Geschrieben am 3. Juli 2011 von Redaktion abgelegt in der Kategorie Griechenland, Israel,
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Schützenhilfe für Israel: Athen stoppt Gaza-Flotte

Die Szene erscheint vertraut: Schwerbewaffnete Soldaten richten ihre Gewehre auf pro-palästinensische Aktivisten, die mit ihrem Schiff nach Gaza unterwegs sind. Doch diesmal waren es keine israelischen, sondern griechische Soldaten, die die Gaza-Flotte stoppten und zum Umkehren zwangen.

Bei der griechischen Küstenwaffe stießen die inständigen Rufe der pro-palästinensischen US-Aktivisten auf taube Ohren. «Wir sind unbewaffnete Zivilisten», rief eine Frau auf dem US-Hilfsschiff «Audacity of Hope» über Lautsprecher. «Wir wollen doch nur nach Gaza fahren.» Doch die Küstenwache blieb unerbittlich. Die «Audacity of Hope» musste in den Hafen von Piräus zurückkehren und der Kapitän wurde festgenommen.

Adam Shapiro, Sprecher von Free Gaza, sagte am Sonntag: «Wir sind schockiert und überrascht darüber, wie weit die griechischen Behörden bereit sind, die Verlegung der Gaza-Blockade in griechische Gerichte und Gewässer zu akzeptieren.» Er sprach von einem «nie dagewesenen Schritt der griechischen Regierung».

Der Wind hat sich ganz offensichtlich gedreht: Israel hat im Kampf gegen die neue Gaza-Hilfsflotte überraschend internationale Schützenhilfe erhalten. Auch das sogenannte Nahost-Quartett, dem neben den Vereinten Nationen und der Europäischen Union auch Russland und die USA angehören, stellte sich am Samstag eindeutig gegen die neue Gaza-Protestaktion.

Vor gut einem Jahr konnte die internationale Solidaritätsflotte mit ihrer Reise nach Gaza einen noch großen PR-Erfolg erzielen. Israel stand nach der blutigen Erstürmung der türkischen «Mavi Marmara» mit neun Toten international am Pranger. Doch in diesem Jahr kommt die Aktion nicht so richtig in Fahrt. Mehr als 300 Aktivisten, die in verschiedenen Mittelmeerhäfen auf die Abreise warten, haben mit immer neuen bürokratischen Schwierigkeiten und angeblich auch israelischer Sabotage an den Schiffen zu kämpfen. Der Rückzieher der türkisch-islamischen Hilfsorganisation IHH hatte der seit langem geplanten Aktion ohnehin etwas den Wind aus den Segeln genommen.

Doch auch der Rückenwind der internationalen Unterstützung bläst nicht mehr so stark. Das mag damit zusammenhängen, dass durch die Öffnung der ägyptischen Grenze nach dem Sturz Husni Mubaraks die Blockade des Gazastreifens weiter aufgeweicht wurde. Die Notwendigkeit, die Seeblockade zu durchbrechen, erscheint nicht mehr so dringend. Das Nahost-Quartett hielt die Aktivisten so auch dazu an, Hilfsgüter bitte über den Landweg und die «erprobten Kanäle» nach Gaza zu schicken.

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak sagte am Sonntag, der griechische Einsatz habe der Gaza-Flotte erst einmal «den Stachel genommen». Barak bestätigte, dass Israel seit Wochen mit Griechenland, Zypern, der Türkei und anderen Staaten in intensivem Kontakt steht, um die Flotte aufzuhalten. Israelische Diplomaten sollen griechische Amtskollegen eindringlich gewarnt haben, dass Athen angesichts der schweren Finanzkrise auf keinen Fall einen neuen blutigen Zwischenfall im Mittelmeer riskieren dürfe.

Griechenlang unterhielt zwar traditionell gute Beziehungen zu den arabischen Staaten und den Palästinensern. Doch 2008 kam es zur Wende und zu einer Annäherung an Israel. Israel suchte angesichts der zunehmenden Abkühlung der Beziehungen mit dem türkischen Bündnispartner einen neuen Verbündeten in der Region und fand ihn in Athen. Griechenland erlaubte der israelischen Luftwaffe wichtige Übungsflüge auf seinem Gebiet. Seitdem haben beide Staaten auch weitreichende Kooperationsverträge abgeschlossen.

Die griechische Unterstützung gewährt Israel eine Art neue Pufferzone im Mittelmeer. Der Sprecher von Free Gaza sagte am Sonntag, man sei daher gegenwärtig gezwungen, die Konfrontation nach Griechenland zu verlegen. Dennoch wollen die Aktivisten nicht aufgeben. «Unsere Schiffe werden nach Gaza segeln», sagte Shapiro. «Es ist noch nicht vorbei.»

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