Türkei sucht Gülen-Vertrauten Abdullah Aymaz aus Offenbach

Abdullah Aymaz ist Aufsichtsratschef eines Medienunternehmens in Offenbach. Er gehört zum engsten Führungskreis der Gülen-Bewegung. Die Türkei will ihm den Prozess machen. Für die Bundesregierung könnte der Fall Aymaz brisant werden.

Obwohl Abdullah Aymaz zum höchsten Führungskreis der Gülen-Bewegung gehört, tritt er in der deutschen Öffentlichkeit so gut wie nicht in Erscheinung. Die Zusammenarbeit des 71-Jährigen mit Fethullah Gülen reicht bis in die Mitte der 1960er-Jahre zurück. Damals begann Gülen mit dem Aufbau seines weltweiten Netzwerks aus Bildungseinrichtungen, Medienunternehmen und Lobbyvereinen. Gülen führt die Bewegung seit 1999 von den USA aus. Aymaz ist seit 2006 Aufsichtsratsvorsitzender der World Media AG (WMG) im hessischen Offenbach. Zu dem Unternehmen gehören die Europa-Ausgabe der in der Türkei verbotenen Gülen-Zeitung „Zaman“ und ein türkischer Fernsehsender.

Laut einer Studie des US-Politikwissenschaftlers Hakan Yavuz ist Aymaz einer von acht „im Hintergrund agierenden Kernanhängern“ Gülens. Auch der „Zaman“-Journalist Mahmut Cebi bestätigt Aymaz‘ hervorgehobene Rolle. „Wegen seiner Kenntnis und seinem engen Kontakt zu Fethullah Gülen könnte man ihn als führende Persönlichkeit bezeichnen“, erklärt er auf Anfrage. Er agiere mehr innerhalb der Bewegung als nach außen, bestätigt Cebi.

In der Türkei per Haftbefehl gesucht

Doch Aymaz‘ Schattendasein könnte bald ein Ende haben. Mehreren Berichten türkischer Medien zufolge wurde in der Türkei bereits 2015 ein Haftbefehl gegen ihn erlassen, der Anfang dieses Jahres noch einmal erneuert wurde. Ihm soll wegen Zugehörigkeit zum Führungskreis der von der AKP-Regierung als Terrororganisation bezeichneten Gülen-Bewegung der Prozess gemacht werden. Auf der Anklageliste stehen 60 weitere mutmaßliche Führungskader. Der Prozess ist für Ende November angesetzt.

Die Spitze der WMG nimmt zu den Ermittlungen keine Stellung. Der Vorstandsvorsitzende Mustafa Altas bestätigt zwar die langjährige Freundschaft zwischen Aymaz und Gülen. Ihre Beziehung sei aber deren „Privatangelegenheit“.

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