Geschrieben am 18. Juli 2012 von Redaktion abgelegt in der Kategorie Globale Nachrichten,
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Staatsanwaltschaft nimmt Laszlo Csatary in Budapest fest

Der mutmaßliche Nazi-Kriegsverbrecher ging den Behörden in Ungarns Hauptstadt ins Netz. Forschungszentrum gab Hinweise.

Der seit Jahrzehnten untergetauchte mutmaßliche Nazi-Kriegsverbrecher Laszlo Csatary ist in Ungarn verhaftet worden. Er sei wegen des Vorwurfs der Kriegsverbrechen angeklagt worden, teilte die Staatsanwaltschaft in Budapest am Mittwoch mit.

Der 97-Jährige wird verdächtigt, während des zweiten Weltkriegs an der Ermordung von 16.000 ungarischen Juden mitgewirkt zu haben. Das Jerusalemer Simon-Wiesenthal-Zentrum hatte Csatary kürzlich in Budpaest aufgespürt und der Staatsanwaltschaft Hinweise auf seinen Aufenthaltsort gegeben. Am Wochenende war dann durch Berichte der britischen Zeitung „Sun“ auch der Öffentlichkeit bekanntgeworden, dass Csatary bereits seit Jahren in der ungarischen Hauptstadt lebt.

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Nach Angaben des Simon-Wiesenthal-Zentrums war er als Polizeichef von Kosice im damals ungarisch besetzten Teil der Slowakei in den Jahren 1941 und 1944 mitverantwortlich für die Deportation von knapp 16.000 Juden ins Vernichtungslager Auschwitz. Zudem soll der heute 97-Jährige im ungarisch besetzten Teil der Slowakei 1941 maßgeblich an der Deportation von 300 Juden in die Ukraine beteiligt gewesen sein. Dafür wurde er 1948 bereits in Abwesenheit in Ungarn zum Tode verurteilt. Deshalb steht Csatary auf der Liste der jüdischen Menschenrechtsorganisation mit den meistgesuchten Kriegsverbrechern ganz oben.

 

Jüdischer Kongress: Ungarn soll Csatary umgehend festnehmen

Noch am Dienstag hatte der Europäische Jüdische Kongress (EJC) Ungarn zur Festnahme Csatarys aufgefordert. „Die Regierung hat eine moralische Verantwortung, diesen Mann aufzuspüren und festzunehmen, genauso als hätte er heute Tausende Menschen getötet“, erklärte EJC-Präsident Moshe Kantor in Paris. Das Alter des 97-Jährigen und die Tatsache, dass das Verbrechen vor 68 Jahren geschehen sei, dürfe bei der Beurteilung des Falls keine Rolle spielen. „Massenmord verjährt nicht“, so Kantor.

Kantor betonte weiter, in Zeiten eines wachsenden Rassismus in Ungarn sei es eine wichtige Botschaft, wenn Csatary verhaftet würde. Rechtsextreme Organisationen speisten sich aus der Begeisterung für die Nazi-Ära. Ein rasches Vorgehen der Justiz wäre ein Signal, dass Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht geduldet würden.

Die ungarischen Behörden erhielten nach Angaben des Simon-Wiesenthal-Zentrus unlängst neue Hinweise auf eine Beteiligung Csatarys an schweren NS-Verbrechen. Der Leiter des Zentrums, Efraim Zuroff, äußerte die Hoffnung, dass dies dabei helfen werde, den 97-jährigen Csatary doch noch vor Gericht zu stellen.

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