Geschrieben am 29. April 2011 von Redaktion abgelegt in der Kategorie Ägypten, International, Israel, Syrien,
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Syrien macht Israel Angst

Nicht nur Ägypten beunruhigt Israel, auch Syrien.

„In Daraa liegen die Leichen auf den Straßen, aber niemand wagt, sich ihnen zu nähern, aus Angst vor Scharfschützen auf den Dächern.“ Die israelischen Medien beobachten die Vorgänge in Syrien bis ins letzte Detail. „In Daraa sind Strom, Wasser und Telefonverbindungen abgeschaltet. Die Menschen hungern. Es gibt keine Babynahrung mehr.“

Auf Befehl des Präsidentenpalais in Damaskus wurden Internet und Telefon gekappt. Die Welt soll die Massaker nicht sehen. Nur an den Grenzen zur Türkei, zum Libanon und zu Jordanien gelingt es Syrern, per Handy aufgenommene Bilder des Wütens der Armee herauszuschmuggeln. Menschenrechtsorganisationen schätzen, dass schon über 500 Menschen getötet wurden. Israel beobachtet die Vorgänge in Syrien mit Bangen, während die Regierung schweigt.

Israel und Syrien sind die gefährlichsten Erzfeinde im Nahen Osten. Den letzten direkten Krieg führten sie 1973, Jom-Kippur-, Ramadan- oder Oktoberkrieg genannt. Israelische Panzer standen 60 Kilometer vor Damaskus. US-Außenminister Henry Kissinger entwarf ein Entflechtungsabkommen. Israel zog sich teilweise zurück und übergab Syrien die zerstörte Stadt Kuneitra. Die UNO kontrolliert seitdem ein Niemandsland auf den von Israel besetzten syrischen Golanhöhen. Israelisches Militär hält Stellung auf dem Hermonberg. „Durch das Teleskop konnte ich die Menschen mitten in Damaskus sehen“, erzählt ein deutscher Journalist.

Beide Seiten respektieren Verträge

Obgleich Erzfeinde, halten sich Israel und Syrien peinlichst genau an Absprachen und Verträge. Auf den Golanhöhen gab es seit 1974 keinen folgenreichen Zwischenfall, während aus dem Libanon, Jordanien, Ägypten und den palästinensischen Gebieten trotz Friedensverträgen und Arafats „Gewaltverzicht“ immer wieder „legitime Widerstandskämpfer“ angriffen. 1982, während des Libanonkrieges, holten die Israelis bei Luftkämpfen die halbe syrische Luftwaffe über Libanon vom Himmel. Es gab blutige Schlachten zwischen beiden Armeen. Aber beide achteten darauf, eine „direkte“ Konfrontation zu vermeiden.

Gleichwohl beherbergt Damaskus die Hauptquartiere von Terror-Organisationen, darunter der Hamas. Über Syrien werden Waffen vom Iran an die Hisbollah im Libanon und die Hamas in Gaza geschmuggelt. Befehle für Selbstmordanschläge in Israel wurden von Damaskus aus gesendet und von Israel aufgefangen. Israelische Reaktionen dazu waren symbolisch. Kampfflugzeuge durchbrachen mal die Schallmauer über Baschar el-Assads Präsidentenpalast als Warnung. Laut ausländischen Publikationen hat Israel 2007 in Syrien einen von Nordkorea aufgebauten Atomreaktor zerstört. Das löste keinen Krieg aus, weil Israel schwieg und Syrien nicht zugeben konnte, heimlich einen Atomreaktor errichtet zu haben, was die Wiener Atombehörde erstmals am Donnerstag bestätigte.

Abschreckung wahrt Ruhe

Diese gespenstische Ruhe zwischen den Erzfeinden lässt sich nur durch eine funktionierende gegenseitige Abschreckung erklären. Syrien ist laut „Janes“ der weltweit größte Hersteller chemischer Kampfstoffe und verfügt über Scudraketen, die jeden Ort in Israel treffen können. Die Syrer wissen, dass Israels Luftwaffe Syriens Städte dem Erdboden gleichmachen kann.

Vater Hafes el-Assad und Sohn Baschar unterdrückten grausam die eigene Bevölkerung unter dem Vorwand einer israelischen Bedrohung. Hafes el-Assad hat 1982 mindestens 30.000 Moslembrüder in Homs abgeschlachtet, so wie Baschar heute Panzer und Scharfschützen gegen Aufständische einsetzt. Doch für Israel ist Ruhe und kein Krieg wichtiger als die inneren Angelegenheiten Syriens.

Noch „erwägen“ die Europäer, Sanktionen gegen Syrien zu verhängen, ohne zu bedenken, dass längst verhängte Sanktionen nichts genutzt haben. Die Amerikaner haben sich an Syrien nicht vergriffen, obwohl es Angehörigen des irakischen Präsidenten Saddam Hussein Asyl gewährte und Attentäter gegen US-Soldaten in den Irak schleuste.

Syrien muss keinen Eingriff der NATO befürchten. Denn trotz der allgemein ignorierten Unterdrückungsmaßnahmen hält das Assad-Regime mehrere Schlüssel für eine „Stabilität“ im Nahost in der Hand.

Mutmaßlich befahl Syrien die Ermordung des libanesischen Premierministers Rafik Hariri und musste danach seine Besatzungstruppen aus Libanon zurückziehen. Dennoch kann Damaskus jederzeit den Libanon wieder in einen Bürgerkrieg stürzen. Die intensiven Beziehungen mit der Türkei, das Bündnis mit dem Iran und Syriens Respekt vor Israel hindern den Westen, am Status quo zu rütteln und das verbrecherische Regime der Alawiten-Minderheit in Frage zu stellen.

Willkürliches Staatsgebilde

Syrien wurde von der französischen Kolonialmacht geschaffen, die Kurden, Schiiten, Moslembrüder, Christen, Alawiten und Sunniten willkürlich in ein Staatsgebilde zwängte. Die Syrer haben kein „Nationalgefühl“ entwickelt, vergleichbar mit Jugoslawien oder Libyen heute. Die Alawiten stellen in Syrien eine verhasste Minderheit von etwa 12 Prozent. Für sie ist der Aufstand ein „Kampf um Leben oder Tod“, wie es ein israelischer Experte formulierte, ein „Null-Null-Spiel“. Sollte die Assad-Kaste gestürzt werden, wären alle Alawiten nach jahrzehntelanger Unterdrückung ihres Lebens nicht mehr sicher. Um physisch zu überleben, haben die Alawiten ebenso wenig eine Alternative zu Massakern an ihren Gegnern.

Ein Sturz Assads würde nach Ansicht israelischer Experten zu einem blutigen Chaos mit ungewissem Ausgang führen. Seit 1974 hält die Ruhe auf den Golanhöhen dank „roter Linien“, an die sich die Assads pedantisch halten. Niemand weiß, wie künftige Machthaber mit den auf Israel gerichteten Scudraketen mitsamt Giftgas umgehen würden. Aus eigenem Interesse wünscht Israel keine Änderung des Status quo, ungeachtet der Menschenrechtsfrage. Genauso scherten sich weder die USA noch Europa um die Menschenrechte in Ägypten, solange Hosni Mubarak für Stabilität und Frieden sorgte.

Ähnlich wie in Ägypten, wo die weiterhin machthabenden Militärs Mubarak „opferten“, könnten die Alawiten Assad ausschalten, um selber an der Macht zu bleiben. Die Europäer können wegschauen, zumal sie keinen Flüchtlingsstrom wie aus Libyen befürchten müssen, der Libanon und die Grenze auf den Golanhöhen ruhig bleiben.

1 Kommentar

  1. Israel-Nachrichten vom 30.04.11 Reise-Hinweis.de

    30. April 2011 @ 16:46

    […] politik-news.net fanden wir diesen Post lesenwert: Syrien macht Israel Angst : Politik News gegen den Mainstream Im Beitrag heisst es: Israel und Syrien sind die gefährlichsten Erzfeinde im Nahen Osten. Den […]

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