Zwiespalt in der britischen Politik sorgt für Empörung

Dass der Westen mit dem saudischen Königreich Geschäfte macht, dürfte keine neue Erkenntnis sein. Dass man die Vorgänge in Saudi-Arabien, welcher Art sie auch immer sind, akzeptiert, ist auch nichts Neues. Warum brüskiert man sich nun also über die neusten Meldungen, die der Guardian bezüglich des britischen Militärs veröffentlicht? Die Monarchie in Saudi-Arabien wird gestützt, weil sie ein wichtiger Partner im Kampf gegen den Terror ist und weil sie aufgrund des Öls Macht besitzt.

In Nordafrika hat man sich zusammengetan und bekämpft nun Gaddafi, den man jahrelang unterstützt und als Partner angesehen hat. Die Briten stellen sich auf die Seite der Rebellen und stehen im Kampf gegen Unterdrückung und Diktator ganz vorn. Dass die Handlungen der westlichen Regierungen von deren Interessen bestimmt werden, ist klar. Warum empört man sich nun künstlich, dass Elite-Soldaten aus Großbritannien, die saudischen Sicherheitskräfte des Königshauses ausbilden?

Seit den sechziger Jahren ungefähr, schickt die britische Regierung Militäreinheiten nach Saudi-Arabien, so hat es der Guardian am Wochenende herausgefunden und den Premier gleich damit überrollt, als dieser vom G8-Gipfel nach Hause kehrte und stolz auf seine Zusage zur Unterstützung und zum Besuch der libyschen Rebellen war. Die Kritik gegen den Premier war und ist groß.

Die in Saudi-Arabien ausgebildete Nationalgarde wird nun eingesetzt, um Aufständische, um Demonstranten zu bekämpfen, nicht nur im eigenen Land, sondern auch im Nachbarland Bahrain, wo der Aufstand der Schiiten, besser gesagt die Demonstrationen, blutig niedergeschlagen und unterdrückt wurden. Das britische Verteidigungsministerium räumte ein, dass Militärpersonal bis zu 20 Mal nach Saudi-Arabien fliegt, um dort die Nationalgarde zu beraten und zu trainieren.

Natürlich blieb der Sturm der Empörung nicht aus, aber dieser sollte sich wohl nicht allein auf die britische Regierung konzentrieren. Wer sind die westlichen Regierungen eigentlich, sich einzubilden, überall mitmischen zu müssen. Geschäfte mit Diktaturen und Monarchien zu machen und immer im Hinterkopf zu haben, irgendwann das Allerweltheilmittel die Demokratie über Völker überstülpen zu müssen, die andere Systeme und Denkstrukturen haben.

Solange man die Regierungen für Wirtschaft und Politik braucht, hält man sie sich warm. Man kritisiert zwar immer mal wieder die Missachtung der Menschenrechte, ist aber sonst gern bereit, Milliardenverträge abzuschließen und Geschäfte zu machen. Wer würde denn schon gern Saudi-Arabien verprellen. Insofern wird der Einmarsch der saudischen Truppen in Bahrain kurz genannt, genau wie auch auf Demonstrationen im Osten des Landes erwähnt werden, aber dann hält man sich zurück.

Klar ist, dass wohl keine Regierung großes Interesse daran hat, den Einfluss des Islams auf die Golfstaaten wachsen zu lassen, insofern akzeptiert man die Vorgehensweisen (übrigens durchaus brutal) gegen die Demonstranten und schweigt mehr oder weniger darüber. Immerhin hat man ja andere Schurkenstaaten, auf die man zeigen und deren Regierungen man ja hart zur Brust nehmen kann, weil sie sich gegen USA und Westen verwehren.

Die Politik treibt ein gefährliches Spiel. Andererseits sind die Beziehungen zu Saudi-Arabien schon immer sehr zwiespältig. Fakt ist, dass man sich diese Partnerschaft nicht verderben will. Erstens ist Saudi-Arabien ein guter Gegner gegen den Iran und dessen Ambitionen, Fuß in der arabischen Region zu fassen, zum anderen hat Saudi-Arabien große Ölfelder, die zu schützen ein hohes Gut ist. Wenn man Saudi-Arabien verliert, öffnet man Terrorismus eine breitere Tür, denn selbst das Königshaus ist Angriffen radikaler islamischer Strömungen nicht gefeilt.

Der derzeitige König ist den islamischen Gelehrten meist ein Dorn im Auge, weil er zu liberal gesehen wird und durchaus auch Frauen Zugeständnisse macht. Natürlich sind die verglichen mit unseren Maßstäben und Forderungen kaum erkennbar, im Kontext mit der saudischen Gesellschaft aber schon enorm.

Warum man sich nun also so brüskiert über die Zusammenarbeit zwischen Briten und saudischem Königshaus, ist nicht wirklich nachvollziehbar. Vielleicht brauchte man nur wieder einen Aufhänger, der Leser lockt. Einerseits die Rebellen im Kampf gegen den Diktator unterstützen und andererseits die Nationalgarde ausbildet, die Demonstrationen unterdrücken soll. Das passt nicht? Oh doch, in der Politik passt alles.

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