Waffenruhe: Granaten schlagen in Israel ein

Benjamin Netanyahu

Eigentlich soll die Feuerpause fünf Stunden anhalten: Jetzt berichten israelische Medien von drei Granaten auf israelischem Gebiet – das Militär macht die Hamas für den Angriff verantwortlich.

  • Die fünfstündige Waffenruhe hat begonnen. Israels Medien berichten allerdings von drei Granaten, die trotz Feuerpause auf israelischem Gebiet eingeschlagen seien sollen.
  • Dem israelischen Militär zufolge sollen Hamas-Kämpfer über einen Tunnel nach Südisrael eingedrungen sein. Die Armee habe angegriffen.
  • Israel will den Tod der palästinensischen Kinder prüfen, die am Strand durch Granaten ums Leben kamen.

Feuerpause scheinbar unterbrochen

Die Feuerpause hat begonnen, Israel und die Hamas wollen ihre Waffen aus humanitären Gründen fünf Stunden lang ruhen lassen. Israelische Medien berichten jedoch von drei Granaten, die in der Region Eschkol in der Nähe des Gazastreifens eingeschlagen sein sollen, teilten die Streitkräfte mit. Die israelische Armee macht die Hamas für den Angriff verantwortlich. Opfer habe es keine gegeben.

Die israelische Armee kündigte am Mittwochabend an, dass es am Donnerstag von 10 bis 15 Uhr Ortszeit keine Angriffe auf Ziele im Gazastreifen geben werde. Wenige Stunden später teilte dann auch ein Hamas-Sprecher mit, dass die Palästinenserorganisation ihre Raketenangriffe auf Israel für diesen Zeitraum einstellen werde.

Die Feuerpause war unter anderem von den Vereinten Nationen vorgeschlagen worden. Der UN-Koordinator für den Nahost-Friedensprozess, Robert Serry, sagte im israelischen Fernsehen, dass er die Armee um eine „humanitäre Pause“ gebeten habe. So sollten die Menschen im Gazastreifen die Möglichkeit bekommen, sich im Krankenhaus behandeln zu lassen oder sich Lebensmittel zu besorgen.
Hamas-Kämpfer sollen über einen Tunnel eingedrungen sein

Kurz vor Beginn der Feuerpause haben israelische Soldaten nach Angaben des Militärs einen Angriff von Hamas-Kämpfern abgewehrt, die durch einen Tunnel nach Südisrael eingedrungen sein sollen. 13 schwer bewaffnete Palästinenser seien durch den Tunnel etwa 250 Meter weit nach Israel vorgedrungen, sagte ein Armeesprecher. Sie hätten einen Anschlag geplant, die israelische Luftwaffe habe deshalb angegriffen. Die Aussagen zu möglichen Opfern widersprachen sich: Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge hatte es mehrere palästinensische Opfer gegeben. Die dpa berichtete, dass unklar sei, ob es Tote gegeben habe.

Israel bombardiert erneut Ziele im Gazastreifen

Die israelische Luftwaffe hat am frühen Donnerstagmorgen auch erneut Ziele im Gazastreifen bombardiert. Bei einem Angriff in Deir al-Balah seien mindestens ein Palästinenser getötet und zwei weitere verletzt worden, teilten palästinensische Rettungskräfte mit. Nach Angaben einer Armeesprecherin wurden seit Mittwoch um Mitternacht insgesamt 37 Luftangriffe geflogen. Die Hamas schoss demnach sieben Raketen auf Israel ab. Vier seien auf Feldern eingeschlagen und drei von der israelischen Luftabwehr abgefangen worden.
Waffenruhe am Dienstag gescheitert

Israel hatte bereits am Montag einer von Ägypten vermittelten Waffenruhe zugestimmt und seine Luftangriffe am Dienstag für mehrere Stunden eingestellt. Die Hamas lehnte den Vorschlag allerdings ab und feuerte weiter Raketen auf Israel ab. Dabei wurde erstmals ein israelischer Zivilist getötet. Regierungschef Benjamin Netanjahu kündigte daraufhin eine Ausweitung der Angriffe auf den Gazastreifen an.

Dies soll sich am Donnerstag ändern, berichtet der US-Sender CNN und beruft sich auf einen offiziellen Hamas-Sprecher. Die Armee betonte allerdings, wenn militante Palästinenser noch einmal die Feuerpause missachten und Raketen abschießen, werde man „entschlossen“ antworten. Sollten die Hamas „oder andere Terrororganisationen“ dieses „humanitäre Fenster“ ausnutzen, werde die Armee reagieren.
Zehntausende suchen Zuflucht

Die Einwohner der Ortschaften Beit Lahia und Sadschaija seien weiterhin aufgefordert, ihre Häuser zu räumen, hieß es von Seiten des israelischen Militärs. Bereits am frühen Mittwoch hatten die Streitkräfte mindestens eine Viertelmillion Menschen im nördlichen Gazastreifen aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Bis zum Nachmittag hatten etwa 21 000 Menschen in Schulen des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA) Schutz gesucht.

Einzug von weiteren Reservisten

Die Zahl der Toten seit Beginn der israelischen Offensive am 8. Juli ist nach palästinensischen Angaben auf 227 gestiegen, darunter waren demnach mindestens 48 Kinder. Mehr als 1685 Palästinenser wurden verletzt. Auf israelischer Seite kam infolge des Raketenbeschusses ein Zivilist ums Leben.

Besondere Aufmerksamkeit erregte am Mittwoch der Tod von vier spielenden palästinensischen Jungen, die an einem Strand in der Stadt Gaza von israelischen Granaten getroffen wurden, wie Augenzeugen berichteten. Die Kinder im Alter zwischen neun und elf Jahren wurden demnach beim Fußballspielen getroffen. Zehn weitere Jungen wurden schwer verletzt, teilten palästinensische Rettungsdienste mit. Ein Sprecher der israelischen Streitkräfte erklärte am Abend, der Vorfall werde untersucht.

Zugleich verdichteten sich jedoch Anzeichen für eine baldige Bodenoffensive der israelischen Armee. Das Kabinett billigte die Einberufung von weiteren 8000 Reservisten – 42 000 waren bereits zuvor aktiviert worden.
EU fordert beide Seiten auf, die Gewalt zu stoppen

Die Europäische Union bemüht sich um Hilfeleistung. „Die EU steht bereit, um nötige Unterstützung zu leisten“, hieß es in einem Beschluss der Staats- und Regierungschefs der 28 EU-Länder. Darin wurde auch das Angebot eines politischen und wirtschaftlichen Hilfspakets sowie einer privilegierten Partnerschaft mit Israel und den Palästinensergebieten erneuert.

Die EU-Gipfelrunde erklärte, sie verfolge „mit großer Besorgnis“ die Lage im Gazastreifen. Sie forderte beide Seiten auf, die Gewalt zu stoppen und das Leid der Zivilbevölkerung zu beenden. Die Menschen müssten Zugang zu humanitärer Hilfe bekommen.

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