Geschrieben am 27. Mai 2011 von Redaktion abgelegt in der Kategorie Deutschland, Türkei,
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„Papa hat der Oma ein Messer reingesteckt“

Ein gebürtiger Türke soll seine Ex-Frau und seine Schwiegermutter mit einem Messer verletzt, bzw. getötet haben. Die Kinder mussten die Tat mitansehen und vor Gericht schildern.

Im Prozess um eine Messerattacke auf die Ex-Frau und Schwiegermutter eines gebürtigen Türken wurden am zweiten Verhandlungstag die Aussagen der beiden minderjährigen Kinder (sieben und acht) sowie der Frau per Video gezeigt. Der Angeklagte muss sich seit Dienstag wegen Mordes- und Mordversuchs vor Gericht verantworten.

„Unser Leben ist zerstört“, sagte die Ex-Frau des 32-jährigen Angeklagten. Sie ist bei der Attacke im August 2010 schwer verletzt worden und überlebte nur knapp. Ihre Mutter ist beim Versuch, sie zu verteidigen, ebenfalls schwer verletzt worden und 43 Tage später an ihren Verletzungen gestorben.

Frau mit Messer durchbohrt

Als ihr Ex-Mann die Kinder heimbrachte, zog er nach einem kurzen Wortwechsel ein Messer und stieß die 16 Zentimeter lange Klinge derart wuchtig in den Bauch seines Opfers gestoßen, dass nicht nur Leber- und Lungenlappen sowie Zwerchfell durchbohrt wurden, sondern die Spitze am Rücken der zierlichen Frau wieder zum Vorschein kam. Zudem wurde sie durch eine Abwehrbewegung schwer an der rechten Hand verletzt. Bis heute leidet die mittlerweile 29-Jährige an Schmerzen und Beeinträchtigungen sowie psychischen Folgen.

Nach Darstellung der Frau hatte ihr Mann selbst die Scheidung verlangt. „Er hatte einen guten Job, konnte genug Deutsch und hatte ein eigenes Visum“, so das in Österreich aufgewachsene Opfer. Als er jedoch sein ganzes Geld verspielt hatte, wäre er bereit gewesen, die Ehe wieder aufzunehmen, woran aber sie kein Interesse mehr hatte.

„Dann hat Papa der Oma ein Messer reingesteckt“

Die Achtjährige schilderte auf einer Videoaufnahme schluchzend den Angriff ihres Vaters auf ihre Mutter und Großmutter. Der Angeklagte zeigte dabei keine sichtbaren Emotionen. „Der Papa hat gesagt, er werde etwas ganz Schreckliches tun: Die Mama töten und dann sich“, erzählte die Kleine. Doch was das Mädchen daraufhin mit seiner Mutter am Telefon gesprochen hat, daran konnte oder wollte sich das Kind nicht mehr erinnern. Dass der Vater es dann bis zur Wohnungstür gebracht hatte, obwohl ihm das aufgrund des Betretungsverbots nicht erlaubt war, habe es erschreckt.

„Ich habe gesehen, dass der Papa ein Messer hat, Mama wollte noch die Türe zumachen und Oma hat gerufen ‚lauf weg, lauf weg‘ und dann hat der Papa der Oma ein Messer reingesteckt und damit herumgewackelt“, schluchzte die Kleine. In ihrem verzweifelten Bemühen, Hilfe zu holen, lief sie in den nächsten Stock, doch die Nachbarn waren nicht zu Hause. Auch eine Tante, die sie mit dem eigenen Handy anrufen wollte, hob nicht ab. Schließlich lief sie in die Einfahrt zu ihrer Mutter und dann wieder in die Wohnung zur schwer verwundeten Großmutter.

Der Bruder hatte zwar auch die „Rauferei“ zwischen den Eltern gesehen, war aber die ganze Zeit in der Wohnung geblieben. Traumatisch war für ihn wohl die Erstversorgung der Großmutter durch die Rettung. Bis er mit seiner Schwester in ein anderes Zimmer geschickt wurde, konnte er deren Wunde genau sehen und bei seiner Videoaussage entsprechend beschreiben.

Der Prozess wird laut Richter Norbert Gerstberger am kommenden Montagnachmittag mit den Plädoyers fortgesetzt. Für diesen Tag ist auch das Urteil zu erwarten.


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