Geschrieben am 30. April 2011 von Redaktion abgelegt in der Kategorie Ägypten, International, Israel, Nahost, Syrien,
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Von Ägypten und Syrien drängen Muslimbrüder empor und Israel bangt

Husni Mubarak musste in Ägypten seinen Posten räumen und die Armee hat nun die Übergangsregierung übernommen. Ob der zunächst so umjubelte Wandel in Ägypten noch immer so hoch im Kurs liegt, ist fraglich. Israel hatte von Anfang an seine Bedenken, was denn kommen würde, würde Mubarak das Land nicht mehr regieren. Schließlich war er der Garant dafür, dass der Friedensvertrag von Camp David aufrechterhalten wurde.

Dass seine proisraelische Politik im Volk nicht gut ankam, zeigen nun auch Umfragen in der Bevölkerung. Immerhin 545 der Bevölkerung sprechen sich gegen die Aufrechterhaltung des Friedens von Camp David aus. Des Weiteren ist deutlich zu erkennen, dass die USA noch schlechter wegkommt als unter Mubarak, es ist ein deutlicher Trend weg vom Westen erkennbar.

Besonders besorgniserregend dürfte für Israel nicht nur die neue Annäherung Ägyptens an den Iran sein, sondern auch die Versöhnung von Fatah und Hamas unter ägyptischer Vermittlung und nun auch noch die ständige Öffnung der Grenze zum Gazastreifen. Dahin schwindet Israels Grenzkontrolle und die Sicherheit, dass Ägypten zu Israel steht und die Muslimbrüder so einflusslos wie möglich hält.

Es brauchte also noch nicht einmal die Wahlen und die eventuell in die Regierung einziehende Muslimbruderschaft, um die Befürchtungen Israels wahr werden zu lassen. Die Übergangsregierung tut schon im Vorfeld alles, dem Volk zu gefallen und sich von Israel und den USA abzuwenden. Doch das sind nicht die einzigen Probleme, die Israel derzeit hat.

Auf der anderen Seite droht ebenfalls Gefahr. Zwar scheinen die Unruhen in Syrien zunächst positiv für Israel, betrachtet man es aber genauer, stellt man schnell fest, dass dies ein Trugschluss ist. Bashar al-Assad war und ist der Garant dafür, dass sich in Syrien keine islamistischen Kräfte organisieren und gegen Israel wettern können. Zwar bestehen gute Kontakte zum Iran, aber das dürfte aus Ansicht Israels das kleinere Übel sein.

Die Entwicklungen, die hier im Westen ganz nebenbei erwähnt werden, nämlich, dass die Muslimbrüder die Stimmungsmache gegen Bashar al-Assad finanzieren und unterstützen, sind sehr gefährlich. Wenn Syrien nicht bald wieder stabiler wird, droht die gesamte Region im Chaos zu versinken. Sowohl die Hamas als auch die Hisbollah haben Büros in Damaskus und haben gute Beziehungen zu Syrien und darüber hinaus zum Iran.

Wenn das Regime nicht mehr an die Hisbollah zahlt, werden die mit sehr großer Wahrscheinlichkeit einen Krieg gegen Israel vom Zaune brechen und auch die Hamas dürfte dann ziemlich unruhig werden und neue Aktionen gegen Israel planen und durchführen. Man darf nicht vergessen, dass Syrien wirklich die Zügel in der Hand hält, die Israel mehr oder weniger den Frieden gewähren. Ist diese Stütze weg, dann ist nur noch der Iran mit Hisbollah und Hamas und die haben alle ein Ziel: Israel muss bekriegt werden.

Auch wenn Syrien Israel nicht anerkennt und auch kein Frieden in Sicht ist, kann man jedoch feststellen, dass die Grenze zwischen Syrien und Israel die sicherste ist, an der es keinerlei Vorkommnisse gab. Nicht auszudenken, was passiert, wenn die Muslimbrüder ihre Ziele durchsetzen können.

Die Muslimbrüder haben nach dem Massaker von Hama 1982 noch eine Rechnung mit dem Regime offen, die sie begleichen können und sie sehen nun ihre Chance gekommen. Leider spielt der Westen den Muslimbrüdern voll in die Hände und riskiert dadurch einen Flächenbrand, den sich sicher keiner ausmalen will. Bevor man also der syrischen Regierung gezielte Tötung der friedlichen Demonstranten vorwirft, sollte man genauer auf Hintergründe und Zusammenhänge schauen, die dann vielleicht ein anderes Licht auf die Sache werfen.

1 Kommentar

  1. Ägypten-Nachrichten vom 06.05.11 Reise-Hinweis.de

    6. Mai 2011 @ 16:53

    […] politik-news.net fanden wir diesen Post lesenwert: Von Ägypten und Syrien drängen Muslimbrüder empor und Israel bangt … Im Beitrag heisst es: Husni Mubarak musste in Ägypten seinen Posten räumen und die Armee […]

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