Geschrieben am 29. Mai 2011 von kewil abgelegt in der Kategorie Deutschland,
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Zweierlei Fahnen

Gesetzt den Fall (an die Adresse übereifriger Staatsanwälte sei vorausgeschickt, dass es sich bei dem Folgenden um eine rein hypothetische Annahme, und nicht um eine Absichtserklärung, handelt), nehmen wir also an, ich würde mich an eine belebte großstädtische Straßenkreuzung stellen und aus voller Brust schmettern:

“Schon flattern Hitlerfahnen über allen Straßen; die Knechtschaft dauert nur noch kurze Zeit.”

Ich würde im Handumdrehen (kein Wortspiel beabsichtigt) durch die Ordnungsmacht in Handschellen weggeschleppt, um anschließend seitens des Verfassungsschutzes durch die Mangel und seitens der deutschen Justiz durch den Fleischwolf gedreht zu werden. Die deutsche Presse (der ausländischen wäre die Sache, entgegen der bei uns vorherrschenden paranoiden Erwartungshaltung, vermutlich ziemlich egal) würde mich mehrheitlich kreuzigen; falls ich zum “Tatzeitpunkt” ein öffentliches Amt inne hätte, wäre meine berufliche Laufbahn jäh und dauerhaft zu Ende; die Kosten des Verfahrens und die unvermeidliche Geldbuße würden mir und meiner Familie voraussichtlich in der Folge nur noch das Unterkommen in einem Wohnklo mit Kochnische und eine Ernährung auf der Basis von Steckrübeneintopf erlauben.

Recht so! Der NS-Staat mit all seinen Kollateralerscheinungen, wurde mit Recht weggefegt und soll es auch bleiben.

Betrachten wir jedoch im Anschluss einen analogen Fall vom anderen Ende des politischen Spektrums:

Frau Claudia Roth (zum fraglichen Zeitpunkt bereits deutsche Spitzenpolitikerin) ließ sich am 6. Februar 2005 öffentlich und lauthals (eigentlich ihre normale Vortragsweise) wie folgt vernehmen:

“Am Nationalfeiertag der Deutschen ertrinken die Straßen in einem Meer aus roten Türkenflaggen und ein paar schwarzrotgoldenen Fahnen”.

Dieser Erguss liegt, zugegebenermaßen, schon einige Zeit zurück, aber die grundlegende Einstellung der Sprecherin und – dies ist der bedenkliche Teil – die letztendliche Zielsetzung, haben sich in der Zwischenzeit ganz offensichtlich nicht verändert.

Wie dem auch sei, kein Staatsanwalt fühlte sich bemüßigt einen Finger zu rühren, kein Aufschrei der deutschen Presse erfolgte und auch die eigene – immerhin als deutsch firmierende – Partei sah keine Veranlassung für eine Reaktion – und so ist Frau Roth weiter eine der Galionsfiguren einer politischen Gruppierung, die sich, allen Anzeichen nach, auf dem Weg zur politischen Führung Deutschlands befindet.

Kann mir jemand eine logische Erklärung für diese unterschiedlichen Reaktionen und Behandlungsweisen geben?

(Natürlich ist mir bewusst, dass Frau Roth und ich verschieden sind – aber ich hatte dies eher auf das Anatomische bezogen.)

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