Vom Roten Meer ins Tote Meer

Die Scherzfrage, woran das Tote Meer gestorben sei, findet sich in zahllosen alten Witzbüchern. Doch tatsächlich stirbt das Tote Meer seit Jahrzehnten – und damit auch ein einzigartiges Naturphänomen, das jedes Jahr Tausende Touristen aus aller Welt anlockt. In den vergangenen rund 40 Jahren ist die Fläche dieses gut 800 Quadratkilometer großen Salzsees ohne Abfluss um ein Drittel geschrumpft. Durch Austrocknung – Ursache ist vor allem die intensive Nutzung des Jordan-Wassers – sinkt der Wasserspiegel jährlich um mehr als einen Meter und liegt inzwischen mehr als 426 Meter unter dem Meeresspiegel. Die Ufer stellen damit den tiefsten nicht von Wasser oder Eis bedeckten Bereich der Erde dar. Um 2000 vor Christus, so haben Forscher ermittelt, lag der Wasserspiegel noch fast 200 Meter höher.

Der Wasserzufluss hat sich seit den 30er-Jahren von 1,3 Milliarden Kubikmeter jährlich auf heute rund 350 Millionen verringert. Es wird geschätzt, dass der See derzeit etwa 700 Millionen Kubikmeter pro Jahr verliert. Der Salzgehalt des Toten Meeres liegt inzwischen bei bis zu 33 Prozent, im Mittelmeer sind es gerade einmal 3,8 Prozent.

Seit mehr als 20 Jahren wird diskutiert, wie man das bis zu 380 Meter tiefe Tote Meer vor dem Austrocknen retten kann. Sie scheiterten vor allem an politischen Zwistigkeiten der Anrainer, aber auch an wissenschaftlichen Disputen über Sinn und Machbarkeit. Gestern wurde nun bei der Weltbank in Washington ein Abkommen zwischen Israel, Jordanien und den Palästinensern unterzeichnet, das den Bau einer Pipeline vom Roten Meer 180 Kilometer weit bis ins Tote Meer vorsieht. Insgesamt sollen jährlich 200 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Roten Meer abgepumpt werden; 80 Millionen Kubikmeter davon sollen allerdings in einer neuen Entsalzungsanlage in Jordanien zu Trinkwasser aufbereitet werden. Israels Wasser- und Energieminister Silvan Shalom sprach in der Tageszeitung „Yedioth Ahronoth“ von einem „historischen Prozess“, mit dem nun ein alter Traum verwirklicht werde.

Die Kosten des Projekts sollen rund 400 Millionen (290 Millionen Euro) Dollar betragen; die Bauzeit wird auf fünf Jahre veranschlagt. Die Unterzeichnung gilt als politisch bemerkenswert, da der Nahost-Friedensprozess derzeit stagniert. Daher bezeichnete das „Wall Street Journal“ das Abkommen am Montag als einen „seltenen Schritt“. Der jordanische Minister für Wasser und Bewässerung, Hasem Nasser, und sein palästinensischer Amtskollege Schaddad Attili vertraten die zwei anderen Seiten bei der Zeremonie im Hauptquartier der Weltbank in Washington. Diese hatte das Vorhaben mehr als zehn Jahre lang auf seine Wirtschaftlichkeit hin untersucht.

Shalom betonte, es seien keinerlei Zugeständnisse an die Palästinenser gemacht worden, um deren Einverständnis zu erlangen. Der frühere israelische Außen-, Finanz- und Wissenschaftsminister gilt als sehr konservativ.

Bei Umweltschützern stößt die auch als Zwei-Meere-Kanal bekannte Pipeline auf heftige Kritik. Mira Edelstein von der Umweltschutzgruppe Friends of the Earth sagte nach einem Bericht von „Tagesschau.de“, was da in Washington unterzeichnet wurde, sei nur ein konventionelles Projekt zur Wasserentsalzung. Es sei auch noch unklar, was mit der Salzlake geschehen soll, die nach der Produktion von Trinkwasser übrig bleibe. Sie könne entweder ins Rote oder ins Tote Meer geleitet werden. Bei einer Einleitung von Meerwasser ins Tote Meer würde allerdings dessen Zusammensetzung verändert – mit „unabsehbaren Folgen“, wie Edelstein befürchtet. Es könnten rotblühende Algen entstehen oder große Mengen an weißen Gips-Partikeln.

Auf jeden Fall werde durch das fremde Salzwasser die „einzigartige chemische Zusammensetzung des Toten Meeres zerstört“. Und damit sei es als „größtes Heilbad unter freiem Himmel“ bedroht. Abgesehen von möglichen ökologischen Folgen wären auch die 120 Millionen Kubikmeter Meerwasser jährlich viel zu wenig, um den Salzsee vor dem Austrocknen zu bewahren. Wie Bohrungen ergeben haben, war das Tote Meer vor 125.000 Jahren schon einmal vollständig ausgetrocknet; unter dem Meeresboden finden sich in 250 Metern Tiefe dicke Salzablagerungen aus dieser Zeit.

Bereits in der Antike war der Salzsee als Totes Meer bekannt; damals wurde der See mit Booten befahren, was als gefährlich galt. Außer Bakterien, Mikroorganismen und Pflanzen mit extremer Salztoleranz kann im Wasser nichts leben. Bäder darin werden zur Behandlung von Hautkrankheiten wie Neurodermitis und Psoriasis benutzt; bei Touristen ist das Tote Meer beliebt, weil man darin nicht untergehen kann. Allerdings sind lange Bäder nicht ungefährlich; man kann durchaus darin ertrinken, wenn man die Balance verliert. Auch kann ein Untertauchen mit versehentlichem Schlucken großer Mengen oder gar Einatmen des Salzwassers tödlich sein; da das Wasser schwere Lungenentzündungen verursachen kann.

Ein besonderes Problem für den Tourismus stellt die Tatsache dar, dass der Wasserspiegel des Toten Meeres zwar insgesamt sinkt, dass er jedoch im südlichen Teil steigt. Grund dafür sind gewaltige Salzablagerungen aufgrund der industriellen Mineraliengewinnung. Der Salzsee ist zugleich das mineralienreichste Gewässer der Erde; es finden sich darin erhebliche Mengen an Kalium, Brom, Magnesium und Jod. Zudem werden in den Dead-Sea-Werksanlagen Industrie- und Speisesalze abgebaut. Die Salzablagerungen führen dazu, dass sich das Wasser an den Badeorten im südlichen Teil des Toten Meeres anstaut.

Der israelische Umweltwissenschaftler Alon Tal, den die Regierung in Jerusalem mit entsprechenden Untersuchungen und der Findung einer Lösung für das Problem beauftragt hatte, erklärte 2011, in fünf bis zehn Jahren würde ansonsten das Wasser „in den Hotellobbys stehen“.

Ein Gedanke zu „Vom Roten Meer ins Tote Meer

  • 12. Dezember 2013 um 20:40
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    Schon 1425 erfolgte die Gründung der Kirche, und im Jahr 1433 erhielt das Kloster alle Privilegien des Ordens. Hier lebten anfangs 7 Patres und 15 Brüder, ab 1441 10 Patres, 8 Theologen und 2 Brüder. Sie lebten zumindest anfangs sehr karg, sie mußten dem bis dahin gänzlich unbearbeiteten Boden ihre Nahrung abtrotzen. In harter Arbeit bei vermutlich äußerst armseliger Ernährung kultivierten sie den Ort, der bis dahin nur von wenigen Menschen bewohnt war. Sie legten Felder, Weiden und Teiche an und trieben Ackerbau und Viehzucht, wahrscheinlich züchteten sie auch Fische. Außer den Teichen in Müllenbach, Däinghausen, Gogarten und in Marienheide in der Nähe des Klosters bauten Sie auch den Heilteich als Trinkwasserreservoir. Aus dieser Zeit stammt auch der Name des Teiches, dessen Wasser „heil“, also rein gehalten wurde. Ebenso stammen alte Flurbezeichnungen, die teilweise kaum noch Verwendung finden, aus dieser Zeit: Kälberkamp, Böllenkamp, Ochsenweide und Pferdsweide. Die Grenzen des großen Klostergutes wurden von Grenzsteinen markiert, die teilweise noch heute sichtbar sind u.a. bei Meinerzhagen, Gogarten und Obersiemeringhausen.

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