Geschrieben am 1. August 2011 von Michael abgelegt in der Kategorie Deutschland,
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Transmutation, eine Lösung für das Atommüll-Problem?

Uns erreichte per Mail eine entsprechende Anfrage, ob nicht Transmutation eine bessere Lösung sei, als das Material für 10.000 Jahre zu vergraben. Hier der Versuch einer Antwort:

Ich bin kein Experte für Transmutation.

Ob Atommüll tatsächlich einmal durch Transmutation abgebaut werden kann, ob dies gefahrlos möglich ist oder ähnliche Risiken wie Kernkraftwerke birgt, ob es wirtschaftlich ist, welche Kosten entstehen und viele weitere Fragen dazu sind derzeit unklar.

Bei den derzeit verfolgten Ansätzen muss das Strahlenmaterial sortenrein sein. Das ist aber nicht der Fall und nur schwer zu erreichen.

In den Brennelementen sind die verschiedensten Radionuklide zufällig gemischt gebunden. Beim Öffnen der Hülle eines Brennstabs werden leicht flüchtige Stoffe frei, die derzeit auch nicht wirtschaftlich gefiltert werden können. Das gasförmige Krypton zum Beispiel. Diese Stoffe werden heute in Wiederaufarbeitungsanlagen einfach in die Luft abgegeben. Ähnliches gilt für weitere Stoffe, die derzeit per Rohrleitung im Meer landen, denn das Verklappen per Fass ist nicht mehr erlaubt.

Siehe dazu zum Beispiel die Dokumentation „Alptraum Atommüll“.

 

Noch problematischer wird Transmutation bei mittelradioaktivem Müll.

Das sind ganz normale Abfälle aus Kernkraftwerken, wie Kleidung, Handschuhe, Wischtücher, Staub und so weiter. Zu deren Beseitigung werden in Kernkraftwerken externe Hilfsarbeiter eingesetzt, die oft an den Folgen leiden oder sterben.

Beim Umgang mit Atommüll stehen 2 Ideen gegenüber:

  1. Die Lagerung unter Tage und das Wissen dazu vergessen.
  2. Die Lagerung wo auch immer, aber stets rückholbar, bzw. mindestens irgendwie auf die Lagerstätte aufmerksam machen.

Beide Punkte haben Vor- und Nachteile.

 

Lagern und vergessen:

Das Material und die Lagerstätte werden nicht überwacht. Das Material möglichst „endgültig“ verstaut, d.h. ein herankommen wird möglichst erschwert.

Kommt es zu Freisetzungen, werden diese erst registriert, wenn sie in die Umwelt und in die Nahrungskette gelangt sind. D.h. es wird bereits viele Opfer gegeben haben, ohne dass man zügig auf die Ursache kommt. Abstellen wird man die Ursache dann nicht mehr können. Es bleibt lediglich die Suche nach einer Lösung zum Umgang mit der Situation. Ob man Radioaktivität überhaupt noch kennt, wenn es dazu kommt ist ungewiss.

In der Asse und in Morsleben sehen wir heute schon die Schwierigkeiten, wenn man solches Material wieder bergen möchte. Beide Lager saufen ab. An der Asse wird mit Bergung experimentiert. Über Morsleben wird nicht geredet. Man möchte das Lager still und heimlich mit Beton auffüllen. Zu brisannt ist das Thema um Frau Merkels Erbe, die für die problematische Situation in Morsleben verantworltich ist.

Lagerstätten könnten nach langer Zeit auch zufällig durch Archäologen gefunden werden. Wenn dies geschieht, muss das Wissen um Radioaktivität nicht mehr zwingend vorhanden sein. Unangewandtes Wissen geht relativ schnell verloren.

Ein weiteres Problem: Geologisch ist keine Situation über den langen Zeitraum von über einer Million Jahren stabil. Ein entsprechend sicherer Einschluss des Materials kann nicht garantiert werden.

Stets rückholbar lagern:

Hier hat man mehrere Vorteile. Wenn man feststellt, dass das Lager nicht mehr sicher ist, dann kann man es bergen.  Wenn man eines Tages eine echte Möglichkeit zur Transmutation fände, könnte man den Müll entschärfen.

Ein Problem:
Besondere Anforderungen an die Lagergefäße. Welches Fass hält schon eine Million Jahre. Hier muss eine Lösung her.

Die Kosten für eine solche über Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg überwachte Lagerung sind heute natürlich nirgendwo in den Kosten zum Atomstrom berücksichtig. Das ist auch gar nicht möglich. Auch hat kein Finanzsystem solche Zeiträume überdauert.

Ein ganz großes Problem:
Sicherheit vor politischen Einflüssen. Allein in den letzten 100 Jahren hatten wir 2 Weltkriege, in denen die Menschen das Möglichste versucht haben, Menschen zu schaden. Hätte man in einer solchen Situation Zugriff auf derartig gefährliches Strahlenmaterial, könnte es dazu eingesetzt werden.

Man sehe nur, welchen Genozid die Nato, vor allem die USA, im nahen Osten und in Nordafrika durch den Einsatz von Uranmunition begeht oder die Aktionen der verbrannten Erde, die Hitler wie auch Saddam Hussein bei ihren Rückzügen verfolgt haben.

Der von uns kürzlich verlinkte Film „Into Eternity“ geht der Problemantik nach, wie das Material gelagert werden kann, und wie hilflos die Wissenschaft diesem Problem gegenüber steht. So ist heute der modernste Vorschlag für den Müll der, der auch in der Steinzeit schon für unliebsamen Müll galt: Verbuddeln.

Mit den 10.000 Jahren notwendiger Sicherheit greift der Fragesteller allerdings zu kurz. Es kommt auch auf die Gesamtmenge des Mülls an, denn Radioaktivität baut sich über Halbwertszeiten ab. Hat man die doppelte Menge Müll, dauert es doppelt so lange, bis gleich wenig übrig ist.

Diese Halbwertszeiten gelten pro Element. Oft zerfällt aber ein gefährliches Element nacheinander erst in andere gefährliche Elemente. Ein Daumenwert zur sichern Unterbringung ist derzeit eher 1.000.000 Jahre. Das liegt 111 mal so weit in der Zukunft, wie das Ende der Steinzeit in der Vergangenheit liegt.

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