. Immer wieder gelang es den Taliban auch, an sich gut geschützte militärische Einrichtungen zu überfallen, sogar das Armeehauptquartier in Rawalpindi.

Da die USA ihrem problematischen Verbündeten Pakistan misstrauen, greifen sie selbst regelmäßig von Afghanistan aus mit Drohnen mutmaßliche Verstecke von Taliban an. Dabei sterben regelmäßig auch Zivilisten, was die ohnehin derzeit problematischen Beziehungen von Islamabad und Washington zusätzlich belastet und auch die US-Nachschubrouten für Afghanistan gefährdet.

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