Türkische Tourismus-Industrie macht sich Sorgen für 2017

Nach dem Anschlag in Istanbul glaubt die türkische Tourismus-Industrie nicht mehr daran, dass das Sommergeschäft 2017 ein Erfolg wird. Für das Land sind fehlende Touristen ein großes Problem.

Es liegt mitten in der Altstadt von Istanbul und bietet einen traumhaften Blick auf das Hagia Sophia Museum und den Topkapi-Palast: Eine Übernachtung in dem modernen Fünf-Sterne-Hotel „Old City Hotel Hagia Sophia“ bietet der Veranstalter Jahn Reisen jetzt für unter 100 Euro an.

Nicht nur die Hoteliers in Istanbul haben mit den Folgen der terroristischen Anschlagsserie zu kämpfen, die in der Neujahrsnacht mit dem Anschlag auf den Istanbuler Club Reina einen neuen Höhepunkt fand. Auch an der Türkischen Riviera, die zu den meistbesuchten Reisezielen der Europäer gehört, versucht das Gastgewerbe mit Tiefstpreisen von der Saison 2017 noch zu retten, was zu retten ist.

So bietet der Türkeireisen-Spezialist Öger Tours etwa einen Kurzurlaub in dem mit fünf Sternen ausgezeichneten „Trendy Aspendos Beach-Hotel“ nahe der Stadt Side für 348 Euro pro Person an: Sieben Tage all inclusive mit Hin- und Rückflug ab Berlin, umgerechnet sind das noch nicht einmal 50 Euro pro Nacht.

Niedrigere Preise findet man in kaum einer anderen großen Sonnenregion. Nach dem Putschversuch im vergangenen Jahr sind die Buchungszahlen in der Türkei 2016 bereits um rund ein Drittel eingebrochen. Die aktuellen Tiefstpreise sind eine verzweifelte Reaktion auf ein verlorenes Jahr der türkischen Tourismus-Industrie.

Das Buchungsportal „HRS“ hat die Entwicklung der Hotelpreise im vergangenen Jahr statistisch ausgewertet. Ergebnis des weltweiten Vergleichs: In kaum einer anderen Metropole der Welt sind die Übernachtungskosten so abgerutscht wie in der größten türkischen Stadt: „Die Unruhen in der türkischen Metropole Istanbul haben sich massiv auf die dortigen Hotelpreise ausgewirkt“, heißt es in der HRS-Untersuchung: „Mit einem Minus von 17,6 Prozent fallen die Preise am Bosporus auf durchschnittlich 75 Euro – damit ist Istanbul auf einem Preisniveau mit Prag und Warschau.“

Kurz vor dem Anschlag gab es kaum Zeichen auf Erholung

Das Gastgewerbe suchte bislang Trost in der Gewissheit, dass das Gedächtnis von Reisenden kurz ist: Nach Naturkatastrophen oder Anschlägen erreichen die Bucherzahlen oft schon nach wenigen Monaten wieder das alte Niveau. Die stille Hoffnung der Hoteliers auf die Vergesslichkeit der Reisenden wird durch den neuen Vorfall in Istanbul allerdings zerstört.

Noch kurz vor dem Anschlag in Istanbul gab es kaum Anzeichen für wieder ansteigende Buchungszahlen im Türkei-Tourismus. Im Gegenteil: Im Dezember verzeichneten deutsche Reisebüros und Onlineportale einen Rückgang der Buchungszahlen für den Zielflughafen Antalya um 34 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Auf der Liste der Top-10-Zielflughäfen des Tourismusdienstleisters Traveltainment war das der weitaus stärkste Einbruch, gefolgt vom Flughafen Palma de Mallorca, der mit minus sechs Prozent nur vergleichsweise leicht zurückfiel. Griechische Flughäfen wie etwa Heraklion (plus 66 Prozent) oder Kos (plus 182 Prozent) gehörten im Jahresvergleich hingegen zu den Gewinnern.

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