Geschrieben am 20. September 2011 von Redaktion abgelegt in der Kategorie Israel, Terror, Türkei,
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Türkei: PKK Bombenanschlag in Ankara – Rache durch Israel ?

Hinter dem Anschlag mit drei Toten in der türkischen Hauptstadt Ankara steckt vermutlich die PKK. Die Regierung spricht von Vergeltung.

In ersten Stellungnahmen war zunächst nur von Bombenverdacht die Rede, mittlerweile scheint aber sicher, dass es sich um eine Autobombe handelte.

Die Explosion ereignete sich an der Grenze zum Regierungsviertel Cankaya und unweit des Amtssitzes von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan.

Es ist ziemlich sicher, dass die kurdische Terrororganisation PKK hinter dem Anschlag steht, meint der Sicherheitsexprete Gareth Jenkins: ”Es gibt eigentlich nur drei Strömungen in der Türkei, aus deren Umfeld Terror hervorgeht – Linksextremisten, Islamisten und die PKK”, sagte Jenkins auf Anfrage.

PKK wollte Städte in ein „Flammenmeer“ verwandeln

„Für Linksextremisten ist der Anschlag zu groß angelegt, für Islamisten wäre Ankara angesichts der deutlich proislamischen Ausrichtung der Regierung kein logisches Ziel. Es bleibt also die PKK.” Schon vor einigen Wochen hatte die PKK-Führung öffentlich verkündet, sie werde „die Städte der Türkei in ein Flammenmeer verwandeln”.

In den vergangenen Monaten war es bereits zu einer deutlichen Eskalation der Gewalt zwischen der PKK und den türkischen Sicherheitskräften gekommen. Immer häufigere, immer tödlichere Anschläge und Angriffe hatten in den letzten drei Monaten mehr als 30 türkische Soldaten das Leben gekostet.

Als Reaktion darauf hatte die türkische Luftwaffe eine Bombenoffensive gegen PKK-Stellungen im kurdischen Autonomiegebiet im Nordirak gestartet. Triumphale Siegesmeldungen, in denen von Hunderten getöteten Rebellen die Rede war, wurden in den türkischen Medien verbreitet.

Aber, wie der angesehene türkische Kommentator Mehmet Ali Birand einmal meinte: Wenn man alle getöteten Rebellen zusammenzählt, die die Armee bekannt gibt, dann dürfte es die PKK schon lange nicht mehr geben.

„Das wird nicht ohne Anwort bleiben“

Als Reaktion auf den jüngsten Anschlag ist eine noch härtere Reaktion der Türkei zu erwarten. Der stellvertretende Ministerpräsident Bülent Arinc wurde mit den Worten zitiert: „Das wird nicht ohne Antwort bleiben.” Militärexperten halten eine Bodenoffensive gegen Ziele im Nordirak für denkbar, was weitreichende Folgen haben könnte.

Die Eskalation der letzten Monate und der Anschlag in Ankara haben in der Türkei eine doppelte Diskussion ausgelöst. Vor allem in den Reihen der säkularen Opposition stellt man die Frage, ob die Armee noch kompetent genug geführt wird.

Eine große Anzahl hoher Offiziere stehen vor Gericht, weil sie angeblich einer „Terrorgruppe” angehörten. Die Prozesse sind ein wichtiges Element im Machtkampf zwischen der islamisch geprägten Führung der des Landes und der säkularen Armee, die in der Vergangenheit immer eine politische Führungsrolle für sich beanspruchte.

Die Regierung bestreitet, dass es sich bei den Prozessen gegen die Offiziere um politische „Säuberungen” handelt, und sie bestreitet auch, dass als Folge der Prozesse der türkischen Armee nun ähnliche Probleme drohen wie einst der russischen Armee nach Stalins „Säuberungen” in den dreißiger Jahren.

Rache aus Tel Aviv?

Die zweite Debatte, speziell nach dem Anschlag von Ankara, dreht sich um Israel. Schon seit einem Jahr werden in der Türkei Stimmen laut, die behaupten, Tel Aviv räche sich für Ankaras zunehmend konfrontative Politik gegenüber Israel, indem es die PKK unterstütze.

Diese Art von Verschwörungstheorie gilt auf der türkischen „Straße” mehr oder minder als „Fakt”, besonders nachdem Israels Aussenminister Avidgor Lieberman kürzlich in einem – später dementierten – israelischen Zeitungsbericht mit der Drohung zitiert worden war, Israel werde von nun an die PKK unterstützen.

Türkische Politiker neigen dazu, diese Stimmung im Volk indirekt zu schüren, um ihre Popularitätswerte zu steigern.

Ministerpräsident Erdogan, Staatspräsident Abdullah Gül und zahlreiche führende Regierungspolitiker sagen immer häufiger, die PKK werde vom „Ausland instrumentalisiert”. Dieser Vorwurf wird zunehmend auch gegenüber Europa erhoben, von wo aus tatsächlich beträchtliche Gelder zur PKK fließen.

Waffen und Know-how aus dem Irak

Dass Israel aber der Grund für die gesteigerte Effizienz der PKK-Angriffe in den letzten Monaten sei, das bezweifelt Jenkins: „Ich glaube nicht, dass die USA darüber sehr glücklich wären, wenn Israel eine Terrororganisation aktiv unterstützt”, meinte er. Aus diesem Grund werde Tel Aviv einen solchen Schritt wohl nicht wagen.

Eher sei die tödlichere Qualität der PKK eine Nebenfolge des Irak-Krieges, meint er. Von dort kämen Waffen und Know-How.

Die Spirale der Gewalt hat schon jetzt dazu geführt, dass eine der wichtigsten Absichtserklärungen der türkischen Regierungspartei AKP seit 2001, nämlich das Kurdenproblem zu lösen, als gescheitert betrachtet werden muss.

Lange hatten viele Kurden und auch unabhängige Beobachter eine Öffnung gegenüber den Kurden erwartet, es war auch als eine politische Hauptinitiative von Staatspräsident Präsident Abdullah Gül auf die Prioritätsliste der Regierung gesetzt worden.

Keine militärische Lösung

Man hatte daher nach den Wahlen im letzten Jahr den Beginn eines Dialogs erwartet, entweder hinter den Kulissen mit der PKK, oder mit der Kurdenpartei BDP.

Nicht nur blieb der Dialog aus, sondern die Türkei verhärtete ihre Haltung. Das mag ein Grund für die PKK-Offensive sein. Eine Lösung des Konflikts, das hatte die türkische Seite in den letzten Jahren selbst erklärt, kann nicht militärisch erreicht werden.

Aber genau danach sieht es nach dem jüngsten Anschlag aus – dass nur noch die Waffen sprechen werden.

6 Comments

  1. Hanes

    20. September 2011 @ 19:19

    Ja die Juden waren das bestimmt. Die Türken drehen langsam durch glaube ich. Bei allen soll Israel die Schuld tragen.

  2. Halit

    20. September 2011 @ 20:36

    @Hanes

    Nachdem Liebermann gesagt hat das er die PKK unterstützen möchte kann das durchaus sein……

  3. Halit

    20. September 2011 @ 20:37

    at…Hanes

    Nachdem Liebermann gesagt hat das er die PKK unterstützen möchte kann das durchaus sein……

  4. Kubilay

    21. September 2011 @ 23:38

    Dieser Anschlag hat nicht mit der PKK zu tun. Selbstverständlich sind es die Israelis. Es geht um die Förderung des Erdöls im Mittelmeer. Die Israelis haben das in Ankara realisiert um Erdogan eine Warnung zu geben. Die Nachricht ist klar : Wenn er israelische finanzielle Interessen gefährdet sollte, wird er nicht lange leben.

    Mossad hat sich über Autobomben so spezialisiert, dass nach der Explosion man keinerlei Beweise findet. Denn sie würden nach Israel führen. 🙂

    Viele patriotische kemalistische Journalisten wie Ugur Mumcu wurden auch durch Mossads Autobomben ermordet. Der letzte berühmte Opfer war Libanons Premierminister Hariri.
    Damals ,als Ugur Mumcu ermordet wurde, wollten die Crypto-Juden die Schuld den sogenannte Islamisten und den Iranern in die Schuhe schieben. Im Falle Hariri dem Esad aus Syrien.

    Israel = weltweiter Terror : mit Raketen, Autobomben, Spekulationen in Börsen etc.

  5. Abu Karim

    21. September 2011 @ 23:47

    Der gesamte Nahe Osten müsste sich zusammen tun. Das wird sicherlich mal der Fall sein aber aktuell arbeitet jedes arabische Land für sich. Die müssen sich zusammen tun. Dann sind die zusammen stark. Vogelschwärme oder Fischschwäre machen das vor :))

  6. steffen

    28. September 2011 @ 13:53

    Erdogan soll die hamas und fata auch untertuetzen

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